Nazi-Parolen zu Party-Hit gegrölt
Bierzelt-Verbot für "L'Amour Toujours" auf der Wiesn – Ziehen andere Veranstalter nach?

27.05.2024 | Stand 28.05.2024, 12:49 Uhr

„Wir wollen es verbieten und ich werde es verbieten“, sagte Oktoberfest-Chef Clemens Baumgärtner. Das Lied sei an sich zwar nicht rechtsradikal, aber es habe eine „ganz klare rechtsradikale Konnotation“ bekommen − Symbolbild: Peter Kneffel/dpa

Auf dem Oktoberfest soll das Lied „L‘amour toujours“ wegen Umdichtungen mit rechtsextremen Textzeilen vorsichtshalber gar nicht erst gespielt werden. Beim Nürnberger Herbstfest dagegen wollen die Veranstalter den Song des italienischen DJ Gigi D“Agostino nicht verbieten. Zuletzt hatten laut Polizei Besucher bei der Erlanger Bergkirchweih und beim Pfingstfest in Bad Kötzting dazu rassistische Parolen gegrölt.



„Wir wollen es verbieten und ich werde es verbieten“, sagte Oktoberfest-Chef Clemens Baumgärtner der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Das Lied sei an sich zwar nicht rechtsradikal, aber es habe eine „ganz klare rechtsradikale Konnotation“ bekommen, sagte Baumgärtner. „Auf der Wiesn ist für den ganzen rechten Scheißdreck kein Platz.“

Die Betriebsbedingungen des Oktoberfests machten es möglich, derlei Parolen oder Inhalte zu verbieten. Die Wiesn sei ein „leichtfüßiges und schönes“ Fest mit vielen ausländischen Gästen, so Baumgärtner. Rechte Parolen seien in der Vergangenheit verhindert worden und sollen auch in Zukunft nicht vorkommen. „Die Wiesn ist unpolitisch.“

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„Keine Überlegungen“, Lied zu verbieten

Anders will die Stadt Nürnberg beim dortigen Herbstfest mit dem Thema umgehen. Es gebe derzeit keine Überlegungen, das Lied auf dem Herbstvolksfest zu verbieten, teilte Stadtsprecher Andreas Franke mit. „Zumal das Originallied an sich ja auch nicht zu beanstanden ist. Der Missbrauch des Lieds - wie in jüngster Zeit erfolgt - mit ausländerfeindlichen und rassistischen Parolen ist dagegen zu Recht justiziabel, inakzeptabel und abscheulich.“



Einen Kommentar zu dem Thema finden Sie hier.

Für das Gäubodenvolksfest in Straubing - nach dem Oktoberfest das zweitgrößte in Bayern - ist bezüglich des Agostino-Hits noch keine Entscheidung gefallen. „Bisher haben wir uns als Veranstalter nicht in die Auswahl des Liedguts in den Festzelten eingemischt“, sagte Cheforganisator Daniel Winklmaier. Dieser spezielle Fall soll jedoch genau geprüft werden und eine Abstimmung mit den Festwirten folgen. „Rassistische Parolen haben auf unserem traditionellen Familienvolksfest nichts zu suchen und als Veranstalter werden wir solche Äußerungen auch keine Sekunde dulden“, so Winklmaier. „Das Gäubodenvolksfest ist eine weltoffene Veranstaltung!“

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Bei der am Sonntag zu Ende gegangenen Maidult in Regensburg seien bislang keine rassistischen Vorfälle im Zusammenhang mit dem Lied bekanntgeworden, sagte ein Sprecher am Montag.

Nach einem rassistischen Vorfall bei der Bergkirchweih in Erlangen beschlossen die dortigen Wirte, das Lied „L‘amour toujours“ bei dem Fest nicht mehr zu spielen. Laut Polizei hatten zwei Besucher zu dem Song „Ausländer raus“ gerufen. Gegen die 21 und 26 Jahre alten Verdächtigen wird ermittelt.

Auch in Bad Kötzting leitete die Kripo Ermittlungen ein, weil beim Pfingstfest Gäste zu dem Lied rassistische Parolen skandiert haben sollen. Bereits bei Faschingsveranstaltungen in Bayern gab es ähnliche Vorfälle.

Bundesweit für Schlagzeilen sorgte jüngst ein Vorfall auf der Insel Sylt. Auf einem nur wenige Sekunden langen Video, das zu Pfingsten entstanden sein soll, ist zu sehen und zu hören, wie Besucher eines Lokals zur Melodie des Partyhits „Ausländer raus“ und „Deutschland den Deutschen“ grölen. Der Staatsschutz ermittelt.

Bundesweit häufen sich die Vorfälle

Parallel zur Veröffentlichung des Sylt-Videos wurden in ganz Deutschland immer mehr ähnliche Vorfälle bekannt. In Hamburg ermittelte der Staatsschutz der Polizei nach Angaben vom Montag nach einem entsprechenden Vorkommnis beim Schlagermove am Samstag. Dort skandierten mehrere Menschen zu dem bekannten Song ausländerfeindliche Textzeilen, als dieser von einem Lastwagen des Umzugs gespielt wurde. Ein Feiernder soll zudem den Hitlergruß gezeigt haben.

In Schleswig-Holstein startete die Schulaufsicht nach Angaben des Kieler Bildungsministeriums vom Montag eine Untersuchung an einem Privatinternat bei Schleswig, weil Schüler dort am Donnerstag bei einer Party ebenfalls „Ausländer raus“ sowie „Deutschland den Deutschen“ zu dem Song mitgesungen hatten. Lehrkräfte hätten die Feier sofort abgebrochen und die Schüler ins Bett geschickt, erklärte das Ministerium.

− dpa/afp