Weihe beim 134. Gaufest in Westerham
Gauverband I der Trachtler erhält eine neue Standarte

25.06.2024 | Stand 25.06.2024, 11:00 Uhr |

Vereinsfahnen sind wahre Kunstwerke mit viel Aussagekraft.  − Fotos: Monika Loferer/Ingeborg Erb

Wehende Fahnen, stolze Standarten – sie sind nahezu bei jedem Fest, jedem Festzug und auf vielen Trauerfeiern zu sehen. Die kostbaren Fahnentücher sind in mühevoller Handarbeit bestickt, zeigen „das“ Bild des Vereins oder Verbandes und geben Auskunft über seine Herkunft, seine Heimat. Doch was steckt dahinter? Was sagen sie aus? Welche Bedeutung kommt dem Paten und dem Göd zu?

Festgottesdienst mit Reinhard Kardinal Marx

Der Gauverband I der oberbayerischen Gebirgstrachten-Erhaltungsvereine (GTEV) als Gautrachtenverband, dem 117 Vereine angeschlossen sind, bekommt heuer eine neue Standarte. Es ist die zweite Standarte seit Verbandsgründung im Jahr 1890. Sie und die Fahnenbänder werden anlässlich des 134. Gaufestes und des 125. Gründungsfestes des Gastgebervereins D’Mangfalltaler Westerham am Sonntag, 21. Juli, von Reinhard Kardinal Marx geweiht und ihrer Bestimmung übergeben.

Landtagspräsidentin Ilse Aigner ist die Schirmherrin

Die Schirmherrschaft übernimmt Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Sie ist der Trachtensache in besonderer Weise verbunden, in Westerham zuhause, Vereinsmitglied und wird als äußeres Zeichen der Verbundenheit ein Fahnenband überreichen. Aus den Händen von Fahnenmutter Hildegard Kallmaier, Fahnenbraut Tamara McCuish und Trauermutter Lotte Eicher werden mit feierlichem Prolog die verbandseigenen Fahnenbänder vom Gauverband I überreicht. Auch der künftige Göd, der Bayerische Inngau-Trachtenverband, bekommt ein Fahnenband. Dieses übergibt für den Gauverband I Elisabeth Hollinger. Die ehrwürdige Aufgabe, das Fahnenband des Göds zu überreichen, wird Johanna Schweinsteiger zuteil. Symbolisch sagen die Bänder die Verbundenheit zueinander ebenso aus wie die Freude am gemeinsamen Feiern, aber auch das Zusammenstehen in schlechten Zeiten – ein Versprechen, das viele Jahre anhalten und den gemeinsamen Weg ebnen und begleiten wird.

Eine Fahne führt den jeweiligen Verein an – mehr noch: Sie zeigt, wer hinter der Fahne steht, wer die Gesinnung teilt. Sie gibt Auskunft über Herkunft und Namen und Zeitdaten des Vereins. Ebenso verhält es sich bei der neuen Gaustandarte, ihr folgen bei den Trachtenfesten Gauvorstandschaft und -ausschuss, die Festvereine wiederum angeführt von ihren Fahnen, alle Kinder und Jugendlichen, alle Trachtlerinnen und Trachtler. Geschichtlich betrachtet schließt sich der Kreis zu den Trachtenvereinen. Die Fahne ist Ausdruck der Verbundenheit mit dem christlichen Glauben, zu Heimat und der bayerischen Tradition und das Versprechen, die Bräuche zu pflegen und zu erhalten.

Die Madonna nimmt alle unter ihren Schutz

„Maria breit den Mantel aus, mach Schirm und Schild für uns daraus“, so beginnt die Textfassung eines bekannten Marienliedes, das im Gotteslob zu finden ist; so auch die Abbildung der Schutzmantel-Madonna auf der neuen Standarte. Unter ihrem kostbaren Mantel sind Personen, gekleidet in ihre Trachten, zu sehen, die beispielhaft die Vielfalt der Trachten im Gauverband I darstellen. Spiegelseitig mit einem Band der Zusammengehörigkeit vereint finden sich die Namen der acht Gebiete, aus denen der GauverbandI besteht. Auch die beiden Brauchtumsgruppen, die der Aperschnalzer des historischen Rupertiwinkels und der Weihnachtsschützen des Berchtesgadener Landes, wurden bedacht. Eine Goaßl und ein Handböller sind abgebildet. Alle Abbildungen stehen sinnbildhaft für die große Trachtenfamilie, die Bayerns größten Trachtenverband bilden.

Fähnrich darf den Hut aufbehalten

Fähnrich und Begleiter sind äußerlich schon an ihren Hutschnüren und den Schärpen erkennbar, tragen und begleiten mit Stolz und Würde das Aushängeschild des Vereins. Die Hutschnüre sagen übrigens aus, dass sie ihren Hut während des Gottesdienstes und des Fahnengrußes aufbehalten dürfen, um die Fahne zu beschützen. Freilich kommt ihnen heutzutage eher keine Verteidigungsaufgabe mehr zu. Doch Pflege, Lagerung und Präsentieren wollen gelernt und mit Nachdruck überliefert sein. Fahne senken vor dem Herrgott, also bei Beginn und Ende eines Gottesdienstes, der Wandlung und dem offenen Grab als letzten Gruß an einen Verstorbenen gehören ebenso dazu, wie die Präsentation bei der Bayernhymne und dem Lied „Großer Gott, wir loben Dich“.

FAKTEN UND ZAHLEN

117 Vereine gehören dem Gauverband I an.

Der Gauverband I wurde 1890 anlässlich des „Centralfestes“ in Rosenheim gegründet.

• Die erste Standarte wurde am 27. August 1967 in Ruhpolding geweiht.

− red