Zum zweiten Jahrestag
So spüren die bayerischen Verbraucher den Krieg in der Ukraine

24.02.2024 | Stand 24.02.2024, 5:00 Uhr

Der Krieg in der Ukraine erreichte den bayerischen Verbraucher unter anderem an der Supermarktkasse. − Foto: dpa

Seit zwei Jahren herrscht Krieg in der Mitte Europas. Natürlich leiden die Ukrainer am stärksten unter der russischen Invasion. Aber auch die Menschen in Bayern bekommen die Auswirkungen des Kriegs zu spüren, wenn auch fast nur wirtschaftlich.



Die 2020er Jahre sind bislang ein Krisenjahrzehnt. Im Februar 2020 erreichte uns Corona, fast genau zwei Jahre später bricht in Europa wieder ein Krieg aus. Beide Ereignisse bekommen die Verbraucher in Bayern deutlich zu spüren. Nicht nur bei den Kosten für Energie, auch an der Supermarktkasse, beim Bäcker oder Metzger. Die Inflation erreichte einen nicht gekannten Rekordwert von 8,8 Prozent im November 2022. Zum Vergleich: Seit Bestehen der Bundesrepublik war der Wert 1951 mit 7,6 Prozent und 1973 mit 7,1 Prozent am höchsten.

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Die gute Nachricht vorweg: Im Januar 2024 lag die bundesweite Inflationsrate wieder bei 2,9 Prozent, und damit sogar weit unter dem Wert zu Kriegsbeginn (4,2 Prozent). Die Inflationsrate errechnet sich aus dem Preisanstieg eines durch das Statistische Bundesamt definierten Produktwarenkorbs. In diesem befindet sich eine Auswahl verschiedener Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs, für die ein durchschnittlicher Haushalt in Deutschland im Jahr Geld ausgibt. Dazu gehören unter anderem Ausgaben für Lebensmittel, Bekleidung, Miete, Strom, Telekommunikation, Freizeitausgaben und Rohstoffe wie Benzin oder Heizöl sowie staatliche Gebühren und Steuern.

Sogar Experten von hoher Inflation überrascht

Ganz anders die Situation im Frühjahr 2022. Der drastische Anstieg der Inflationsrate hatte sogar Experten der Ifo überrascht. Vor dem Angriff waren sie für April 2022 noch von 4,1 Prozent ausgegangen, nach dem 24. Februar schraubten sie die Prognose auf 4,85 hoch. De facto waren es dann aber weit über sieben Prozent. Hauptschuldiger an der gestiegenen Inflationsrate: Der Ölpreis. Der stieg bis Mai 2022 sprunghaft auf 130 US-Dollar pro Brent. Die diversen Sanktionspakete der EU gegen Russland, den Hauptlieferanten für Erdgas, ließen auch dessen Preis steigen. Erdgas hat aber in Bayern einen Anteil von fast 17 Prozent an der Stromerzeugung. Somit setzte sich eine Kette in Gang, die Preissteigerungen in allen Bereichen bei fast allen Produkten zur Folge hatte. Weil sich Herstellung und Transport plötzlich massiv verteuerten, stieg auch der Preis des Produkts. 250 Gramm Butter kosteten nun plötzlich nicht mehr 99 Cent, sondern 3,40 Euro. Die Butterbreze beim Bäcker nicht mehr ein Euro, sondern 2,50 Euro.

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Sonnenblumenöl ausverkauft

Andere Waren indes gab es gar nicht mehr oder höchst selten zu kaufen. Sonnenblumen- oder Rapsöl zum Beispiel. Beides Exportgüter der Ukraine, die plötzlich nicht mehr geliefert wurden. So kostete eine Flasche Sonnenblumenöl statt wie bisher 1,29 Euro dann auf einmal sechs Euro.

Im Dezember 2022 meldete das Statistische Landesamt schließlich, dass die Reallöhne in Bayern im dritten Quartal um 5,5 Prozent gesunken waren - und das trotz gestiegener Verdienste. Das bedeutete auch einen enormen Verlust an Kaufkraft.

Seit 2023 geht es aber wieder aufwärts, vor allem in Bayern. Hier haben die Menschen eine Kaufkraft pro Kopf von 28.453 Euro und liegen damit acht Prozent über dem Bundesdurchschnitt (26.271 Euro). Vieles ist auch wieder billiger geworden, wenn auch weit entfernt vom Vor-Kriegsniveau. Aber dass ein Packerl Butter jetzt „nur“ noch 2,20 kostet und nicht mehr 3,40 Euro, ist zumindest ein Anfang.