Vorstand zufrieden
VR-Bank Rottal-Inn blickt auf gutes Geschäftsjahr zurück

14.06.2024 | Stand 14.06.2024, 17:01 Uhr |

Die entscheidenden Köpfe bei der VR-Bank-Vertreterversammlung waren (von links) stv. Vorstandssprecher Christian Forstner, Vorstandsmitglied Alois Zisler, Vorstandssprecher Albert Griebl, Wirtschaftsprüferin Carolin Vogl, Aufsichtsratschef Alois Konrad, dessen Stellvertreter Thomas Brandstetter sowie Vorstandsmitglied Stefan Sendlinger. − Foto: Herwig Slezak

„Trotz schwieriger Umstände setzt die VR-Bank Rottal-Inn als größte genossenschaftliche Bank in Niederbayern ihre gute Entwicklung fort.“ Dieses Fazit zog Vorstandssprecher Albert Griebl bei der 55. Vertreterversammlung in der Stadthalle.

Die rund 300 Zuhörer setzten sich aus stimmberechtigten Vertretern und einem Teil der aktuell 574 Mitarbeiter zusammen. Kritik übte Griebl am Umgang der Europäischen Zentralbank (EZB) mit der Inflation.

2,5 Prozent Dividende

Zur zentralen Aufgabe von Albert Griebl gehörte es, die erzielten Ergebnisse vorzustellen. Beim Einordnen wichtiger Kennzahlen schlüpfte der Vorstandssprecher zudem in die Rolle des Erklärers. Das Zahlenwerk für die 32 Standorte ergibt für das Geschäftsjahr 2023: Die Bilanzsumme der VR-Bank Rottal-Inn erhöhte sich laut Griebl auf fast 4,09 Milliarden Euro (+1,8 Prozent). Das Kundenanlagevolumen belief sich auf 4,66 Milliarden Euro (+5 Prozent). Das Kundenkreditvolumen stieg auf 3,65 Milliarden Euro (+1,2 Prozent).

Auf Grundlage des leicht gestiegenen Bilanzgewinns von 3,9 Millionen Euro (Vorjahr 3,6 Millionen Euro) wird auf Geschäftsguthaben eine Dividende von drei Prozent ausgeschüttet (Vorjahr 2,5 Prozent). Die getätigten Spenden in Höhe von 237790 Euro für gemeinnützige Zwecke reichen fast an den Wert des Vorjahrs heran. Von den 103367 Kunden sind laut Griebl 43840 Mitglied der Genossenschaftsbank.

Unterm Strich vermeldete der Vorstandssprecher „ein gutes Geschäftsjahr, obwohl 2023 wirtschaftlich schwach war“. Als Gründe hierfür nannte er Materialengpässe beim produzierenden Gewerbe, die Inflation, steigende Zinsen und den eskalierenden Nahostkonflikt. Zudem erinnerte er an Einsparungen, zu denen die Bundesregierung vom Bundesverfassungsgericht gezwungen wurde aufgrund des abgelehnten Umwidmens von Geldern zur Bewältigung der Corona-Krise in den Klimafonds.

„Wirtschaften in der Region steht im Vordergrund“



Zwar sei „bei uns die Welt noch in Ordnung“, sagte der Vorstandssprecher. Sorge bereite ihm aber, „dass die Anzahl der Baugenehmigungen sinkt“. Zur Wohnbaufinanzierung stellte Griebl klar: „Die von uns angebotene langfristige Zinsbindung lässt unsere Kunden ruhig schlafen.“ Ohnehin habe die VR-Bank den Zinsanstieg mit Bravour gemeistert. Weiterhin zeitlos bleibe das genossenschaftliche Erfolgsmodell. Griebl: „Für uns steht das Wirtschaften in der Region im Vordergrund.“ Kein Verständnis zeigte der Vorstandssprecher für die hohen Auflagen für Regionalbanken beim Eigenkapital.

Griebls zentrale volkswirtschaftliche Einschätzung lautete: „Der Zins ist zurück, und das ist gut für die Banken.“ Zwar komme mit dem Zins auch das Risiko. „Doch es ist das Normale, für Entscheidungen die Verantwortung zu übernehmen“, so der Banker.

Keine weiteren Zinssenkungen zu erwarten



Zur Inflation machte der Vorstandssprecher folgenden Interessenskonflikt aus: „Der deutsche Sparer mag sie nicht, die EZB eine gewisse Inflation schon.“ Nutznießer der hohen Inflationsraten seien die verschuldeten Staaten, welche zudem durch den Ankauf von Staatsanleihen indirekt finanziert werden. Dadurch, dass dieser Ankauf nicht mehr nach Länderproporz erfolge, entstünden für Deutschland Nachteile. „Schließlich haften wir für die Schulden der anderen mit“, so der Vorstandssprecher. Sein kritisches Urteil lautet: „Die EZB kümmert sich zu sehr um die Haushaltspolitik der Länder und zu wenig um Preisstabilität.“ In diesem Rahmen erwartete er „keine weiteren Zinssenkungen“.

Arbeitsmarktpolitisch beginnt laut Griebl der Fachkräftemangel anzukommen, was zu einer Lohn-Preis-Spirale führt. Weitere Gründe für die steigenden Preise bzw. die Inflation sind ihm zufolge die Demografie (Überalterung), die Deglobalisierung (kostenintensives Zurückholen systemrelevanter Produktion nach Europa) und die Dekarbonisierung (ökologischer Umbau).

Zurück zur VR-Bank Rottal-Inn: Wirtschaftsprüferin Carolin Vogl konnte zum Jahresabschluss den „uneingeschränkten Bestätigungsvermerk“ vermelden. Einstimmig folgten die Vertreter ihrem Antrag, die Vorstandschaft und den Aufsichtsrat zu entlasten.

Bei seiner Begrüßung hob Aufsichtsratsvorsitzender Alois Konrad hervor, „dass die VR-Bank das Persönliche und die Nähe ausmachen“. Willkommen heißen durfte er 163 der 290 Stimmberechtigten, welche das Zahlenwerk unisono absegneten. Dasselbe gilt für das Anpassen der Satzung in Hinsicht auf den bereits praktizierten Geschäftsalltag.

Blick nach vorne: Der dreijährige Turnus der Wahl der Aufsichtsräte und die vierjährige Neubestimmung der Vertreter fallen 2026 zusammen. Zu guter Letzt lud Albert Griebl zum Charity-Lauf am 6. Juli ein.