Hamsterkäufe unnötig
Stadt Passau präzisiert: In diesen Gebieten muss das Wasser abgekocht werden

14.06.2024 | Stand 15.06.2024, 8:13 Uhr |

Die Stadt Passau hat am Freitag mitgeteilt, in welchen Gebieten genau das Leitungswasser abgekocht werden muss. − Foto: imago

Nachdem im Leitungswasser der Stadtwerke Passau als mutmaßliche Folge des Hochwasser coliforme Bakterien entdeckt und eine Abkochordnung erlassen wurde, präzisiert das Gesundheitsamt Passau nun, welche Gebiete und Stadtteile genau betroffen sind.



Das Leitungswasser im Großraum Passau ist mutmaßlich aufgrund des Hochwassers verunreinigt. Bei engmaschigen Überprüfungen des Trinkwassers im Zusammenhang mit der Hochwassersituation wurde im Trinkwasser der Stadtwerke Passau eine Abweichung bei den mikrobiologischen Sollwerten festgestellt. Das Gesundheitsamt präzisiert nun in einer Mitteilung, welche Gebiete und Gemeinden genau davon betroffen sind:

In diesen Gebieten ist Abkochen notwendig:

Demnach wird den Bewohner in folgenden Gebieten geraten, das Wasser vorerst abzukochen:
- Komplettes Stadtgebiet Passau
- Gemeindegebiet Tiefenbach (Ortsteile Tiefenbach, Schwaiberg, Unterkaining, Gotting, Lohof, Oberkaining, Haidreuth, Antesberg, Neuhaus, Thal)
- Komplettes Gemeindegebiet Salzweg (inkl. Straßkirchen)
- Versorgungsgebiet des Wasserverband Inn-Haibachtal
- Wasserversorgung Ortenburg (nur Ortsteil Rammelsbach)
- Wasserversorgung ZV Unteres Inntal (nur folgende Ortsteile: Irsham, Altenmarkt, Wimberg, Holzbach, Scheuerck, Kleingern, Pfenningbach, Gföhret, Rehschaln, Jägerwirth, Steinhügl, Hofmark und Voglarn)
- Wasserversorgung Stadtwerke Vilshofen (Bereiche Waldhof, Kothwies, Scheunöd, Haimbuch, Holzhäuser, Marterberg, Reisach bei Sandbach, Hilgen, Gaisbruck, Giglmörn, Greil, Strenn, Kalkberg, Mahd, Reut bei Seestetten, Primsdobl, Hochreut, Einöd bei Sandbach, Eglsöd).
- Ruderting: Alle Ortsteile mit Ausnahme von Sittenberg und Trasham.

Wasser wird nun chloriert

Hier wird das Wasser nun zur Desinfektion auch chloriert Die Chlormenge liegt mit 0,15 Milligramm pro Liter Wasser unter dem
Grenzwert gemäß Trinkwasserverordnung (0,3 Milligramm pro Liter Wasser). Möglicherweise kann das Leitungswasser durch die Chlorierung milchig oder trüb werden sowie einen Chlorgeruch annehmen, so die Stadtwerke. Sobald das Chlor im gesamten Versorgungsnetz nachzuweisen ist - dies wird vermutlich am Montag, 17. Juni, der Fall sein - könne die Abkochempfehlung aufgehoben werden. Die Chlorierung des Wassers solle voraussichtlich 50 Tage bestehen.

Büchlberg nicht betroffen

Entgegen der ersten Meldung sind keine Bereiche in der Gemeinde Büchlberg betroffen, diese wurden ausschließlich mit Trinkwasser vom Wasserbeschaffungsverband Büchlberg versorgt. Dort muss das Trinkwasser daher nicht abgekocht werden.

Grund für die Anordnung ist eine festgestellte bakterielle Verunreinigung (coliforme Bakterien). Das Leitungswasser muss deshalb laut Gesundheitsamt vor der Verwendung - etwa der Zubereitung von Nahrung, für das Zähneputzen oder zum Reinigen offener Wunden - abgekocht werden (einmalig sprudelnd Aufkochen und 10 Minuten abkühlen lassen). An der Geschirrspülmaschine sollte mindestens das 70 Grad-Programm verwendet werden.

Soweit möglich, wurde bereits die Versorgung auf andere Wasserquellen umgestellt beziehungsweise Chlorierungsmaßnahmen eingeleitet. Bereits am Freitag sollen umfangreiche Beprobungsmaßnahmen beginnen, um möglichst schnell sukzessive die Abkochanordnungen aufheben zu können.

Die Anordnung gilt bis auf Weiteres und für die genannten Gemeinden und Gemeindeteile. Die Stadtwerke Passau und das Gesundheitsamt Passau informieren, sobald die Anordnung aufgehoben werden kann.

Passauer Klinikum mit eigener Filteranlage

An Passauer Klinikum wurden Donnerstagabend vorsichtshalber alle Stationen des Klinikums mit Mineralwasser versorgt. Mittlerweile kann das Trinkwasser im Haupthaus weitgehend wieder wie gewohnt verwendet werden, so eine Sprecherin des Klinikum. Die Patienten dürfen zum Beispiel auch wieder Kaffeemaschinen oder Trinkbrunnen benutzen. Denn seit 2013 ist das Klinikum zusätzlich mit sogenannten Ultrafiltrationsanlagenausgerüstet. Diese Anlagen sorgen dafür, dass unter anderem Bakterien und Viren mit sehr hohem Wirkungsgrad zurückgehalten werden können. Damit kann das Klinikum auch in Situationen wie diesen die Versorgung mit Trinkwasser weitgehend am Laufen halten. Durch regelmäßige Wasserproben wird die Wasserqualität ohnehin ständig überprüft.

Hamsterkäufe wie zu Corona-Zeiten

In den Supermärkten Passaus kam es bereits am Donnerstag zu ersten Hamsterkäufen. Eine Situation, die Leo Schwaiberger, der in der Passauer Gegend fünf Lebensmittelmärkte betreibt, an die unsinnige Toilettenpapier-Hysterie zu Beginn der Corona-Pandemie erinnert. Er möchte an die Vernunft der Passauer appellieren und sagt: „Es muss wirklich niemand hamstern, es gibt genügend Wasser.“ Aufgrund der erhöhten Nachfrage seien Nachbestellungen bereits unterwegs, und wenn Wasser gekauft werden muss, dann bitte nicht gleich in ganzen Paletten. Schließlich kann man das Leitungswasser nach dem Abkochen weiterhin verwenden.

− lai/jmu