Kontrolle auf der A 8 bei Bergen
Schwertransporter: Zu schnell, zur falschen Zeit, ohne Beifahrer

24.05.2024 | Stand 24.05.2024, 9:52 Uhr

Über die lange Liste an Vergehen, die bei einem auf der Autobahn kontrollierten Schwertransporter festgestellt wurden, staunten die Beamten nicht schlecht. − Foto: dpa

„Hin und wieder muss man sich über die vielerorts auftretenden Bauwerksschäden an Brücken und übriger Infrastruktur wirklich nicht wundern“, schreibt die Verkehrspolizeiinspektion Traunstein nach einem Vorfall am Donnerstagmorgen. Anlass war ein 63 Tonnen wiegender Schwertransport, der über die Autobahnbrücke bei Bergen (Landkreis Traunstein) mit 80 km/h drüberdonnerte anstatt im Schritttempo. Und das war bei weitem noch nicht alles, was bei der Kontrolle zu beanstanden war.

Der 46-jährige litauische Lenker eines rund 63 Tonnen schweren Schwertransport-Sattelzugs eines Firmenkonsortiums aus Polen, Litauen und Österreich befuhr gegen 8 Uhr die Autobahn 8 in Fahrtrichtung München, als er durch die Polizisten an der Tank- und Rastanlage Hochfelln-Nord einer allgemeinen Verkehrskontrolle unterzogen wurde.

Die Durchsicht der mitgeführten Dokumente ergab, dass für den Transport des geladenen Panzers von der Bundesgrenze am Walserberg bis zum Zielort in Rheinland-Pfalz zwar die erforderlichen behördlichen Erlaubnisse und Genehmigungen vorlagen. Naturgemäß waren diese allerdings, angesichts der Überbreite und insbesondere des hohen Gewichts, an eine Reihe von Bedingungen und Auflagen geknüpft. So forderte die Erlaubnisbehörde, dass die Fahrt ausschließlich zur Nachtzeit durchgeführt werden darf, was das Unternehmen allerdings nicht davon abhielt, den Transport zur morgendlichen Berufsverkehrszeit durchzuführen.

Zudem forderte die Genehmigungsbehörde die Anwesenheit eines Beifahrers, welcher dem Fahrzeuglenker alle im Streckenverlauf zu beachtenden Fahrauflagen rechtzeitig mitteilt. Dennoch befand sich der Litauer alleine im Fahrzeug. Dass die Kosten für den Beifahrer gut angelegt gewesen wären, zeigte sich den Verkehrspolizisten bei der Auswertung der Tachographendaten. Im Streckenverlauf vom Walserberg bis zur Rastanlage Hochfelln hatte die zuständige Behörde an insgesamt elf Brückenbauwerken das Passieren mit Schrittgeschwindigkeit angeordnet, bei gleichzeitiger Absicherung des rückwärtigen Verkehrs per Schwertransport-Begleitfahrzeug. Gemäß der ausgelesenes Geschwindigkeitsdaten missachtete der 46-Jährige diese Auflagen vollkommen und überfuhr die neuralgischen Stellen mit bis zu 82 km/h.

Für den Schwertransportlenker war die Fahrt damit an der Rastanlage Hochfelln erst einmal beendet. Er musste eine Sicherheit im oberen dreistelligen Bereich leisten und wird bei der Zentralen Bußgeldstelle angezeigt. Zudem erhält er einen Punkt in Flensburg. Gegen das federführende und den Beamten bereits hinlänglich bekannte Unternehmen aus Tirol wird bei der Zentralen Bußgeldstelle ein Vermögensabschöpfungsverfahren beantragt, weil es sich insbesondere durch den Verzicht auf den vorgeschriebenen Beifahrer einen illegalen Vermögens- und Wettbewerbsvorteil verschafft hat.

Der hierbei zu veranschlagende Einziehungsbetrag entspricht dem Umsatz für den kompletten Transportauftrag vom Startort in Italien bis zum Zielort in Rheinland-Pfalz und liegt nach erster Schätzung der Polizei bei mindestens 20000 Euro. Die Genehmigungsbehörden für diesen Transport erhalten zudem eine Mitteilung der Polizei über das kritikwürdige Verhalten ihres Antragstellers.

− red