Landestheater Niederbayern
Gefeiertes Kammerkonzert „Nacht der Romantik“ mit Musikern der Niederbayerischen Philharmonie

10.06.2024 | Stand 11.06.2024, 13:40 Uhr
Carola Baumann-Moritz

Mit diesem Plakatmotiv hatte das Landestheater für sein Konzert geworben. − Foto: Landestheater Niederbayern

„Nacht der Romantik“ – so betitelt das Landestheater Niederbayern sein drittes Kammerkonzert dieser Saison. Neun Musikerinnen und Musiker der Niederbayerischen Philharmonie präsentierten am Sonntag ein Programm mit wechselnder Besetzung.

Das Parkett des Theaters ist nahezu vollbesetzt. Wie schön, dass sich unter den Besuchern Kollegen und Mitglieder des Opernensembles einfinden. Für die Interpreten ist es ein Unterschied, ob sie auf der Bühne oder im Graben sitzen – solche Konzerte sind also für die Musiker wichtig, stärken das Selbstbewusstsein und geben ihnen Gelegenheit, solistisch ihr Können zu präsentieren. Auf der leeren schwarzen Bühne leuchten die Instrumente und die Farbe Rot. Das Auge hört mit.

Johannes Brahms’ Spätwerk, das Quintett für Klarinette, zwei Violinen, Viola und Violoncello als ersten Teil des Konzerts zu stellen, erweist sich als problematisch: Romantische Gefühle kommen nicht auf, weil vor allem die Geigen überfordert scheinen. Angespannt mühen sich Lee Young Kim, Liudmyla Fortin und Yushan Li durch die schwere Partitur zu kommen. Anders die Cellistin Teresa Alvaresz, die mit starker Bühnenpräsenz und lebendigem Spiel in Korrespondenz mit dem hervorragenden Klarinetisten Hyunsang Yoon dem Stück Leben einzuhauchen versucht. Die komplexen Satzstrukturen und das dichte motivische Treiben der mit sich entwickelnden Variationen fordern größten Zusammenhalt, der nicht immer gelingt.

Ganz anders der zweite Teil des Abends: Das witzige Trio für Klarinette, Violine und Klavier von Gian Carlo Menotti führt Chordirektor und Pianist Florian Daniel mit launigen Worten ein. Er spielt zusammen mit Kim und Yoon kraftvoll, konzentriert und technisch brilliant in gleichberechtigter Instrumentierung das abwechslungsreiche spritzige Werk. Romantisch wird es mit dem Trio Élégiaque Nr. 1 von Sergei Rachmaninow. Das langjährige Mitglied des Orchesters, die Geigerin Violetta Koroleva, musiziert mit Alexander Larin am Cello und Kyung-A Jung am Klavier. Das schwermütige Stück des 18 jährigen Rachmaninow klingt ruhig fliesend, wellenartig und in die Tiefe gehend. Korolevas Spiel ist leidenschaftlich und beseelt. Man spürt bei den Musikern die Freude am Musizieren, die uneitel, aber hochprofessionell ohne technische Schwierigkeiten intensiv agieren. Astor Piazzollas Klaviertrio „Oblivion“ ist nicht ein zu erwartender Tango, sondern ein hochromantisches Stück voller Schmerz – das intensivste Werk des Abends. Im vertrauten Zusammenspiel berühren die drei Interpreten zutiefst mit wunderbarem Vibrato der Violine, dem erschütternden Spiel des Klaviers und dem beruhigenden Ton des Cellos. Für die Freunde der Kammermusik endet ein besonderer Abend mit großem Applaus. Diese Kammermusikreihe hat sich etabliert – man darf sich auf die nächste Saison freuen.

Carola Baumann-Moritz