Passau
Christophorus 3: Ziel ist Luftrettung rund um die Uhr

25.05.2024 | Stand 25.05.2024, 11:00 Uhr |

Am Stützpunkt in Suben: v.l. Rettungsverbandsvorsitzender OB Jürgen Dupper (v.l.), Stützpunktleiter Cpt. Johannes Schöffl, Flugretter Lukas Feldmeier, Notarzt Dr. Andreas Weichselberger, Geschäftsleiter ZRF Passau Dieter Schlegl und Pilot Cpt. Christian Mitter. − Foto: Stadt Passau

Von Thomas Seider

Der bayerisch-österreichisch grenzüberschreitende Rettungshubschrauber Christophorus Europa 3 soll von seinem Standort Suben aus irgendwann einmal rund um die Uhr einsatzfähig sein – das ist das Ziel. Ein wichtiger Zwischenschritt dahin ist die Ausstattung des ADAC-Hubschraubers mit Nachtsichtgeräten. Damit könnte die Luftrettung zunächst zumindest auf die Hauptverkehrszeiten nach Sonnenuntergang ausgedehnt werden.

1597 Einsätze hat Christophorus Europa 3 im vergangenen Jahr geflogen, etwa die Hälfte davon auf bayerischer Seite. Ein Jahr davor, also 2022, waren es 1675 Luftrettungseinsätze gewesen, davon 761 in Bayern. Die häufigsten Anforderungsgründe waren internistische Notfälle, gefolgt von Unfallverletzungen und neurologischen Erkrankungen.

Am Stützpunkt in Suben diskutierte OB Jürgen Dupper, Vorsitzender des Zweckverbands für Rettungsdienst- und Feuerwehralarmierung Passau, die Herausforderungen mit der Crew der Luftretter um Stützpunktleiter Capitän Johannes Schöffl. Das Team ist derzeit in der Regel von 7 Uhr morgens bis zum Ende der sogenannten „bürgerlichen Abenddämmerung“ einsatzbereit, das bedeutet etwa 30 Minuten nach Sonnenuntergang. Innerhalb von drei Minuten nach Eingang der Alarmierung können sie in der Luft sein, um den Notarzt zum Patienten zu bringen.

Während der längeren Sommertage können die Rettungshubschrauber wegen des Tageslichts länger eingesetzt werden als im Winter. Kurzfristig wäre eine Erweiterung der Randzeiten ein wichtiger Zwischenschritt zu einem 24-Stunden-Betrieb. Gerade im Winter könnten dann auch nach Sonnenuntergang die unfallträchtigeren Hauptverkehrszeiten noch abgedeckt werden. Voraussetzung ist, dass die bayerischen ADAC-Hubschrauber mit Nachtsichtgeräten ausgerüstet werden und das Personal darauf geschult wird. Die Maschinen des österreichischen ÖAMTC am Standort Suben sind bereits mit Nachtsichtbrillen ausgestattet.

Mit seinem grenzüberschreitenden Einsatz ist der Rettungs-Transport-Hubschrauber Christophorus Europa 3 eine Besonderheit unter den Rettungshubschraubern. Im Sommer fliegt der ÖAMTC, dessen Hubschrauber im Winter aber für zusätzliche Standorte in den österreichischen Skigebieten benötigt werden. Deshalb fliegt im Winterhalbjahr ab November der ADAC mit einer eigenen Maschine.

Alarmiert wird die Luftrettung von den Leitstellen Passau und Innviertel. Je nach Meldebild fordert der Disponent auf Vorschlag des Einsatzleitsystems die Luftretter gleich bei Alarmierung der bodengebundenen Einsatzkräfte mit an. Der Vorteil des Hubschraubers ist naturgemäß seine Geschwindigkeit. Nach Schilderung der Retter entscheiden in durchaus vielen Fällen Minuten über Leben und Tod. Die kurzen Transportzeiten auf dem Luftweg und der ruhige, vibrationsarme Flug minimieren zusätzlich das Transportrisiko und verbessern die therapeutischen Chancen der meist kritisch kranken Patienten.

OB Dupper gab nach seinem Besuch eine Stellungnahme ab: „Die Luftrettung mit Christophorus 3 hat sich bestens in unserem Raum etabliert und leistet einen sehr wichtigen Beitrag zur Sicherheit und Gesundheit unserer Bürger. Die Arbeit der Crews ist von unschätzbarem Wert. Mich beruhigt zu wissen, dass in Notfällen schnell und effektiv Hilfe geleistet werden kann. Eine Erweiterung der Einsatzzeiten wäre gerade für die Einsätze in den Wintermonaten ein Meilenstein.“

Bereits seit dem Jahr 2002 besteht zwischen dem Freistaat Bayern und dem Land Oberösterreich die Vereinbarung einen grenzüberschreitenden Luftrettungsdienst als europäisches Modellprojekt einzusetzen und dafür einen gemeinsamen Stützpunkt in Suben einzurichten. Im Jahr 2015 wurde ein öffentlich-rechtlicher Vertrag zwischen dem Zweckverband für Rettungsdienst- und Feuerwehralarmierung (ZRF) und den zuständigen Tochterfirmen von ADAC und ÖAMTC abgeschlossen. Besonders eingesetzt hatte sich für das Zustandekommen auf bayerischer Seite der ADAC-Senator und Passauer Stadtrat Alois Ortner.