Heftige Gewitterzelle südlich des Chiemsee
Feuerwehr zieht Bilanz: Rund 80 Einsätze wegen Starkregens und Sturmböen

21.06.2024 | Stand 21.06.2024, 15:28 Uhr |

Glück im Unglück hatten die beiden Insassen dieses Autos, das auf dem Pendlerparkplatz an der Autobahnausfahrt Übersee unter einem Baum begraben wurde. − Foto: Kreisfeuerwehrverband

Das kurze, aber heftige Unwetter, das am frühen Donnerstagabend von Westen über den Chiemsee in den Landkreis Traunstein zog, hielt die Feuerwehren auf Trab – vor allem entlang der Autobahn A8. Von Rottau über Übersee und Siegsdorf bis Vogling hatten die Floriansjünger rund 80 Einsatzstellen abzuarbeiten. Das teilt Peter Volk, Sprecher des Kreisfeuerwehrverbands Traunstein, in seiner Bilanz mit.



Bäume stürzten um und blockierten Straßen. Bäche traten über die Ufer, Keller wurden überflutet – und auf der Bahnstrecke zwischen München und Salzburg kam es zu zeitweiligen Streckensperrungen, weil Oberleitungen beschädigt waren.

Feuerwehr und Ersthelfer befreien Auto-Insassen

Glück im Unglück hatten zwei Personen, die das Abklingen des Starkregens und das Ende der Sturmböen in ihrem geparkten Auto abwarten wollten. Der Pkw, der auf dem Pendlerparkplatz an der Autobahnausfahrt Übersee stand, wurde von einem umstürzenden Baum getroffen. Ersthelfer und die Feuerwehr Übersee konnten die Insassen aus dem Auto befreien. Sie blieben unverletzt.

Die Floriansjünger hatten selbst Mühe, schnellstmöglich zum Einsatzort zu gelangen, weil die Bahnunterführung überflutet war und der Starkregen die Feldwieser Straße überschwemmt hatte. Außer der Rettung aus dem Pkw beseitigten die Feuerwehrler an weiteren 15 Einsatzstellen die Unwetterschäden. Ein großer Baum blockierte die Julius-Exter-Promenade komplett, dort gab es zeitweise kein Durchkommen. Per Radlader beseitigten die Feuerwehrler den Baum, so dass die Zufahrt und somit auch der einzige Rettungsweg zum Chiemseeufer wieder frei war.

Nur eine halbe Stunde nach Abzug des Gewitters klarte der Himmel auf – und viele zog es an den Chiemseestrand zum Sonnenuntergang. Die Feuerwehr sorgte mit ihrem Einsatz dafür, dass dies möglich war.

25 Einsätze für die Siegsdorfer Wehr

Vielbeschäftigt war auch die Feuerwehr Siegsdorf. 25 Unwetter-Einsätze hatten 32 Aktive rund drei Stunden lang abzuarbeiten. Laut Kommandant Manfred Steiner wurde ein Kind von einem kleineren entwurzelten Baum getroffen. Auch das ging glimpflich ab, das Kind zog sich lediglich Schürfwunden zu. Die meisten Einsätze betrafen abgebrochene Äste und ganze Bäume, die von Straßen geräumt oder mit Motorsägen zerschnitten werden mussten. Überlaufende Bäche drohten Tiefgaragen und Keller zu überfluten. Die Feuerwehr sorgte für entsprechende Abschirmung.

An der Blaue-Wand-Straße (B306) auf Höhe des Schwimmbads bestand die Gefahr, dass angebrochene Äste auf die Straße stürzen. Mittels Drehleiter und Motorsäge wurde die Situation entschärft. Auf der A8 sicherten die Floriansjünger eine Einsatzstelle mit ihrem Verkehrssicherheitsanhänger ab und sorgten an der Kreisstraße TS 5 (Adelholzener Straße) dafür, dass die Überflutung beseitigt wurde.

Auch die Feuerwehren in den Ortsteilen Vogling und Hammer waren mit Aufräumarbeiten beschäftigt, nach Alarmierungen mit den Stichworten „Keller unter Wasser“ und „Baum über Fahrbahn“. In Eisenärzt, wo am Mittwoch die Jubiläumsfeiern zum 150-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr begannen, mussten die Floriansjünger ihre Vorbereitungen unterbrechen und zu einigen Einsätzen ausrücken, unter anderem wegen eines überfluteten Gehwegs. Die Kameraden aus Siegsdorf unterstützten jedoch kräftig, übernahmen den Parkplatzdienst, so dass sich die Eisenärzter mehr dem Jubil äumsfest widmen konnten.

Die Feuerwehr Grabenstätt rückte nach dem Unwetter sieben Mal aus, hauptsächlich um umgestürzte Bäume von Straßen und Wege zu räumen. Dazu war die Wehr auf der A8 auf Höhe von Winkl, in Marwang und auf der Kreisstraße TS 3 zwischen Grabenstätt und Holzhausen im Einsatz.

Auch noch Brandalarm in Bernau am Chiemsee

Die ersten Alarmierungen waren bei der Feuerwehr Grassau und Rottau eingegangen. Diese wurden um 17.21 Uhr zu einem Brand in einer Klinik in Bernau am Chiemsee gerufen. Noch auf der Anfahrt konnte Entwarnung gegeben werden. Die angerückten Wehren sammelten sich am Feuerwehr-Gerätehaus in Bernau, um bei der Beseitigung der Schäden zu helfen, die die Gewitterzelle im Ortsgebiet hinterlassen hatte.

Aufgrund der Unwetterwarnung, die am späten Nachmittag einging, wurde vorsorglich die Führungsstelle Salzach in Fridolfing besetzt, um im Fall eines großflächigen Aufkommens die Feuerwehr-Einsätze zu koordinieren. Dies war schließlich nicht erforderlich, weil sich die Unwetter-Einsätze auf ein kleines Gebiet südlich des Chiemsees beschränkten.

− red