Moritz Bleibtreu in der Hauptrolle

Du sammeln, ich jagen! – „Caveman“ kommt ins Kino

Die abgestandene Comedyshow „Caveman“ kommt mit Moritz Bleibtreu ins Kino

24.01.2023 | Stand 24.01.2023, 17:19 Uhr

Moritz Bleibtreu setzt sich in „Caveman“ mit seinem ganz persönlichen inneren Höhlenmenschen auseinander. Das zugrunde liegende Theaterstück, das 1991 am New Yorker Broadway Premiere hatte, haben bisher schon 14 Millionen Menschen in 55 Ländern gesehen. −Foto: Constantin Film Verleih GmbH/Jürgen Olczyk

Der kleine Unterschied und seine Folgen für die Beziehung zwischen Frauen und Männern ist ein Dauerbrenner, der nicht nur Paartherapeutinnen, sondern auch Heerscharen von Comedians das Einkommen sichert. Unglaubliche 14 Millionen Menschen in 55 Ländern haben Rob Beckers „Caveman“ seit seiner Premiere 1991 gesehen. Am New Yorker Broadway avancierte die Komödie zum am längsten aufgeführten Solo-Stück aller Zeiten. In Deutschland trat „Caveman“ seinen Siegeszug 2000 an, im Süden ist Karsten Kaie seit über 20 Jahren mit dem Stück unterwegs. Mit komödiantischer Akribie türmt das Stück die Geschlechterklischees aufeinander, um sie mit großen Wiedererkennungswerten für das Publikum hemmungslos zu überhöhen.

Kein Bestseller bleibt unverfilmt

Als Fundament dient die (keineswegs bahnbrechende) These, dass das Unverständnis zwischen Männern und Frauen in der Urzeit angelegt wurde, als die Herren der Schöpfung noch als Jäger in den Wald zogen, während die Damen als Sammlerinnen ihren Beitrag zur Ernährung leisteten. Die Komik entsteht dann im Abgleich zwischen frühzeitlichen und modernem Verhalten, bei dem die Männer als nutzlos gewordene Jäger besonders mies abschneiden.



Im Hause Constantin bleibt kein Bestseller unverfilmt, das gilt für Romane und nun auch für Bühnenstücke. Als Drehbuchautorin und Regisseurin bricht Laura Lackmann („Mängelexemplar“) die Statik des Ein-Mann-Stückes auf, um es in einen Ensemblefilm zu verwandeln. Die Rahmenhandlung bleibt der Bühne verpflichtet: Der unglückliche Autoverkäufer Bobby (Moritz Bleibtreu) versucht sich mit einer Zweitkarriere als Comedian, aber ausgerechnet am Premierenabend macht Ehefrau Claudia (Laura Tonke) mit ihm Schluss. Auf der Bühne beginnt Bobby nun seine Beziehung aufzuarbeiten und will am Ende das Publikum darüber abstimmen lassen, ob er der Vollidiot ist, für den er sich hält. In den Rückblenden geht an die Anfänge der Liebe in einer Bar, wo gemeinsam über die glückliche Geschlechtsneutralität von Seepocken philosophiert wird und sich Seelenverwandtschaftsgefühle breit machen.

Davon bleibt einige Jahre später in der verheirateten Reihenhausexistenz kaum noch etwas übrig. Das liegt, wie Bobby aus eine Frauenmagazin erfährt, an der Angleichung der Hormonspiegel während der Verliebtheitsphase, die dann wieder auf ihr jeweiliges geschlechtsspezifisches Niveau absinken. Solche wissenschaftlichen Erkenntnisse sind für den Mann, der vergeblich versucht seine Frau zu verstehen, genauso tröstlich wie das frühzeitliche Erklärungsmuster von Jägern und Sammlern, Speer und Körbchen. Nur dass diese Erkenntnisse das Ehe-Dilemma noch mehr verschärfen, weil Claudia mit der Neandertaler-Logik wenig anzufangen weiß.

Wie die Theatervorlage spart auch der Film nicht an Klischees: Männer reden weniger, stieren nach einem schlechten Tag auf den Fernseher, interessieren sich nicht für Mode und laufen mit einem bekleckerten Sweatshirt durch die Gegend. Frauen haben ein unstillbares Kommunikationsbedürfnis, verständnisvolle Freundinnen, begehbare Kleiderschränke und eine ausschweifende Schuhsammlung. Was hier an Stereotypen aufgestapelt wird, hat man in unendlich vielen entbehrlichen Beziehungskomödien gesehen. Vielleicht liegt der etwas miefige Geruch am Original, das mittlerweile fast ein Vierteljahrhundert zurückliegt. Mag sein, dass sich am Unverständnis zwischen Männern und Frauen wenig geändert hat, aber die Art der Missverständnisse dürften andere sein. Immerhin hat #MeToo die Debatte verschoben, wächst eine neue Generation mit Gender-Fragen heran, die nach einer anderen Aufarbeitung auch im Comedy-Format verlangen. Davon ist in „Caveman“ nichts zu spüren. Es bleibt ein abgestandener Nachgeschmack. Das ist bedauerlich, weil der Film mit Laura Tonke und Moritz Bleibtreu über veritable schauspielerische Ressourcen verfügt, mit denen man einen mutigeren, aktuelleren und kreativeren Blick auf das älteste Thema der Welt hätte wagen können.

Martin Schwickert


•D 2022, von Laura Lackmann, mit Moritz Bleibtreu, Laura Tonke, Wotan Wilke Möhring, 100 Minuten, frei ab 12 Jahren

•Den Trailer sehen sie im digitalen Feuilleton auf der Seite pnp.de/nachrichten/kultur