Verunreinigtes Trinkwasser
Passauer Wasser wird reiner, eine Prognose gibt es nicht – Putzke fordert mehr Transparenz

20.06.2024 | Stand 21.06.2024, 10:29 Uhr |

Unbelastetes Trinkwasser aus der Leitung gibt es in Passau seit vergangenen Donnerstag nicht. Neue Informationen zur voraussichtlichen Dauer der Abkochanordnung gibt es bisher nicht. − Foto: dpa

Eine Woche ist vergangen, seit die Mitteilung über das verunreinigte Trinkwasser im Landkreis Passau den Alltag Zehntausender durcheinander brachte. Updates über die aktuelle Situation und die voraussichtliche Dauer der Abkochverordnung gab waren rar gesät.



Auch über den Grund der Verunreinigung durch coliforme Bakterien gab es bislang keine Informationen. Prof. Dr. Holm Putzke kritisiert deshalb das Gesundheitsamt. Er fordert mehr Kommunikation und hat einen Verdächtigen im Blick: Gülle. Stadtwerke und Gesundheitsamt gehen von einem anderen Grund aus. Die gute Nachricht vonseiten der Behörden: Das Wasser wird offenbar reiner. Eine Prognose zur Dauer der Verordnung gibt es dennoch nicht.

Der Strafrechtsprofessor bittet in einem Schreiben, welches der PNP vorliegt, das Gesundheitsamt Passau nachdrücklich um eine aktivere und transparentere Informationspolitik. „Zehntausende Bürger aus Stadt und Land sind betroffen und erhalten seit Tagen nur spärliche Informationen“, kritisiert er.

Maßnahmen „greifen intensiv und massiv in das tägliche Leben der Menschen ein“



Er fragt, woraus sich die angekündigte 50 Tage lange Chlorierung erklärt, diese sei schließlich „keine Kleinigkeit“. Vor allem aber wünscht er sich verlässlichere Informationen über die voraussichtliche Dauer der Abkochanordnung. Stadtwerke und Gesundheitsamt hatten sich dazu seit der ursprünglichen Ankündigung der Chlorierung Ende vergangener Woche bedeckt gehalten. Damals wurde ein Ende des Abkochgebots am Montag, 17. Juni, in Aussicht gestellt.

Die Maßnahmen „greifen intensiv und massiv in das tägliche Leben der Menschen ein, weil es beim Trinkwasser um eines der wichtigsten Güter staatlicher Daseinsvorsorge geht“, betont Putzke. „Allein deshalb müsste es eine Selbstverständlichkeit sein, die betroffene Bevölkerung ständig auf allen zur Verfügung stehenden Kanälen mit den aktuellsten Informationen zur Situation, Erkenntnissen und Entwicklungen zu versorgen. Dafür sind nicht nur die traditionellen Medien zu nutzen, sondern auch die Sozialen Medien.“ Diese Möglichkeiten würden jedoch „nicht ansatzweise ausgeschöpft“.

Straftatbestand der Gewässerverunreinigung nicht auszuschließen



Weiters möchte Putzke mehr über die Maßnahmen zur Aufklärung der Ursache erfahren. „Da die Wassergewinnungsanlage auf der Soldatenau nach dem Hochwasser im Jahr 2013 aufwendig saniert wurde, scheint das vergangene Hochwasser von Inn und Donau eher keine ausschlaggebende Rolle zu spielen“, vermutet er. „Stattdessen scheint es Hinweise zu geben, dass die Ursache im Ausbringen von Gülle und dem langandauernden Regen liegen könnte.“ Dazu sollten auch Ermittlungen durch grenzüberschreitende Einbeziehung der Behörden geführt werden. Laut Putzke ist dabei auch der Straftatbestand der Gewässerverunreinigung, welcher auch das Grundwasser erfasse, nicht auszuschließen.

Die PNP hat am Donnerstag beim Gesundheitsamt bezüglich der aktuellen Situation angefragt. Das Amt schreibt, dass „die reduzierte Filtrationswirkung des Bodens nach dem Hochwasserereignis“ als naheliegendste Ursache in Betracht komme.

Erreger aus der Familie der Enterobacteriaceae



Über die potenzielle Gefährlichkeit der coliformen Bakterien heißt es aus dem Gesundheitsamt, dass diese in Einzelfällen „durchaus schwerwiegende Erkrankungen wie Lungenentzündungen oder andere Infektionen auslösen“ könnten. Die Erreger aus der Familie der Enterobacteriaceae umfassten sowohl solche „fäkalen Ursprungs“ als auch solche, die „ausschließlich in der Umwelt vorkommen“. Insbesondere Säuglinge, Kleinkinder, ältere oder generell immunsupprimierte Menschen seien anfällig.

Eine Prognose zur Dauer der Abkochverordnung könne das Gesundheitsamt nicht geben. Immerhin: Am Dienstag habe dem Gesundheitsamt ein Vorabergebnis für coliforme Bakterien von 0 KBE („kolonienbildenden Einheiten“ , ein Wert, der die Anzahl von Bakterien oder Pilzen in einer Flüssigkeit angibt) pro 100 ml vorgelegen. „Das heißt, es ist davon auszugehen, dass die Gegenmaßnahmen Wirkung zeigen. Allerdings sind noch weitere Daten erforderlich, um sicher sagen zu können, dass keine Gesundheitsgefährdung mehr besteht.“