Münchner Komiker
Michael Mittermeiers „Lucky Punch Comedy Club“ kommt ins Fernsehen

10.06.2024 | Stand 10.06.2024, 5:00 Uhr |
Andre Wesche

Lucky Punch heißt der Comedy-Club in München, den Michael Mittermeier im Oktober 2023 im Gasteig eröffnet hat. Jetzt sendet das Bayerischen Fernsehen sechs Abende aus dem Club. − F.: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Für Fans des Münchner Komikers Michael Mittermeier (58) gibt es jetzt doppelten humoristischen Nachschub im Fernsehen. Am Donnerstag, 13. Juni, um 22 Uhr feiert im Bayerischen Fernsehen und in der ARD-Mediathek „Mittermeiers Lucky Punch Comedy Club“ seine Premiere. Aufgezeichnet wurden die sechs Folgen im gleichnamigen Club im Münchner Kulturareal Fat Cat (so heißt der Gasteig während seiner Zwischennutzung bis zur Sanierung). Am Freitag, 14. Juni, um 23:45 Uhr kehrt zudem „Der ZDF Comedy Sommer" mit acht Folgen zurück. Michael Mittermeier ist Gastgeber der ersten Ausgabe.

Herr Mittermeier, worüber haben Sie sich zum letzten Mal ausgeschüttet vor Lachen?
Michael Mittermeier: Die letzten vier oder fünf Tage war ich bei uns im „Lucky Punch Comedy Club“. Wir hatten tolle Shows. Ich kann nur ein paar Namen nennen: Filiz Tasdan, Fred Costea, Alex Stolt. Felix Lobrecht war bei uns und hat Try-Outs gemacht. Ich habe so viel gelacht! Auch ich bin ein Comedy-Club-Geher und schaue mir etwas an.

TV-Sender und Streamingdienste sind momentan heiß auf neue Comedyformate, was nur guten Quoten geschuldet sein kann. Sehnen sich die Zuschauer nach Erheiterung?
Mittermeier: Diese Frage bekomme ich alle fünf Jahre gestellt: Ist diese Zeit jetzt besonders für Comedy? Das kriege ich seit 38 Jahren, die ich auf Tour bin. Ich glaube, Comedy ist immer da und en vogue. Wenn die Zeit schwer ist, ist es natürlich schön, dass man lachen kann. Das merken wir auch. Wir haben im Oktober 2023 den „Lucky Punch Comedy Club“ aufgemacht und es lief von Anfang an richtig gut. Wir haben uns jetzt schon in der Szene etabliert und haben ein wahnsinnig bunt gemischtes Publikum, was ich ganz toll finde. Es kommen ganz junge von 18 bis 25. Wir haben aber auch ältere Generationen. Letztes Mal hatte ich zwei über 80-Jährige drin. Das ist großartig.

Welche Chancen und Gefahren sehen Sie in dieser Entwicklung? Könnte es zu einer Übersättigung kommen?
Mittermeier: Ich schaue da nie negativ drauf, sondern denke mir, dass es ist doch schön ist, wenn es der Comedy gerade gut geht. Ich profitiere auch davon. Der BR würde nicht sechs Folgen vom Lucky Punch aufzeichnen, wenn sie nicht glauben würden, dass das funktionieren würde. Deswegen sehe ich das positiv. Ob die Leute übersättigt werden? Ich habe keine Ahnung. Ich schaue lieber auf meine eigenen Sendungen und sage: Pass auf, ich werde jetzt sechs geile Folgen machen. Ich moderiere und hoste sie auch. Dann schauen wir mal, was passiert. Ich konzentriere mich darauf, etwas Geiles zu machen. Ob Sendungen dabeibleiben oder wieder wegfallen, ist immer eine Wellenbewegung bei den Sendern. Ich habe alle Wellenbewegungen überlebt. Es ist super, dass ich gerade auf einer Welle surfe.

Was darf man von der Sendung zum Club erwarten?
Mittermeier: Das wird ein sehr geiler und repräsentativer Mix von dem, was gerade in der deutschen Comedy-Szene passiert. Ein Drittel Newcomer aus der Münchner-Szene, ein Drittel von Leuten, die gerade der Backbone of Comedy sind. Großartige Leute, deren Name nur noch nicht so bekannt ist. Und dann haben wir auch ein paar Etablierte, so wie Torsten Sträter, Maxi Gstettenbauer, Martin Frank in Bayern, Simon Pearce und Abdelkarim. Diese Mischung ist eine ganz tolle und spiegelt wider, was wir am Abend meistens live im Club haben. Wer sich die Sendung anschaut, bekommt gut mit, was momentan live in München und generell in der Comedy-Szene abläuft.

Welche jungen Talente finden Sie besonders spannend?
Mittermeier: Ich bin momentan ganz stolz auf Leute wie Filiz Tasdan. Eine großartige Comedienne, die ist super. Ein Alex Stolt, Marvin Hoffmann, Fred Costea. Oder ganz junge Comediennes, wie Florentine Osche und Kristina Bogansky aus der Berliner Szene. Es ist ganz toll, denen zuzuschauen, denn sie sprechen anders über die Dinge. Die sind eine andere Generation und in ihren 20ern. Ich schaue ihnen gerne zu und lerne, wie sie auf die Welt schauen. Ich lasse mich davon auch inspirieren. Die beste Anmoderation, die ich hatte, war von Florentine Osche. Vor einer Woche habe ich in Berlin in einem kleinen Club gespielt. Sie hat mich mit den Worten anmoderiert: „Ich bin Fan, seit ich drei bin.“ Die hat von ihren Eltern schon Tapes oder CDs bekommen, als sie noch ein kleines Kind war. Das ist toll. Die kann noch etwas mit mir anfangen. Trotzdem muss auch ich auf der Bühne abliefern, wenn ich im Lucky Punch spiele oder hoste. Ich kann nicht einfach Nummern machen, die ausgedatet sind. In den 90ern war das lustig, aber jetzt nicht mehr. Scheinbar funktioniert es bei mir aber noch.

Ist die Schere in Ihrem Kopf größer geworden, obwohl Sie sich lange dagegen gewehrt haben?
Mittermeier: Wenn ich auf eine Bühne gehe – und das mache ich seit 42 Jahren – mache ich viel aus dem Bauch heraus, vom Gefühl oder vom Herzen. Das zeigt mir meist den richtigen Weg. Ich denke nicht dauernd darüber nach. Es wäre ja schlimm, wenn wir Comedians dauernd darüber nachdenken würden. Dann werde Bäcker, heule dich bei deinen Eltern aus, bei deiner Mama. Dann hast du den falschen Job. Was soll ich mich denn beschweren? Ich darf alles sagen und werde dafür nicht verhaftet. Wo ist das Problem? Ich habe Freunde, die wirklich nicht sagen dürfen, was sie wollen. Ein Kumpel von mir ist russischer Comedian. Der kann wirklich verhaftet werden und wird auch verhaftet. Oder mein Freund Zarganar, der elf Jahre wegen politischer Witze im Gefängnis war. Wenn sich die Leute hier beschweren, dann darf ich sagen: Freunde, lasst mal die Kirche im Dorf. Ja, man bekommt mal einen Shitstorm oder Leute beschimpfen dich. Ich werde und wurde immer für irgendetwas beschimpft. In einem Jahr beschimpfen mich die Katholiken, dann beschimpfen mich die Nazis, dann kommen die Verschwörungsleute, dann beschimpfen mich die Impfgegner, dann die und dann die. Solange du von den richtigen Leuten beschimpft wirst, ist alles gut.

Will der Mittermeier von heute mit seiner Arbeit noch genauso viel bewirken wie der Student, der genau vor 30 Jahren seine Magisterarbeit über das Thema „Amerikanische Stand-up-Comedy“ geschrieben hat?
Mittermeier: Ich glaube, es ist immer noch ähnlich. In erster Linie will ich die Leute unterhalten und zum Lachen bringen, weil das der Kern der Stand-up-Comedy ist. Ich versuche schon immer etwas einzubauen, aber es ist kein Muss. Ich bin kein Zwangsarbeiter, der sagt: Jetzt müssen die Leute dauernd über die Message nachdenken. Es ist schön, wenn das passiert. Ich bin auch ein politischer Mensch und zeige das in meinen Aussagen. Aber wenn die Leute sich den „Lucky Punch Comedy Club“ anschauen, live oder im Fernsehen beim BR, und sagen: „Hey, ich habe dreiviertel Stunde abgelacht!“, dann haben wir alles richtig gemacht.

Das Gespräch führte André Wesche.