42 Tage Haft
„Klima-Shakira“ sitzt im Gefängnis: Sie bezahlte Geldstrafe nicht

05.06.2024 | Stand 05.06.2024, 18:05 Uhr |

Anja Windl, bekannt geworden als „Klima-Shakira“, wurde im vergangenen September bei einer Protestaktion in Wien von Polizisten weggetragen. Nun musste sie eine Haftstrafe antreten. − Foto: Hochmuth, dpa

Die als „Klima-Shakira“ bekannt gewordene Aktivistin Anja Windl aus Straubing muss für sechs Wochen ins Gefängnis. Die 27-Jährige hat die sogenannte Ersatzhaft am Dienstag in Wien angetreten.



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Anja Windl war im März vom Amtsgericht München wegen Nötigung zu einer Geldstrafe in Höhe von mehreren hundert Euro verurteilt worden, die sie allerdings nicht bezahlte. Die Niederbayerin sitzt nun allerdings in Österreich im Gefängnis, da sie im Nachbarland studiert.

Festgeklebt trotz Allgemeinverfügung



Die Klimaaktivistin der Letzten Generation hatte sich im vergangenen August in München auf einer Straße festgeklebt, obwohl zu diesem Zeitpunkt die Stadt München eine Allgemeinverfügung erlassen hatte, die unangemeldete Proteste auf Fahrbahnen, die „für Rettungseinsätze und Gefahrenabwehrmaßnahmen besonders kritisch sind“, untersagte. Bereits nach der Urteilsverkündung im März hatte Anja Windl angekündigt, die Geldstrafe nicht zu bezahlen und stattdessen ins Gefängnis zu gehen. 42 Tage muss die Niederbayerin nun absitzen.

„Ich bin in Haft. Ich werde dafür bestraft, dass ich mich für unsere Zukunft einsetze. Und was machen unsere Verantwortlichen? Sie tun nicht nur gar nichts, sondern steuern sogar entgegen. Wann hört diese unglaubliche Ungerechtigkeit auf?“, sagt Windl in einer Videobotschaft, die am Mittwochvormittag auf der Plattform X gepostet wurde.

Angst vor Klimakatastrophe bleibt



„Das, was mir Panik macht, ist nicht die Haftstrafe. Es ist die eskalierende Klimakatastrophe“, wird die Studentin in einer Mitteilung der Letzten Generation zitiert. „Ganz Süddeutschland, Regionen in Ober- und Niederösterreich und Vorarlberg stehen unter Wasser – und wir, die das verhindern wollen, werden weggesperrt“, nimmt Windl Bezug auf die Überschwemmungen der vergangenen Tage, die in Bayern mindestens vier Todesopfer forderten.

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In ihrer vor Haftantritt aufgenommenen Videobotschaft übt die 27-Jährige auch Kritik an den Besuchen u.a. von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in den schwer getroffenen Flutgebieten im Freistaat. Darin spricht die 27-Jährige von „Politikern in Gummistiefeln auf Selbstinszenierungstour, die sich ruinierte Existenzen vor Ort ansehen“. Söder informierte sich in Reichertshofen (Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm), Regensburg und Passau über die Hochwasserlage.

Neben Anja Windl befinden sich nach Angaben der Letzten Generation derzeit vier weitere Klimaaktivisten in österreichischen Gefängnissen.