Motto „Salz Reich“
Chiemgauer Kulturtage: Uraufführung über die gruselige Tradition der Salz-Schiffmeister

20.03.2023 | Stand 17.09.2023, 0:43 Uhr
Brigitte Janoschka

„Opfern“ heißt das Werk von Patrick Pföß, das zur Eröffnung der Kulturtage uraufgeführt wird. Der Hintergrund: Mitglieder des Schifferschützen Corps bringen auf einer Zille mit vier Buben Hostien auf dem Fluss aus – als „Himmelsspeise“ für ertrunkene Salz-Schiffleute. −Foto: privat

Das Ziel ist hoch gesteckt: Es soll die Bedeutung des Salzes in der Region betont und die Unesco-Bewerbung Traunsteins weitergeführt werden mit diesem speziellen Konzert – am 26. März finden im dortigen Kulturforum Klosterkirche „Salz-Begegnungen“ statt. Es ist das große Eröffnungskonzert der Chiemgauer Kulturtage 2023/24 unter dem Motto „Salz Reich“.

Komponist und Querflötist Patrick Pföß stellte dem Landratsamt sein Projekt vor – eine Begegnung verschiedener kultureller Aspekten mit dem Thema Salz. Es habe großen Anklang gefunden und erfahre daher außer einer besonderen Förderung des Landrats Siegfried Walch auch Unterstützung vom Kunstverein Traunstein e.V. und diversen Sponsoren. Außerdem habe Salz viel mit seiner Familie zu tun, sagt der Komponist im Gespräch mit unserer Zeitung.

Zusammen mit den in Laufen und Oberndorf ansässigen Familien Standl, Edelmann und Lobensommer hatte die Familie Pföß vom 13. Jahrhundert bis 1810 das Privileg, das Salz über die Salzach bis nach Budapest zu transportieren. Als dieses aufgehoben wurde, mussten sich die Familien neu erfinden. Waren sie vorher die Schiffmeister von Laufen, wurden diese vier Familien nach 1810 zu den Schifferschützen, die den Salztross begleiteten.

Dieses Schifferschützen Corps Oberndorf vertritt auch heute noch die Tradition der Salz-Schiffmeister von Laufen/Oberndorf und wird daher mit Salutschüssen, einem Einmarsch und einem Vortrag von Kommandant Rainer Kees auftreten, berichtete Pföß.

In einem weiteren Teil der Veranstaltung sind Volkslieder aus der Region zum Thema Salz zu hören. Das Bayerische Volksmusikarchiv hat sie gesammelt und im Heft „Eine Handvoll Salz“ veröffentlicht. Diese Tradition wird vom Familiengsang Abstreiter und vom Zwoaländertrio mit Markus Gromes, Leiter der Inzeller Musikschule, repräsentiert.

Dritter Baustein der Veranstaltung ist die Uraufführung des Werkes „Opfern“ von Patrick Pföß. Der Kommandant des Schifferschützen Corps hatte ihm 2019 von zwei Bräuchen berichtete: Der erste Salzschiffer, der in einer neuen Saison über Bord ging, wurde nicht gerettet. Man hatte ihn als Opfer an den Fluss ertrinken lassen und nur seinen Hut geborgen.

In einem zweiten Brauch, der sogar bis heute am Fronleichnamsfest gefeiert wird, halten auf einer nachgebauten Salzzille auf der Salzach vier 12-jährige Buben ein rotes Tuch, auf dem ein grüner Kranz mit vier Hostien liegt. In der Mitte des Flusses bringt der Steuermann durch einen Schlag von unten gegen das Schiff dieses ins Schaukeln, so dass der Kranz mit den vier Hostien ins Wasser fällt. So sollen die Ertrunkenen an der „Himmelsspeise“ teilhaben.

Auf diesen Bräuchen beruht das Werk „Opfern“ von Patrick Pföß, der auch das Libretto selbst verfasst hat – Teil eins aus der Sicht der Witwe, wenn ihr der Hut ihres ertrunkenen Mannes überbracht wird, Teil zwei mit dem Fronleichnamsfest.

Brigitte Janoschka