Welterfolg „Die Säulen der Erde“
Das sind die Säulen seines Erfolges: Bestsellerautor Ken Follett wird 75

05.06.2024 | Stand 05.06.2024, 5:00 Uhr |

Baumeister großer Erzählungen: Erfolgsautor Ken Follett wird 75 Jahre alt. − Foto: Dedert, dpa

Ken Follet brauchte 200 Pfund, um sein Auto reparieren zu lassen. Weil ein Kollege beim „South Wales Echo“ genau diesen Betrag für einen Roman kassiert hatte, wollte er es auch damit versuchen. Inzwischen hat der Brite, der am Mittwoch, 5. Juni, 75 Jahre alt wird, 37 Bücher geschrieben, die in 40 Sprachen übersetzt wurden und sich weltweit über 190 Millionen Mal verkauft haben.

Aufgewachsen ohne Fernsehen und Radio in der walisischen Hauptstadt Cardiff suchte Follett Ablenkung in Büchern. Sein erster erfolgreicher Roman – bereits sein Elfter – war ein Spionagethriller („Die Nadel“), der im Zweiten Weltkrieg spielt und 1978 veröffentlicht wurde. Es folgten vier weitere Spionageromane, mit denen er es auf die Bestsellerlisten schaffte. Den strengen Glauben seiner Eltern an Gott legte Follett als junger Mann ab. Er studierte Philosophie. Spiritualität bewahrte er sich hingegen durch seine Faszination für mittelalterliche Kathedralen. Das führte ihn zu seinem bis heute erfolgreichsten Buch „Die Säulen der Erde“ über den Bau einer Kathedrale im England des zwölften Jahrhunderts. Es wurde weltweit über 23 Millionen Mal verkauft. Weitere historische Romane folgten. Mehrere Bücher wurden später verfilmt.

Der Bestsellerautor erzählt gerne von dem jahrelangen Prozess, den er für ein Buch benötigt. Dem Schreiben geht eine akribische Recherche voraus. Follett legt großen Wert auf historische Details, die er von Geschichtsprofessoren und Zeitzeugen prüfen lässt. Einen ersten Entwurf lässt er gegenlesen und kommentieren. Auf dieser Grundlage schreibt er einen zweiten Entwurf, der schließlich zum Buch wird. Genauso streng hält er sich an Rezepte, die seinen Büchern Spannung und Emotionen verleihen. „Die Geschichte braucht alle vier bis sechs Seiten eine Wendung“, verriet er. Es gibt auch Kritiker, die seine Vorgehensweise für durchschaubar halten und seinen Charakteren einen Mangel an Innenleben bescheinigen – ein Vorwurf, mit dem Follett leben kann, wie es scheint.

Mit seiner zweiten Frau Barbara, einer ehemaligen Labour-Abgeordneten, wohnt er in einem alten Pfarrhaus nördlich von London. Sie lernten sich beim Wahlkampf für die britische Arbeiterpartei kennen, für die Follett bis Mitte der 90er um Spenden warb. Dass er noch immer an Politik interessiert ist, stellte Follett mit seinem vorletzten Roman „Never – Die letzte Entscheidung“ unter Beweis, in dem die Welt einem furchtbaren Konflikt entgegen taumelt. Ob er optimistisch in die Zukunft blicke, verneint Follett in einem Interview zu seinem jüngsten Buch. Zu viele Menschen sehnten sich nach autoritären Führungsfiguren, befand er und fügte hinzu: „Junge, das macht mir Angst.“

Christoph Meyer