Simbach am Inn/Landshut
Unfall bei Tempo 100: Schleuser wegen versuchten Mordes vor Gericht

Auf Flucht Kontrolle über Auto verloren – Zehn Flüchtlinge an Bord

02.04.2024 | Stand 02.04.2024, 15:38 Uhr

Der Wagen überschlug sich auf der Flucht. − Foto: FFW Simbach

Nach dem dramatischen Unfall im Sommer des vergangenen Jahres in Simbach am Inn (Landkreis Rottal-Inn) mit einem Auto mit zehn Flüchtlingen an Bord, steht seit Dienstag der mutmaßliche Schleuser (23) in Landshut vor Gericht. Die Anklage lautet auf versuchten Mord.



Rückblick: In der Nacht von 29. auf den 30. August wollten Beamte der Bundespolizei Passau einen Nissan mit französischem Kennzeichen, der gerade aus Österreich nach Deutschland eingereist war, kontrollieren. In dem Fahrzeug befanden sich insgesamt elf Personen: der Fahrer und zehn Flüchtlinge (neun türkische Staatsangehörige und ein Afghane), wobei sieben der zehn unerlaubt Eingereisten ungesichert auf der Rückbank zusammengepfercht waren, zwei weitere im Kofferraum des Fahrzeugs.

Schleuser rast mit über 100 km/h durch Simbach



Um dieser Kontrolle zu entgehen, gab der Fahrer Gas. Laut Polizei flüchtete er in Richtung Stadtmitte, beschleunigte den Wagen teilweise auf über 100 km/h. In der Pfarrkirchner Straße schließlich verlor der Lenker die Kontrolle über das Fahrzeug. Er kam von der Fahrbahn ab, krachte frontal gegen eine Hausmauer. Dabei überschlug sich der Nissan und blieb auf dem Dach liegen. Die geschleusten Personen erlitten dabei zahlreiche Verletzungen.

Staatsanwaltschaft: Schleuser nahm tödliche Verletzungen der Insassen billigend in Kauf



Laut Ermittlungen soll der Fahrer fahruntüchtig gewesen sein, weil er zuvor berauschende Stoffe eingenommen haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, dass er „tödliche Verletzungen der Insassen“ billigend in Kauf nahm, um eine vorangegangene Straftat (nämlich die Schleusung, für die er, wäre sie erfolgreich gewesen, von bislang unbekannten Hintermännern 7000 Euro kassiert hätte) durch die Flucht zu verdecken, Deshalb lautet die Anklage auf versuchten Mord. Der Strafrahmen: lebenslange Haft. Weitere Prozesstermine sind am Donnerstag sowie am 9. und 11. April.