300-Millionen-Investition
Modernste Microchip-Entwicklung für Bayern: ZF und Wolfspeed bauen neues Forschungszentrum

Söder und Aiwanger sehen Erfolg der Hightech-Initiative

03.05.2023 | Stand 16.09.2023, 22:43 Uhr |

Weltweit modernste Chip-Technologie soll in Bayern entwickelt werden. ZF und Wolfspeed kündigten eine Großinvestition in ein Forschungs- und Entwicklungszentrum im Raum Nürnberg an. −Foto: Robert Michael, picture alliance/dpa

Im weltweiten Wettlauf um hochmoderne Computer-Chips wird nun auch Bayern zu einem maßgeblichen Standort – was Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) im aufziehenden Landtagswahlkampf durchaus zupass kommt.



Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg und Taiwan-Konflikt haben die Lieferketten weltweit durcheinandergewirbelt oder ganz abreißen lassen. Ein Produkt ist im globalen Wettbewerb besonders rar, begehrt und teuer geworden: Computer-Chips. Um in Zukunft weniger abhängig zu sein von asiatischen Lieferanten, buhlen zahlreiche westliche Länder um eigene Produktionsstätten. Aber nicht nur das: Im globalen Wettbewerb die Nase vorne haben wird, wer über die neuste Chip-Technologie verfügt – hier ist der Westen den zunehmend aggressiv auftretenden Konkurrenten wie China derzeit noch überlegen.

Erst im Februar haben Wolfspeed, das nach eigenen Angaben weltweit führende Unternehmen für Siliziumkarbid-Technologie, und der auch in Bayern mit zahlreichen Standorten und 18.000 Mitarbeitern vertretene Industriezulieferer ZF verkündet, im Saarland für mehr als zwei Milliarden Euro die modernste und größte Siliziumkarbid-Halbleiterfabrik zu errichten.

Am Mittwoch gaben die beiden Unternehmenslenker, Holger Klein (ZF) und Gregg Lowe (Wolfspeed) zusammen mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) bei einem Termin in der Münchner Staatskanzlei bekannt, dass Bayern den Zuschlag für ein ebenfalls gemeinsam geplantes Forschungs- und Entwicklungszentrum für die Siliziumkarbid-Halbleiter-Technologie erhalten hat.

300-Millionen-Investition



Rund 300 Millionen Euro sollen dafür in die Hand genommen werden, 40 Millionen davon kommen vom Freistaat, insgesamt 150 bis 200 hochqualifizierte Arbeitsplätze sollen entstehen, sagte Söder. Angesiedelt werden soll das Forschungs- und Entwicklungszentrum im Großraum Nürnberg. Es gehe speziell um modernstes Chip-Design für die Bereiche „Green Energy“ und Automobilität, so Söder. In beiden Bereichen sei Bayern besonders gut aufgestellt.

Aiwanger sprach von einem „Freudentag, wenn Global Player wie ZF und Wolfspeed sich für Bayern entscheiden“. Die beiden Unternehmen, so Aiwanger, hätten sich schließlich auch für andere internationale Standorte aussprechen können, „aber sie haben sich für den Besten entschieden“. Damit sei Bayern „wieder voll im Spiel“, nachdem seitens der energieintensiven Unternehmen gewisse Abwanderungstendenzen feststellbar seien: „Die Energie-Schiene bricht uns nicht so weg, wie es von Berlin vielleicht sogar geplant war“, so Aiwanger.

ZF-Chef Klein sagte, bezüglich des genauen Standorts sei man noch in Verhandlungen, ein Ergebnis werde es in den nächsten Wochen geben. Wolfspeed-Chef Lowe betonte, wie schwierig die neue, aber enorm zukunftsträchtige Siliziumkarbid-Technologie herzustellen sei, dafür brauche es die besten Talente, Ressourcen und Ideen – und er glaube, dass Bayern das erfülle.

Insbesondere für Söder könnte diese Standort-Entscheidung kaum besser fallen – sie passt perfekt zu seiner Hightech-Agenda, in deren Rahmen Bayern zu einem weltweit führenden Hochtechnologie-, Digital- sowie Luft- und Raumfahrt-Standort weiterentwickelt werden soll. Nicht zuletzt das US-Unternehmen Apple hat deshalb im Vorjahr bekanntgegeben, München zu seinem Europäischen Zentrum für Chip-Design ausbauen zu wollen.