„Was ist passiert seit 2013? Nix!“
Weil Donaupegel sehr langsam sinkt: Großes Aufräumen in Passau kaum möglich

Ungehinderte Zufahrt zur Altstadt frühestens ab Samstagvormittag

07.06.2024 | Stand 07.06.2024, 22:04 Uhr |

Den Rathausplatz spritzten diese beiden Feuerwehrmänner der Hauptwache am Donnerstagnachmittag sauber in Richtung der auf 8,80 Meter stehenden Donau. Häuser auszupumpen macht erst bei wesentlich niedrigerem Pegel Sinn, sagt Stadtbrandrat Andreas Dittlmann.  − Fotos: Danninger

Weil der Donaupegel sehr langsam sinkt, ist ein großes Aufräumen in Passau kaum möglich. Das Wasser hält sich zäher als Schlamm. Ärger begegnet man an jeder Ecke der Bereiche in der Innenstadt, die in der ersten Juni-Woche überflutet wurden. „Was ist passiert seit 2013? Nix!“



Die aktuelle Hochwasser-Lage in Passau im Newsblog.


Wieder einmal spritzt Alexander Buhmann die Garagen sauber. Wieder einmal sind sie vollgelaufen, denn sie liegen am untersten Ende der Großen Klingergasse „und ab 8,50 Meter Pegel haben wir das Wasser drin.“ Diese Marke ist schnell mal erreicht in Passau, eineinhalb Meter lag die Spitze dieses Mal drüber.

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„Elf Jahre hat man Zeit gehabt seit 2013 und was ist passiert seitdem? Nix!“ Buhmann zieht eine Parallele in sein eigenes Leben: „Ich bin im Projektmanagement und wenn ich so arbeiten würde, dann wäre ich längst meinen Job los“, schreibt er den Verantwortlichen ins Stammbuch.

B388 wurde im Bereich der Löwmühle wieder freigegeben



Diesem Ärger begegnet man an jeder Ecke der Bereiche in der Innenstadt, die diese Woche überflutet wurden. Wieder einmal. Die Passauer an Donau, Inn und Ilz reagieren mit manchmal nicht zitierfähigen Sätzen auf fehlende Flutpolder an den Oberläufen. Die Auswirkung haben sie vor der nassen Haustür, vom Spitzenpegel 10,01 m weg sinkt die Donau ganz langsam nach unten. Die Stadt rechnet damit, dass richtiges Aufräumen erst ab diesem Wochenende möglich sei.

„Wir arbeiten uns in homöopathischen Dosen vorwärts“

„Frühestens, leider“: Stadtbrandrat Andreas Dittlmann weiß um die enorme Hilfsbereitschaft von Freiwilligen, die an diesem Wochenende helfen möchten in der Innenstadt. „Nach dem jetzigen Stand würden sie uns aber voraussichtlich eher behindern als nützen, tut mir leid. Wir arbeiten uns in homöopathischen Dosen vorwärts, weil das Wasser sehr sehr langsam sinkt.“ In der Nacht zum Freitag sank der Pegel zwar um 20 Zentimeter, am Freitagvormittag kam die braune Brühe aber sogar leicht wieder zurück.

Natürlich werde sie mittelfristig verschwinden – aber wann wieviel? Das ist fast unmöglich vorherzusagen, meint Dittlmann: „Wir schielen auf die Vorhersage und die sagt Samstag und Sonntag schwere Gewitter im Chiemgau und in Ostbayern voraus. Solange das so ist, können wir den Freiwilligen nicht sagen, wann wir sie benötigen.“ Er spricht für die ganze Einsatzleitung: „Wir sind zur Untätigkeit verdammt, das nervt uns selbst am meisten!“ Er nimmt den Rathausplatz als Beispiel, der noch halb von Schlamm bedeckt ist. Warum nicht sauber spritzen?, fragen viele. Antwort: Weil das Beschäftigungstherapie wäre, wenn der Pegel stehenbleibt.

Ungehinderte Zufahrt zur Altstadt frühestens Samstag

Das Peschlbergerl kann erst unter 8,50 Meter freigegeben werden und das passiert nach jetzigem Stand frühestens Samstagvormittag. Erst dann gäbe es wieder die ungehinderte Zufahrt zur Altstadt. Und die Obere Donaulände sei maximal Samstagabend frei – auch frühestens. Und mit der durchgehenden Befahrbarkeit der Donaulände von der Schanzl- bis zur Hängebrücke rechnet Dittlmann am Montagabend – „frühestens...“

Und die Parkplätze unter der Schanzlbrücke? Die liegen doch großteils trocken, oder? „Ja, schon“, bestätigt Passaus oberster Feuerwehrmann. „Aber wir müssen alles sauber machen und wenn sich ganz unten am Wasser jemand hinstellt, dann können wir nicht ungehindert freispritzen und dann dauert alles noch viel länger als ohnehin schon.“ Ein zähes Geduldsspiel also.

Das Hochwasser bekommen aber viel mehr Menschen zu spüren als die Fluss-Anlieger, vor allem durch die Verkehrssperren. Dabei gibt es eine gute Nachricht: Die B388 wurde im Bereich der Löwmühle wieder freigegeben.

Diese Straßen sind noch gesperrt:



Gesperrt bleiben dagegen Löwmühle (Zufahrt zur B388), Peschlbergerl und damit die komplette Ostrampe der Schanzlbrücke (Anfahrt zur Altstadt für Bewohner über die Fußgängerzone erlaubt), Stelzhamer Unterführung, Schrottgasse, Fritz-Schäffer-Promenade, Innstadtbahnhofweg, Wohnmobilstellplatz Hafen Racklau, Busparkplätze Donaulände, Parkplatz unter der Schanzlbrücke, Obere Donaulände, Sulzsteg, Stromlänge und Innkai.

Durchgängig befahrbar blieb die Verbindung zur Innstadt, wenn sie auch am seidenen Faden weniger Zentimeter hing. Doch nicht nur deshalb ist Michael Häring glücklich über den Ausgang dieses Hochwassers: „Das Krisenmanagement der Stadt Passau klappte hervorragend“, lobt der Vorstand von Bau Pfaffinger in Bayerisch Haibach. Vor allem die Abteilung Brand- und Katastrophenschutz habe Enormes geleistet, sei sogar nachts erreichbar gewesen. Der Erfolg: „Wir sind gerade noch trocken geblieben. Der Schutzwall aus Sandsäcken war Gold wert.“