Kinokritik
Auch in „Ich – Einfach unverbesserlich 4“ stehen die chaotischen Minions im Mittelpunkt

10.07.2024 | Stand 11.07.2024, 17:17 Uhr |
Sascha Rettig

In Teil 4 ist Gru nun vollends im Familienleben angekommen: mit Frau, Adoptivkindern und jetzt sogar mit eigenem Gru-Baby. − Foto: Universal Pictures, teleschau

Die Minions als Babysitter? Na das kann ja was werden! Aber natürlich geht es auch in „Ich – Einfach unverbesserlich 4“ nicht ohne die gelben Chaoten, die wieder einmal ihren infantil anarchistischen Gaga-Humor zelebrieren.



Sie sind klein, gelb, immer zu irrstem Blödsinn aufgelegt und vor allem ganz gnadenlose Diebe: die Minions, dieses Heer an hyperaktiv herumscherzenden Helferlein des einstigen Superschurken Gru aus der Animationsreihe „Ich – Einfach unverbesserlich“. Egal, wo sie auftauchen, rauben sie schließlich allen anderen die Aufmerksamkeit und ziehen sie voll und ganz auf sich, weil sie ohne Rücksicht auf (eigene) Verluste ihren infantil anarchistischen Gaga-Humor zelebrieren.

Schon im ersten Teil der Reihe wurden sie so von Sidekicks zu Weltstars – und zu einem gigantischen Geschäft. Mützen, T-Shirts, Spielzeuge, alles, was man mit Minions bedruckt werden kann, alles, was in ihrer markanten Form hergestellt werden kann, wird in dieser Flut an Merchandising-Möglichkeiten in die Welt gespült.

Dabei wird das Interesse nicht nur mit Sequels von „Ich – Einfach unverbesserlich“, sondern mit vielen Minion-Kurzfilmen und Spin-Off-Spielfilmen, zuletzt mit „Minions 2 – Auf der Suche nach dem Mini-Boss“ von 2022, wachgehalten. So dürften sie auch der Hauptgrund dafür sein, dass „Ich – Einfach unverbesserlich“ bereits beim vierten Teil gelandet ist.

Lesen Sie auch: „Furiosa: A Mad Max Saga“: Alte Saga, neue Heldin

Vollends im Familienleben angekommen

Hauptfigur ist nach wie vor ganz streng genommen eigentlich Gru, der frühere Superbösewicht mit spitzer Nase, rundlicher Figur, dürren Beinchen und Kahlkopf, der seit dem Beginn der Reihe eine steile Entwicklungskurve verzeichnen kann. Von seinen ursprünglichen Ambitionen, der größte Schurke der Welt zu sein, ist nicht viel übriggeblieben. Bereits im Laufe des ersten Teils tauschte er seinen Großganovenwunsch gegen die Rolle des alleinerziehenden Vaters dreier Adoptivkinder. In Teil 4, der einmal mehr unter der Regie von Chris Renaud, diesmal in Zusammenarbeit mit Patrick Delage, entstanden ist, ist Gru nun vollends im Familienleben angekommen: mit Frau, Adoptivkindern und jetzt sogar mit eigenem Gru-Baby.

Die Turbulenzen lassen trotz komplettierter Familienidylle aber nicht lange auf sich warten. Unterwegs im Namen der Anti-Verbrecher-Liga AVL konnte der Superschurke Maxime, der Gru schon zu Verbrecher-Internatszeiten schikanierte, dingfest gemacht werden. Als der zu einer Schurken-Kakerlake mutierte Maxime jedoch aus dem Gefängnis fliehen kann und mit seiner Kakerlaken-Armee auf Rache sinnt, muss Gru mit seiner Familie und den Minions im Zeugenschutzprogramm untertauchen und ein neues Leben beginnen. Es dauert aber auch hier nicht lange, bis sie entdeckt werden und sich die Ereignisse für den finalen Showdown hochspielen. Obwohl hier parallel gleich mehrere Handlungsstränge ausgelegt werden, ist das Storygerüst letztlich aber so dünn, dass es heftig klappert bei dem Getöse, das drumherum entfacht wird, um das zu kaschieren.

Mega-Minions veräppeln Marvel-Superhelden



Hier noch eine Idee, da noch eine schräge Figur, eine popkulturelle Anspielung oder ein infantiles Minions-Scherzchen: Das ist schon ganz in Ordnung und mittelunterhaltsam, aber so richtig zünden vermag diese Familienunterhaltung damit selten, zumal sich auch der Charme über weite Strecken in den hyperaktiv beschleunigten Ereignissen verliert.

Und die Minions? Selbst die können davon kaum ablenken, obwohl hier diesmal sogar ein paar Mega-Minions im Labor kreiert werden – als Veräppelung des wuchernden Marvel-Superhelden-Kosmos. Mittlerweile gibt es einfach so viele Figuren und Schauplätze, dass den Minions das widerfährt, wofür sie sonst verantwortlich sind: Ihnen wird die Aufmerksamkeit gestohlen, obwohl sie – kaum zu glauben – immer noch nicht wirklich nerven, sondern weiterhin mit ihrer unzertrümmerbaren Drolligkeit und ihrem ansteckenden Kichern für einige Schmunzelmomente sorgen.

Sascha Rettig


USA 2024, von Chris Renaud, 94 Minuten, frei ab 6 Jahren