Klassik aus Tschechien
Seine „Moldau“ geht zu Herzen – Vor 200 Jahren wurde Bedrich Smetana geboren

02.03.2024 | Stand 02.03.2024, 11:00 Uhr

Diese Statue am Ufer der Moldau in Prag erinnert an den tschechischen Komponisten Bedrich (Friedrich) Smetana. Er wurde am 2. März 1824 geboren und lebte viele Jahre in Prag. − Foto: Michael Heitmann, dpa

Seine symphonische Dichtung „Die Moldau“ zählt zu den weltweit beliebten Klassik-Hits: Am 2. März wäre der tschechische Nationalkomponist Bedrich - oder auch Friedrich - Smetana 200 Jahre alt geworden. In seinem Leben hatte es der große Romantiker nicht immer leicht:



Seine Kindheit

Smetana wuchs als Sohn eines Braumeisters in Litomysl, rund 130 Kilometer östlich von Prag, auf. Die Brauerei samt Dienstwohnung befand sich gleich gegenüber dem Renaissance-Schloss, heute Unesco-Welterbe. Schon früh lernte das Kind Geige und Klavier zu spielen. Der erste öffentliche Auftritt folgte mit sechs Jahren. Zudem habe er für Gräfin Maria Cajetan von Waldstein-Wartenberg im Schlosssalon Privatkonzerte gegeben, berichtet der heutige Schlossverwalter Jiri Weiss. Das Klavier, das er dabei verwendete, kann man sich heute noch ansehen. „Es spielt, aber für Konzerte müsste es erst restauriert werden“, sagt Weiss. Ein guter Schüler war Smetana, der verschiedene Internate besuchte, nicht.

Seine Inspirationsquellen

Nach dem Gymnasium studierte Smetana in Prag Komposition - gegen den Willen seines Vaters, der das für brotlose Kunst hielt. Er arbeitete als Privatlehrer bei Adligen und gründete eine Musikschule, kämpfte aber mit finanziellen Problemen. Zu einem Vorbild und Freund wurde der zwölf Jahre ältere Komponist und Romantiker Franz Liszt. Später fand Smetana Inspiration in den Opern Richard Wagners mit ihrer tragenden Rolle des Orchesters. Frauen spielten als Musen eine wichtige Rolle - ihnen widmete er gerne eigene Stücke.

Politisch schloss er sich der aufstrebenden tschechischen Nationalbewegung an, die mehr Rechte in der Habsburgermonarchie einforderte. Im Revolutionsjahr 1848 soll er sogar auf den Barrikaden gekämpft haben. Der als Friedrich getaufte Smetana ließ sich nun Bedrich nennen. Wie eine neue Studie zeigt, bereitete ihm die tschechische Schriftsprache mit ihrer komplizierten Grammatik und Rechtschreibung größere Schwierigkeiten - in seiner Schulzeit war Deutsch die einzige Unterrichtssprache gewesen.

Sein Werk

Zu den bekanntesten Kompositionen Smetanas zählt zweifellos die symphonische Dichtung „Die Moldau“ (auf Tschechisch Vltava) aus dem Zyklus „Mein Vaterland“, die oft in der Schule behandelt wird. Smetana selbst schrieb, das Stück folge „dem Fluss der Vltava durch Wälder und Wiesen, und weiter durch die Landschaft, wo gerade frohe Feste gefeiert werden; ein Tanz der Nixen im Mondlicht; auf den nahen Felsen tauchen stolze Burgen, stattliche Häuser und Ruinen auf.“

Meistgespielte Oper des Tschechen ist „Die verkaufte Braut“ nach einem Libretto von Karel Sabina. Sie erzählt von der jungen Marie, die in Hans verliebt ist, aber nach dem Willen der Eltern den Sohn eines reichen Bauern heiraten soll. Im Ausland fast nie aufgeführt wird Smetanas Oper „Libuse“, mit der erst 1881 und nach einem Brand und dem Wiederaufbau erneut 1883 das Nationaltheater in Prag eröffnet wurde. Auch „Dalibor“ ist eher etwas für Kenner.

Krankheit und Tod

Der Tod von dreien seiner sechs Töchter bereits im Kindesalter traf ihn schwer. Auch seine erste Frau starb früh, die zweite Ehe ging in die Brüche. Im Jahr 1874 verlor Smetana vollständig sein Gehör. Die folgende Zeit zählte dennoch zu seinen fruchtbarsten Schaffensperioden. Den quälenden Tinnitus verewigte er in seinem Streichquartett Nummer 1 in e-Moll „Aus meinem Leben“ als schrille Klänge. Kurz vor seinem Tod wurde er in eine psychiatrische Klinik in Prag eingeliefert, wo er am 12. Mai 1884 starb. Viele Experten gehen davon aus, dass er an Syphilis litt, andere vermuten Demenz aufgrund von Arteriosklerose oder eine Wundinfektion. Das Ehrengrab auf dem Vysehrad-Friedhof zieht bis heute Klassikfreunde aus aller Welt an.

Was er heute für Tschechien bedeutet

Smetana wird als der Begründer der tschechischen Nationalmusik verehrt. Wer in seiner Heimat als Komponist oder Musiker nach ihm kam, musste sich mit seinem Werk auseinandersetzen, sei es zustimmend oder kritisch. In Prag erinnern ein Museum und eine überlebensgroße Statue nahe der Karlsbrücke an den Quasi-Nationalheiligen. Das Klassikfestival „Prager Frühling“ beginnt jährlich am Todestag Smetanas mit dessen Zyklus „Mein Vaterland“. Seine Geburtsstadt lädt immer im Sommer zum internationalen Opernfestival „Smetanas Litomysl“. Unter dem Motto „Smetana200“ findet in Tschechien und im Ausland in diesem Jahr eine Unmenge an Konzerten und Veranstaltungen statt. Dabei gibt es auch selten aufgeführte Stücke wie seine allererste Oper „Die Brandenburger in Böhmen“ zu entdecken.

Michael Heitmann