Serie: Mein Kripperl und seine Geschichte
Richard Schlagberger aus Truchtlaching hat als Schulbub schon eine Krippe gebaut

Die Bastelarbeit ziert heute das Wohnzimmer seiner Mutter – Jahrzehnte alte Figuren aus Ton

03.12.2023 | Stand 03.12.2023, 5:00 Uhr

Die Geburt Christi im Stall von Bethlehem mit Maria und Josef, Ochs und Esel sowie einer Herde Schafe – das ist das klassische Krippenmotiv im Alpenraum. Rita Schlagberger in Truchtlaching betrachtet ihr Kripperl. − Fotos: Klaus Oberkandler

Richard Schlagberger aus Truchtlaching war gerade erst eingeschult worden, als er beschloss, zu Weihnachten ein Kripperl zu bauen. Dass es heute, mehr als 40 Jahre später, im Wohnzimmer seiner Mutter steht und hoch in Ehren gehalten wird, hätte er sich damals wohl nie träumen lassen. Aber genau so ist es gekommen, wie Rita Schlagberger versichert und stolz den kleinen heimeligen Stall mit Maria und Josef und dem Jesuskind herzeigt.

Natürlich gehören auch Ochs und Esel, eine kleine Schafherde und der Stern von Bethlehem zur Szene, ein Hirte, der Wasser aus einem Brunnen schöpft sowie einige andere liebevolle Details. Rita Schlagberger war die erste, die sich auf unseren Aufruf im Dezember vergangenen Jahres gemeldet und sich bereiterklärt hat, die Geschichte ihrer Weihnachtskrippe zu erzählen.

Weihnachten nach altem Brauch gefeiert

Den kleinen Tonfiguren sieht man die Jahrzehnte an, die sie bereits auf dem Buckel haben, die Dutzende Male, die sie von Kinderhänden herausgenommen und genau begutachtet wurden. Bevor sie der kleine Richard von seiner Großmutter bekam, hatten sie in deren Hof in Tinning bei Trostberg schon Dutzende Male die Herzen seines Vaters und dessen Familie höherschlagen lassen.

Rita Schlagberger macht es nichts aus, dass einige der Figuren „starke Gebrauchsspuren“ aufweisen, wie das ein Antiquitätenhändler ausdrücken würde: Die alte Krippe weckt bei ihr Erinnerungen an die Zeit, als ihre beiden Buben Richard und Harald noch klein waren und Weihnachten im Kreis der Familie festlich begangen wurde. Dazu gehörte an Heiligabend neben dem Christbaum die Mettensuppn, die nach dem abendlichen Kirchgang zur Christmette im Truchtlachinger Gotteshaus am heimischen Herd warmgemacht wurde. Rita Schlagberger hatte die Suppe schon untertags zubereitet: Blut- und Leberwürste, Sauerkraut und eine Brotsuppe mit einem Berg gerösteter Zwiebeln obendrauf sind die klassischen Zutaten für das traditionelle Essen an Heiligabend. Das hatte Vater Konrad eingeführt. Bei ihm daheim in Tinning war es eine Tradition, die auf dem elterliche Hof gepflegt wurde.

Das Kripperl lag viele Jahre lang auf dem Speicher

Viele Jahre lag die von Richard Schlagberger gebastelte Krippe auf dem Speicher des Hauses an der Kreuzbichlstraße in Truchtlaching. Als die beiden Buben noch klein waren, wurde zu Weihnachten eine viel schönere große Krippe aufgestellt, die ein Bekannter gebastelt hatte. Die Figuren dazu hatte Ritas Mutter nach und nach zu Weihnachten bekommen. Einige hat der Schnitzer Kurt Viehhauser in Traunstein angefertigt, andere kaufte man auf dem Christkindlmarkt in Altötting. Nun lagert diese Krippe auf dem Speicher und wartet darauf, vielleicht wieder einmal im Mittelpunkt des Weihnachtsgeschehens zu stehen. Die Chancen stehen nicht schlecht: Rita Schlagberger hat sechs Enkelkinder, und vielleicht hat ja eines von ihnen einmal Interesse, die Krippe zu übernehmen, hofft sie.

Denn auch bei ihrem Sohn Richard, der sich neben ihrem Haus ein eigenes gebaut hat, steht eine neu gekaufte bayerische Krippe. Die weihnachtliche Tradition wird bei den Schlagbergers noch immer aufrecht erhalten. Die beiden Söhne und alle Enkelkinder kommen nach der Kinderchristmette zur Oma, versammeln sich um den geschmückten Christbaum und packen voller Freude die Geschenke aus. In dieser Zeit können die Schwiegertöchter zu Hause alles für das dortige Weihnachtsfest vorbereiten.