Am 8. Juni auf 3sat
Schalalalala: Dokumentation über Fußballhymnen stimmt auf EM ein

08.06.2024 | Stand 08.06.2024, 5:00 Uhr |

Ganz nah am Herz des Fußballs: Spieler- und Fangesänge. − F.: 3sat

Fußballern des FC Bayern sollen die Lederhosen ausgezogen werden, Anhänger des HSV schmähen den Rivalen Werder Bremen wenig fein als „grün und stinkt nach Fisch“, und wohl jeder Stadionbesucher musste sich schon einmal den hämischen Gesang „Ihr könnt nach Hause geh’n!“ aus Tausenden heiseren Männerkehlen anhören: Was wäre der Fußball ohne seine schreienden, grölenden und vor allem singenden Fans?



Das Fußball-Fachmagazin „11 Freunde“ nennt den Fangesang den „letzten authentischen Rülpser in einer immer sterileren Fußballwelt“, und diese Ansicht würde wohl auch Gunnar Leue unterschreiben, seines Zeichens Experte auf dem Gebiet des Fangesangs, der darüber das Standardwerk „You’ll Never Sing Alone – Wie Musik in den Fußball kam“ geschrieben hat. Völlig klar, dass der Journalist auch ausführlich in der Dokumentation „Fußballhymnen: Schalalalala!“ zu Wort kommt, die am heutigen Samstag, 8. Juni, auf 3sat zu sehen ist musikalisch auf die anstehende Europameisterschaft einstimmt.

Schon 1921 gab es „Deutschen Fußballmarsch“



Die sehens- und hörenswerte Dokumentation beschäftigt sich aber nicht nur mit ausgesucht witzigen, ziemlich mitreißenden oder auch nur dumpf aggressiven Fangesängen in der Stadionkurve, sondern auch mit mal mehr, meist aber weniger gelungenen Vereinshymnen oder Gesangseinlagen bekannter Fußballprofis mit hohem Fremdschämfaktor. „Für mich sind Fußballlieder der pointierteste, mitreißendste, lustigste, hässlichste und zugleich peinlichste Ausdruck von Fußballkultur, sagt Leue, der eine riesige Sammlung von Fußballplatten hat – vom „Deutschen Fußballmarsch“ 1921 über Gerd Müllers „Dann macht es Bumm“ bis zu einem fragwürdigen Werk des singenden argentinischen Weltstars Diego Maradona.

Einfach und verständlich



Zu Wort kommen in der Dokumentation neben Gunnar Leue auch andere Fußballexperten sowie Vertreter von Fanclubs, Spieler und Spielerinnen oder akademische Fußballnerds, die Fangesänge und Fußballsongs seit vielen Jahren wissenschaftlich untersuchen. Mit Christian Wiesing ist sogar ein echter Macher am Start.

Der Toningenieur und Musikproduzent hat schon mehr als 100 Fußballhymnen komponiert, die meisten für Amateurvereine wie den TSV Niederhofen („Grün und weiß ist unsere Passion“), die DJK Donaueschingen („Unser Herz schlägt Grün-Weiß“) oder den in Osnabrück beheimateten Sportverein TuS Nahne mit dem eingängigen Refrain: „Wir schwenken die Fahne für unseren TuS Nahne, wir wollen immer alles geben: TuS Nahne, unser Leben“.

Für Christian Wiesing müssen Fußballhymnen vor allem einfach und für jeden verständlich sein. Ein Motto, dass für den Fangesang in der Kurve in verstärktem Maße gilt und das sich in legendären Textzeilen zeigt, die wirklich jedermann kennt. Oder wer hat bei Sätzen wie „Es gibt nur ein Rudi Völler“ oder „Oh, wie ist das schön“ nicht sofort die Melodie im Ohr?

Martin Weber


Samstag, 8.6., 19.20 Uhr, 3sat