Mit Pflegetipps für Zuhause
8500 Stück: Gewächshäuser voller Weihnachtssterne in Traunreut

02.12.2023 | Stand 02.12.2023, 15:00 Uhr

Ein rotes Meer von Weihnachtssternen ist in den Gewächshäusern der Schulgärtnerei zu bewundern, es gibt aber auch gesprenkelte Sorten. − Foto: Herbert Reichgruber

8500 Weihnachtssterne haben die Schüler und Ausbilder der Gärtnerei der Jugendsiedlung Traunreut (Landkreis Traunstein) seit dem Sommer in ihren Gewächshäusern herangezogen, jetzt schenken sie in allen erdenklichen Farben Vorfreude auf Heiligabend.



„Die ersten Exemplare haben wir Mitte November verkauft. Jetzt werden noch alle Farben nachgefragt, aber ab etwa 10. Dezember wollen die Kunden nur noch weiße und rote Sterne“, erklärt Udo Freitag, Ausbilder und Betriebsleiter in der Gärtnerei der Jugendsiedlung Traunreut. Dabei dominiert der Wunsch nach roten Pflanzen mit 80 Prozent.

Ab Ende Juni werden die von Spezialbetrieben gelieferten und noch komplett grünen Jungpflanzen in der Jugendsiedlung eingetopft. Dann werden sie gestutzt, um das Wachstum von Seitentrieben anzuregen. So wachsen sie in Töpfen mit 8 bis 13 Zentimeter Durchmesser heran und werden mit einer computergesteuerten Klimaregelung und Bewässerung herangezogen. „Erst wenn die Kurztage Anfang Oktober beginnen, also mindestens zwölf Stunden Dunkelheit herrscht, verfärben sich die obersten Blätter“, erklärt Udo Freitag. Dann startet auch der Prozess zur Blüte der Pflanze.

Blütenstand ist ein Qualitätsmerkmal

Die eigentliche Blüte (Cyathien) ist zwischen den obersten Hochblättern (Brakteen) zu sehen und bis sie ausgebildet ist, dauert es acht bis neun Wochen. „Die farbigen Hochblätter bildet die Pflanze, um Insekten anzulocken, die dann die Blüten bestäuben“, so Freitag. Das gilt aber nur für die eigentlichen Herkunftsländer in Mittelamerika. In unseren Breitengraden sind zur Blütezeit keine Insekten unterwegs, aber für die Liebhaber der Pflanze sind die Blüten ein Qualitätsmerkmal: „Man sollte darauf achten, dass sie beim Kauf noch nicht verblüht sind.“

Vor Schädlingen geschützt werden müssen die Weihnachtssterne aber auch in den Gewächshäusern und das geschieht in der Jugendsiedlung ganz ohne Chemie: „Wir setzen dafür Nützlinge und biologische Pflanzenschutzmittel ein. Ein Beispiel ist die Schlupfwespe, die gegen die weiße Fliege hilft.“ Raubmilben werden gegen die Spinnenmilbe verwendet. Gleichzeitig arbeiten die Züchter der Weihnachtssterne stetig daran, sie widerstandsfähiger gegen Krankheiten zu bekommen.

Sorte Alaska hat das reinste weiß

Nicht weniger Energie und Fachwissen wird in die Zucht immer neuer Farbtöne gesteckt. „So gibt es inzwischen etwa die zweifarbige Marble, oder die weiße Alaska, die noch reiner weiß als die bisherigen Exemplare ist“, erklärt der Gärtnermeister. Der Ausbilder ist selbst mit den Schülern nach Italien gefahren, um mehr darüber beim Züchter vor Ort zu erfahren. Mit seinen Mitarbeitern und Schülern hat Freitag heuer also nicht nur weiße und rote Weihnachtssterne herangezogen. In den Gewächshäusern stehen auch creme- und fleischfarbene, gelbe und orange Exemplare: „Und natürlich rote Sterne von rosa bis feuerrot“ , so Udo Freitag.

Freude schenken werden die Weihnachtssterne aus der Jugendsiedlung nicht nur in und um Traunreut, denn Gärtnereien bis nach Passau und München zählen zu den Abnehmern: „Sie sind also nicht nur regional erzeugt, sondern werden im weitesten Sinn auch in der Region ohne großen Transportstress zu den Kunden gebracht.“ Schließlich ist der Transport der kälteempfindlichen Sterne jetzt im Dezember nicht einfach: „Wir müssen dafür jedes einzelne Exemplar verpacken, denn sie vertragen keine Temperaturen unter 16 Grad.“ Am schonendsten ist es, wenn die Kunden aus Traunreut und Umgebung ihre Pflanzen direkt in der Gärtnerei abholen und in Papier gewickelt schnell nach Hause bringen.

Manche bekommen sie aber auch geschenkt: „Nächste Woche verteilt etwa die katholische Pfarrei je einen Stern an die über 80-Jährigen in der Stadt.“ Und Restbestände, die kurz vor Heiligabend übrigbleiben, spendet die Jugendsiedlung in der letzten Woche vor Weihnachten an die Traunreuter Tafel oder vergleichbare Organisationen in den Nachbarorten, damit auch finanziell nicht so begüterte Menschen ihre Freude an den blühenden Sternen haben.

So halten Weihnachtssterne länger



Weihnachtssterne sollten in der Wohnung keine Zugluft bekommen und vertragen keine Staunässe. „Am besten sollten sie einmal richtig gegossen werden und dann erst wieder, wenn sie antrocknen. Der größte Fehler ist es, wenn sie zu feucht gehalten werden“, so Experte Udo Freitag. Im Topfboden darf jedenfalls kein Wasser stehen. Im Raum sollten sie einen Platz mit viel Licht bekommen und die Zimmertemperatur sollte nicht unter 16 Grad liegen.

Da es sich um exotische Pflanzen handelt, können sie mit Wärme gut umgehen, entsprechend früher trocknen sie aber auch aus: „Zu warm ist es ihnen aber nie“, versichert Freitag. Allerdings: Bei niedrigeren Temperaturen über 16 Grad sind auch die Farben der Hochblätter intensiver, so Freitag. Wer in den jetzigen kalten Tagen einen Weihnachtsstern kauft, muss diesen unbedingt frostfrei nach Hause transportieren. Selbst kurzzeitige Kälte schädigt die Pflanze enorm. Es reicht, wenn sie für den Transport noch im Geschäft oder einer Gärtnerei in Papier eingepackt werden.

− hr