Beim Verein für Heimatgeschichte
Von Pfeil und Bogen bis zum Nitropulver – Waffensammler Josef Frech zeigt seine historischen Schätze

Vortrag „Technik historischer Waffen von 1400 bis 1900“ beim Heimatgeschichteverein

17.10.2023 | Stand 17.10.2023, 5:00 Uhr

Die Begeisterung für historische Waffen war ihm bei seinem Vortrag deutlich anzumerken: Josef Frech.  − Foto: Verein

Viele Interessierte waren der Einladung des Vereins für Kultur und Heimatgeschichte Fridolfing-Pietling gefolgt, den Vortrag und der Ausstellung des passionierten Sammlers historischer Waffen und Hobbyhistorikers Josef Frech zu besuchen. Das geht aus einem Bericht des Vereins hervor. Die Götzinger Neuschützen hatten ihren Schießstand als Veranstaltungsraum zur Verfügung gestellt.

Schatzmeister Wolfgang Grösch begrüßte die Besucher in Vertretung der Vorsitzenden Petra Ohlendorf, die sich krankheitsbedingt entschuldigen musste. Grösch, der nur zu gut wusste, dass das Vorhaben einer Ausstellung historischer Waffen durchaus kontrovers in der Vorstandschaft des Vereins diskutiert worden war, schlug in seiner Begrüßungsrede einen Bogen unterschiedlicher Kontexte, in denen in der Menschheitsgeschichte Waffen benutzt worden waren: von den Faustkeilen und Speeren über Lanzen zu Pfeil und Bogen. Wobei zweiteres und letzteres sogar zu Sportgerät einer olympischen Disziplin geworden sei.

Mittel zur Verteidigung, aber auch Zweck für Machtbesessene

Waffen seien schon immer zur Verteidigung gegen wilde Tiere, in Duellen mit einem Nebenbuhler um eine geliebte Frau, aber leider auch immer wieder als Mittel zum Zweck für Machtbesessene benutzt worden, um Reichtum, Landbesitz und Macht zu mehren oder zu erhalten. Im Folgenden zitierte Grösch Ernst Jani, einen literarisch-kabarettistischen Vortragskünstler aus Laufen, der bei einer Lesung im Fridolfinger Pfarrheim im Jahr 2003 die Geschichte von David und Goliath auf Bairisch erzählt hatte – gewissermaßen als Parabel dafür, dass Waffen auch eine Chance für Schwächere waren, sich zu verteidigen. Danach kehrte Grösch jedoch in die aktuell grausame Realität zurück, in der im Krieg in der Ukraine und in Israel Waffen dazu dienen, tausende Menschen zu töten: „Nicht allzu weit weg von uns und unserer Demokratie.“ Bevor er den Referenten Frech einlud, mit seinem Vortrag zu beginnen, stellte Grösch noch die gesellschaftliche Bedeutung der Schützenvereine in den Mittelpunkt, die nicht nur Begeisterung für den Schießsport vermittelten, sondern auch die Pflege des sozialen Miteinanders vorlebten, insbesondere die Götzinger Neuschützen mit ihrem neuen Schützenheim, aus denen die Gründung der engagierten Götzinger Dorfgemeinschaft hervorgegangen sei.

Josef Frech sagte einführend zu seinem Vortrag, dass Langwaffen, hier Gewehre, amtlich als kulturhistorisch bedeutsam eingestuft seien. Er hatte 80 Gewehre seiner Sammlung hinter sich aufgebaut, die er in einbruchsicheren Tresoren im Keller seines Hauses aufbewahre. Frech berichtete dem interessierten und teils fachkundigen Publikum von den ersten primitiven Schwarzpulverwaffen aus dem 15. Jahrhundert.

Abkehr von Schwarzpulver und Luntenschloss

Er fuhr fort mit der technischen Entwicklung von Verschlusssystemen hin zu aufgezogenen Läufen, erklärte den Zuhörern Zündsysteme und Kaliberverkleinerungen und berichtete über den Übergang von Schwarzpulver zum wesentlich effektiverem Nitropulver. Anhand von Musterexemplaren erläuterte Frech die Entwicklung vom Lunten- zum Steinschloss, vom Perkussionsschloss mit Zündhütchen zur heute noch verwendeten Metallpatrone.

Frech zeigte auch sehr seltene technische Modelle einzelner Büchsenmacher. Dabei ging er nicht nur auf die militärische Nutzung der Waffen ein, sondern verwies auch auf deren Verwendung als Jagd- oder Sportwaffen sowie auf deren Rolle als sogenannte Prunkwaffen.

Frech stellte in seinem Vortrag, in dem er mit einem äußerst profunden Fachwissen aufwartete, auch die thematische Gliederung seiner imposanten Langwaffensammlung vor: frühe Vorder- und Hinterladersysteme, Zimmer- und Feuerstutzen bis hin zu Mehrladern – allesamt gefertigt beginnend im 15 Jahrhundert bis zum Jahr 1900. Zudem zeigte er noch alte Doppelflinten und erklärte die etwas abgewandelte Entwicklung der US-Schusswaffen anhand von Beispielen aus seiner Sammlung. Nach einem reich mit detaillierten Fachwissen bestücktem Vortrag ließ so mancher Besucher nach eingängiger Besichtigung der Exponate den Abend im Schützenstüberl noch gemütlich ausklingen.

− red