Grundriss entdeckt
Sensationsfund: Sind Geophysiker auf der Fraueninsel auf das Grab der Seligen Irmengard gestoßen?

21.02.2024 | Stand 21.02.2024, 15:55 Uhr

Bei Radarmessungen stießen Geophysiker auf den bisher völlig unbekannten Grundriss eines romanischen Zentralbaus. Handelt es sich dabei um das Grab der Seligen Irmengard?  − Fotos: Bayerische Landesamt für Denkmalpflege

Vielleicht muss die Geschichte der Abtei Frauenwörth auf der Fraueninsel im Chiemsee nun umgeschrieben werden. Die Bauentwicklung des wohl durch Herzog Tassilo III. um 782 gegründeten Klosters gilt als gut erforscht, doch über den Rest der Insel ist relativ wenig bekannt. Bis jetzt.



Nun ist ein Team des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege (BLfD) bei Bodenradarmessungen unerwartet auf die Grundmauern eines Zentralbaus gestoßen, der bisher nicht überliefert war, weder in Schriften, noch auf historischen Karten. Das geht aus einer Pressemitteilung des BLfD hervor.

Grundmauern unter dem Kirchen-Grundriss gesichtet

Im Rahmen von Untersuchungen für ein Kommunales Denkmalkonzept (KDK) fanden im Sommer 2023 Messungen auf dem Dorfanger nördlich der bekannten Tassilolinde statt. In einer Tiefe von 50 bis 70 Zentimetern stießen die Denkmalpfleger auf Fundamente, deren Grundriss mit der Ansicht der bekannten Kirche St. Martin auf dem 1701 veröffentlichten Stich von Michael Wening übereinstimmte. Die Radardaten zeigten aber auch, dass es an dieser Stelle noch einen älteren Bau gegeben hat: In einer Tiefe von 80 bis 100 Zentimetern zeichneten sich überraschend, aber sehr deutlich weitere Grundmauern ab und ließen einen oktogonalen Zentralbau mit einem durch acht Stützen gebildeten Umgang und vier kreuzförmig angeordneten Anbauten erkennen.

Markus Blume spricht von Sensationsfund

„Bayerns reiches kulturelles Erbe ist immer für eine Überraschung gut – das beweist der Sensationsfund im Chiemgau einmal mehr! Die bei Radarmessungen entdeckten Grundmauern auf der Fraueninsel zeigen, den fachkundigen Blicken unserer Denkmalpfleger entgeht wirklich nichts. Ein derartiger Grundriss eines romanischen Zentralbaus hat nördlich der Alpen absoluten Seltenheitswert. Es bleibt also spannend, wie die Wissenschaft diesen Fund historisch einordnet“, betont Kunstminister Markus Blume.