Es fährt ein Schiff nach Nirgendwo
"1899" auf Netflix: Neue Mystery von den Machern von "Dark"

16.11.2022 | Stand 19.09.2023, 3:59 Uhr
Eric Leimann

An Bord der "Kerberos" von Kapitän Eyk Larsen (Andreas Pietschmann) ereignen sich merkwürdige Dinge. Die Netflix-Produktion "1899" gilt als die bislang teuerste deutsche Serie. −Foto: Netflix

Kulissen von "Titanic"-artigem Umfang, bildgewaltige "The Volume"-Technik, die man von "The Mandalorian" kennt, und viele, viele Geheimnisse, sowohl im Plot als auch bei den Charakteren: Diese Zutaten sollen in der achtteiligen Netflix-Serie "1899" – zu sehen ab Donnerstag – eine Welt erzeugen, wie man sie aus Deutschland noch nicht gesehen hat. Das rätselhafte Auswanderer-Epos wurde erschaffen vom Ehepaar Jantje Friese und Baran bo Odar, das zuvor für drei Staffeln "Dark" nicht nur Trophäen wie den Grimmepreis abräumte, sondern auch einen großen internationalen Zuschauererfolg feierte.



In "1899" probieren die deutschen Netflix-Lieblinge nun etwas noch Größeres aus. Die historische Serie, die im Jahrhundertwendejahr ihres Titels spielt, begleitet eine Gruppe Auswanderer an Bord der "Kerberos" auf dem Weg von Southampton nach New York. Im Zentrum steht Maura Franklin (Emily Beecham), die Medizin studiert hat, von Albträumen geplagt wird und – ungewöhnlich fürs Jahr 1899 – als Frau alleine reist. Als zweite Hauptfigur könnte man den deutschen Kapitän Eyk Larsen (Andreas Pietschmann) ausmachen, der auf seinem schwimmenden Stahlungetüm plötzlich das Funksignal seines Schwesterschiffes "Prometheus" empfängt, das vor einigen Monaten spurlos auf See verschwand.

Auf dem Weg zum verlorenen Schiff, von dem niemand weiß, in welchem Zustand es sich befindet, lernt man – ähnlich wie bei "Titanic", nur eben mit sehr viel mehr Mystery – weitere Reisende kennen: ein wohlhabendes französisches Paar auf Hochzeits-Trip, das aber offenbar nicht besonders glücklich ist, oder einen jungen spanischen Priester und seinen dandyhaften Bruder etwa.

Als die "Kerberos" die "Prometheus" erreicht, geht eine kleine Delegation an Bord des Hilferuf-Senders, findet dort aber mehr Geheimnisse als Antworten vor. Bald verändert sich auch die Stimmung an Bord der "Kerberos"...

Knapp 50 Millionen Euro sollen die ersten acht Folgen gekostet haben. Sieht man sich die dunklen, aber durchaus edlen Bilder an, die gefühlt zu 95 Prozent auf See spielen, weiß man, wohin das Geld, nun ja, geflossen ist.

"1899" ist eine Serie mit enorm hohem Tempo und rekordverdächtig mannigfaltiger Rätselkultur. Manchmal fühlt man sich beim Zuschauen wie in einem extrem gut ausgestattetem "Escape Room". Einer, der beim kommerziellen Rollenspiel das Letzte aus den Teilnehmenden herausholen will und dabei auf viele bekannte Mystery-Motive, aber eben auch Klischees setzt.

Trotzdem: Mit der tollen Ausstattung, den paneuropäisch originellen Figuren und dem irren Titanic-in-Horror-Setting ist "1899" ein Serien-Highlight des Herbstes 2022.

Eric Leimann

Ab 17. November auf Netflix