Autobahn GmbH gibt Auskunft
Weniger Milliarden für Autobahnen: Was bedeutet das für Bau der A94 bei Simbach?

19.06.2024 | Stand 19.06.2024, 17:37 Uhr |

Stefan Pritscher (li.) und Stefanie Koller von der Autobahn GmbH mit dem Vorsitzenden des Vereins „Ja zur A 94“, Johann Springer, bei der Jahreshauptversammlung im „Inntalhof“ in Kirchdorf. − Foto: Bach

Nachdem bekannt geworden war, dass das Bundesverkehrministerium vor allem bei den Autobahnen mehrere Milliarden einsparen will, gab die Autobahn GmbH Auskunft darüber, was das für den Bau der A94 bedeutet.



Mit Spannung erwartet wurde bei der Jahreshauptversammlung des Vereins „Ja zur A94“ Dienstagabend in Kirchdorf am Inn (Landkreis Rottal-Inn) der Bericht von Stefan Pritscher von der Autobahn GmbH. Nachdem bekannt geworden war, dass das Bundesverkehrministerium vor allem bei den Autobahnen mehrere Milliarden einsparen will, wollten die Vereinsmitglieder um Vorsitzenden Johann Springer natürlich wissen, wie es mit dem Bau der A94 zwischen Marktl (Landkreis Altötting) und Pocking (Landkreis Passau) weitergeht.

Weitere Berichte zur A94 finden Sie hier auf unserer Sonderseite.

Unter den Anwesenden waren neben den Bürgermeistern der A94-Anliegergemeinden auch Rottal-Inn-Landrat Michael Fahmüller, die stv. Landrätin von Altötting, Ingrid Heckner, ihre Mühldorfer Amtskollegin Ilse Preisinger-Sontag sowie MdB Stephan Mayer.

Was die kolportierte massive Kürzung der Haushaltsmittel betrifft, gab Pritscher eine detailreiche Einschätzung ab, wie sich diese auf den A94-Bau auswirken werde. Und er machte auch klar: Es gebe Bauabschnitte, die weniger und welche, die mehr davon betroffen seien.

Abschnitte etwa, bei denen man bei den Planungen sehr weit sei, bei denen keine Ingenieurleistungen mehr in Auftrag gegeben und bezahlt werden müssten und bei denen man folglich keine Haushaltsmittel beantragen müsse, seien davon kaum berührt. Als Beispiel nannte er hier den Abschnitt Marktl bis Simbach-West. „Hier tut uns die Haushalts-Thematik nicht weh“, so der Leiter der Außenstelle Deggendorf der Autobahn GmbH. Hier sei man im Planfeststellungsverfahren und gerade dabei, die eingegangenen Stellungnahmen und Einwendungen zu be- und Lösungen zu erarbeiten.

Welche Auswirkungen auf A94-Bau bei Simbach?



Der nächste Abschnitt, der zwischen Simbach-West und Simbach-Ost, sei hingegen einer, der von den angekündigten Einsparmaßnahmen mehr betroffen sein könnte. Wie bereits mehrfach berichtet, plant die Autobahn GmbH hier eine Teiluntertunnelung der A94, Simbach hätte hingegen gerne eine Volluntertunnelung. Zu beiden Varianten wurde ein Gutachten gemacht, das „inzwischen öffentlich kommuniziert“ wurde, so Pritscher. Ergebnis des Gutachtens: die volluntertunnelte Lösung wäre zwar grundsätzlich machbar, würde aber unverhältnismäßig viel mehr kosten als die teiluntertunnelte.

Alfred Feldmeier, Stadtrat in Simbach und Vorstandsmitglied im Verein „Ja zur A94“ wollte von Stefan Pritscher konkret wissen, inwiefern die Haushaltsmittel-Kürzung Auswirkungen auf den Bau dieses Abschnitts hat. Pritscher führte aus, dass, was den Simbach-Abschnitt betrifft, „die nächste große Phase ansteht“, man für mehrere Millionen Euro ein Ingenieurbüro für die weiteren Planungen beauftragen müsse.

Finanzsituation schwierig, im Herbst Gespräche



Ob das die künftige Haushaltssituation zulässt oder nicht, darauf wollte sich Pritscher in der Jahreshauptversammlung nicht festlegen, weil die Kürzung der Mittel noch nicht beschlossen sei, sondern darüber in Berlin beraten werde. Er bezeichnete die Finanzsituation allerdings „als schwierig“ und meinte, dass „wir, meiner Einschätzung nach, kein großes Projekt starten können, wenn die Finanzierung für andere, laufende Projekte nicht gesichert ist“, womit er zumindest Zweifel andeutete.

Pritscher versprach aber, dass er nach Simbach kommen werde, um mit den Verantwortlichen der Stadt zu besprechen, wie es weitergehe, sobald die Haushaltssituation geklärt ist. Als Termin dafür nannte er Herbst. Vorher, so Pritscher, mache es keinen Sinn, weil man aktuell nicht wisse, wie viel Geld tatsächlich in den nächsten Jahren für den Autobahnbau zur Verfügung stünde. Dabei wolle er dann auch über die Prüfung der beiden Varianten durch den Bundesrechnungshof reden (wir berichteten ebenfalls).

Schwierigkeiten im fertigen Tutting-Tunnel



Kurz umriss Pritscher dann auch noch die Ist-Stände bei den weiteren Abschnitten, etwa den von Simbach-Ost bis Prienbach-Ost, wo es Probleme mit dem Grundwasser gebe. Der Höhenverlauf der Trasse müsse nochmal überarbeitet werden.

Beim nächsten Abschnitt, dem an Ering vorbei, ist das Ziel, heuer die Planfeststellungsunterlagen zu erstellen und im kommenden Jahr Antrag auf Planfeststellung zu stellen.

Schwierigkeiten bereite im Nachgang der eigentlich schon fertige Abschnitt nach Kirchham. Im Tunnel Tutting gebe es Probleme mit den Schächten. Die Deckel sind verschraubt, sollten sich eigentlich von selbst nicht lösen, tun dies aber. Folge war bereits, dass es zu einem schweren Unfall mit einem Lkw kam (wir berichteten). Momentan sei man dabei, sich das anzuschauen. „Damit es aber zu keinem weiteren Unfall kommt, haben wir die Deckel provisorisch zugeschweißt“, erklärte Pritscher.

Kürzungen sind „besorgniserregend“



Was den letzten Abschnitt, die bereits in Bau befindlichen zwölf Kilometer bis nach Pocking, angeht, der 2027 für den Verkehr freigegeben werden soll, da könnte die Haushaltskürzung tatsächlich noch Auswirkungen haben. „Weil es sich um einen Neubau und keine Erhaltungsmaßnahme handelt“, erklärt Pritscher.

Die geplanten Milliarden-Kürzungen sprach auch Vereinsvorsitzender Johann Springer nochmal an, bezeichnete sie als „besorgniserregend“. Und er regte an, dass man als Verein „einen Brandbrief nach Berlin schickt“, um mit Nachdruck zu erläutern, wie wichtig der Bau der A94 für die Region ist.

Weitere Themen in der Sitzung waren: Die Satzung wurde angepasst, ist jetzt auf einem zeitgemäßen Stand. Außerdem wurde die neue Homepage (www.ja-zur-a94.de) vorgestellt, die aktuelle Infos bieten und bald online gehen soll. Und es wurde noch über den geplanten Vereinsausflug ins „Haus der bayerischen Geschichte“ in Regensburg gesprochen.