17-Tore-Stürmer im Interview
„Das Geheimnis liegt in der Kabine“: Hankofens Andreas Wagner über das Dorfbuam-Selbstverständnis

18.06.2024 | Stand 18.06.2024, 6:00 Uhr |

Gefeierter Knipser: Andreas Wagner (Mitte), hier beim Torjubel mit Tobi Richter (links) und Teamkapitän Daniel Hofer. Die Regionalliga stellt die Spvgg Hankofen-Hailing vor neue Herausforderungen. − Foto: Imago Images

Dorfbuam-Angreifer Andreas Wagner hat die fußballfreie Zeit genossen: „Gerade als Familienvater schätze ich es sehr, mehr Zeit zuhause zu verbringen und nach der Arbeit nicht mehr ins Training zu müssen“, sagt der 28-Jährige. Als Vollblutstürmer freut er sich aber, dass es nun, nach vier Wochen Abstand und abschalten, los geht mit der Vorbereitung auf die Regionalliga-Saison.

Andreas, beginnen wir da, wo die letzte Saison aufgehört hat: Mit einer riesigen mehrtägigen Party infolge des Aufstiegs in die Regionalliga. Wie schlimm war der Kater und wie war vor allem die Zeit auf Mallorca?
Andreas Wagner: Schlimm ist sowas nie. Aber tatsächlich war ich auch irgendwann so am Ende, dass ich abbrechen musste. Mallorca war unbeschreiblich, sicherlich mein coolster Party-Urlaub.

Im ausführlichen Interview nach dem letzten Bayernliga-Spiel in Coburg nannte Coach Tobias Beck Sie angesprochen auf die Kategorie „Spieler der Saison“. Was bedeutet das für Sie und wie würden Sie selbst die vergangene Spielzeit einordnen?
Wagner: Ich habe gerade echt Gänsehaut, das ist eine brutale Ehre. Ich bin persönlich immer sehr selbstkritisch und finde, dass ich noch viel mehr hätte tun können. Es gibt weiter viel Potenzial nach oben, ich habe beste Chancen vergeben, zum Beispiel auch in Coburg. Das beschäftigt jeden Stürmer. Natürlich bin ich zufrieden mit der Saison, vor allem mit Blick auf die Mannschaftsleistung. Mich macht es stolz, dazu meinen Teil beigetragen zu haben. Spieler der Saison ist etwas hochgegriffen, wir sind vielmehr die Mannschaft der Saison.

Unterschied zum Vorjahr? „Mein Fitnessstand“



Im Vergleich zur Regionalliga-Saison 2022/23 sind Sie im Sturmzentrum mittlerweile klar in der Pole-Position. Vor zwei Jahren mussten Sie sich beispielsweise Ihre Spielzeit noch häufig mit Veron Dobruna teilen. Welche Schritte haben auch Sie persönlich seitdem noch gemacht?
Wagner: Die Saison 22/23 war für mich nicht so einfach, da ich die komplette Vorbereitung verletzungsbedingt verpasst hatte. Darüber hinaus war ich auch nicht immer hundertprozentig einverstanden mit den Entscheidungen. Dass ich oft auf der Bank Platz nehmen musste, war für mich nicht ganz nachvollziehbar. Mein Schritt, den ich im Vergleich zu vorletztem Jahr gemacht habe, ist mein Fitnessstand. Auf diesem Niveau ist es eben auch als Stürmer im Anlaufverhalten, Pressing und Gegenpressing entscheidend, 90 Minuten Vollgas geben zu können.

Ansonsten konnten Sie in der ersten Regionalliga-Saison wie viele Ihrer Teamkollegen einiges an Erfahrung mitnehmen. Wie wollen Sie jene Erfahrungen an diejenigen weitergeben, die seitdem zum Team hinzugestoßen sind?
Wagner: Für mich besteht der größte Unterschied vor der Kiste. Die Jungs in der Regionalliga sind so abgezockt, lassen kaum Chancen aus. Wir konnten 2022/23 meistens 60 Minuten gut mithalten und haben dann oft zwei oder drei schnelle Gegentore kassiert, auch da verletzungsbedingt die Kadertiefe fehlte. Wir wollen in der kommenden Saison diese Phasen, in denen es eben nicht so läuft, besser überstehen, kompakt verteidigen und unsere Heimstärke zum Tragen bringen. Auswärts müssen wir schlau sein und lieber in Kauf nehmen, nur 20 Prozent Ballbesitz zu haben, einen gefährlichen Konter zu fahren und einen dreckigen Dreier mit nach Hause zu nehmen.

Gibt es für Sie persönlich etwas, worauf Sie sich mit Blick auf die Regionalliga besonders freuen?
Wagner: Als die Würzburger Kickers den Aufstieg in die 3.Liga verpassten, taten mir die Spieler wirklich leid. Mein zweiter Gedanke war aber sofort: Geil, wir dürfen nochmal in dieses Stadion. Als kleiner Dorfverein in eine richtige Arena zu kommen, wird definitiv ein Highlight. Zudem war ich vor zwei Jahren bei unserem Gastspiel im Grünwalder Stadion leider verletzt, deshalb freue ich mich auch darauf besonders.

Wenn die Neuen durch die Rituale müssen



Was macht Hankofen Ihres Erachtens so besonders? Wie schaffen Sie es gemeinsam, ein solches Team zu formen und Neuzugängen Ihren Start häufig so einfach zu gestalten?
Wagner: Das Geheimnis liegt in der Kabine. Das beginnt bei der Planung unserer Einstandsfeier, beim Absolvieren unserer Rituale durch die Neuzugänge. Bei solchen internen Feierlichkeiten können sich die Neuen auch sofort gut integrieren, man lernt sich entsprechend schnell kennen und weiß, wie die anderen ticken. Unsere erfahrenen Spieler wissen, wie sie mit Neuzugängen umgehen müssen, aber auch, wie sie Grenzen setzen, wenn es jemand übertreibt. Wir machen es den Neuen nicht komplizierter als es ist.


Interview: Michael Seidl