Verein wird 20 Jahre alt
Nachwuchs-Trio der Burgfreunde Julbach zeigt geheimnisvolle Orte

19.06.2024 | Stand 19.06.2024, 14:37 Uhr |

Freuen sich auf das anstehende Jubiläumsfest: (von links) Kilian Dachsberger und Hanna Kalle mit Vereinsshirt sowie Alexander Hasreiter historisch gewandet vor dem Erdstall-Eingang der Ruine Julbach mit dem versteckten Burgdrachen. − Foto: Herwig Slezak

Diesen Samstag, am 22. Juni, feiern die Burgfreunde Julbach (Landkreis Rottal-Inn) ihr 20-jähriges Bestehen. Vorab erzählten die jungen Vereinsmitglieder Kilian Dachsberger (11), Hanna Kalle und Alexander Hasreiter (beide 17) von Spuren der Vergangenheit und was sich hinter der Tür zum alten Geheimgang verbirgt.

Vom Rathaus in Julbach steigt das Trio über die Burgstraße auf einen Schotterweg in höchstens 15 Minuten ohne Mühe zur Ruine hoch. „Oben genieße ich von einem versteckten Platz hinterm Zeughaus die Aussicht oder freue mich aufs Ratschen“, so Schreiner-Azubi Alexander Hasreiter (17).

Noch weiter hinauf befindet sich Kilian Dachsbergers (11) Lieblingsplatz. Einst ragte dort der Burgfried empor. „Hier kann man super mit Stecken und Laub ein Lager bauen“, findet der Fünftklässler. Auch der Realschüler verbringt seine Freizeit gerne zwischen dem tiefen Brunnen und dem dunklen Erdstall, welche sich heute gesichert zeigen. Hinter der verschlossenen Tür zum alten Tunnel wacht Tag und Nacht der Burgdrache. Beim diesjährigen Ferienprogramm am 5. August 2024 tritt er wohl wieder in Erscheinung. Jederzeit bewundern können Mittelalter-Fans aufgespürte Mauerreste oder das nachgebaute Zeughaus, wo einst der Palas (Wohnhaus, Saalbau) stand.

Die Legende hinter den Gipfelzacken vom Watzmann



Auch Hanna Kalle (17) schätzt den Ausblick von der Innleite nach Süden. „Bei Föhn kann man die Berge sehen“, weiß die Zehntklässlerin. Zum markanten Watzmann hörte die Gymnasiastin eine Geschichte „über einen bösen Herrscher, sein Weib und seine Kinder“. In der Tat soll es sich der Legende nach bei den einzelnen Gipfelzacken um eine zu Stein erstarrte Königsfamilie handeln.

Was wiederum die Steine der Julbacher Burg betrifft, berichtet die junge Inntalerin: „Im Laufe der Zeit sind Teile der Anlage für den Bau der Friedhofsmauer hergenommen worden.“ Darüber hinaus wird beim alten Feuerwehrhaus eine Reihe von Funden vom Burggelände aufbewahrt. „Dazu gehören mittelalterliche Metalllanzen, Münzen oder Gürtelschnallen“, verrät Hanna.

Gegründet von Wernhart von Julbach, stammt die mittelalterliche Burganlage aus dem frühen 12. Jahrhundert. Landsknechte zerstörten das Gemäuer bereits 1504 beim Landshuter Erbfolgekrieg. Seitdem dümpeln die kümmerlichen Reste vor sich hin. Seit 20 Jahren bewegen sich die Burgfreunde auf den Spuren der Vergangenheit der geschichtsträchtigen Gemeinde – und fördern immer wieder Neues zutage. Wo nötig, begleitet die Vereinsführung ein Archäologe.

Lagern und Mittelalterliche Gewänder



Auf seinen Streifzügen durch den Hangwald trägt der Nachwuchs der Burgfreunde nach Lust und Laune mittelalterliche Gewänder. Alexander: „Dazu gehören eine Tunica samt Überwurf und Haube.“ Darüber hinaus steht bei der Jugend das Lagern hoch im Kurs. Beim Zelten an langen Wochenenden steht das historische Leben im Mittelpunkt. „Einmal haben wir Schmuckzeug aus Holz gemacht“, erinnert sich Hanna. „Oder wir schnitzen Löffel zum Gulaschessen“, so Kilian. Auch das Holz fürs Lagerfeuer machen die Kinder und Jugendlichen selbst. Zum Übernachten treffen sie sich entweder auf der heimischen Höll oder fahren weg wie etwa nach Frauenstein am Inn.

Besonders gerne pilgert unser Trio am letzten Sonntag im Monat zum historischen Bogenschießen. Auch dieses Treffen steigt unweit der Burgruine in der Höll. Als Bogen dient meist Erlenholz. „Das ist schön biegsam“, weiß Alexander, der angehende Schreiner. Aus gekauften Spitzen, Schaften, Nocken und Truthahnfedern werden die Pfeile selbst zusammengebastelt. „Damit schießen wir auf 3D-Tiere in Unterständen“, so Alexander weiter. Ihrer Größe wegen sind Maus und Igel natürlich am schwierigsten zu treffen. „Bei der Wuidsau ist es einfacher“, sagt Hanna zu einem der Zielobjekte aus Kunststoff.

Vorfreude auf Gründungs- und Burgfest



Beim Schießsport hat alles seine Ordnung: „Die Schützen stellen sich nebeneinander auf und sammeln die Pfeile erst ein, wenn alle geschossen haben“, bestätigt Alexander. Im Anschluss daran sitzen alle zusammen ums Lagerfeuer. „Wenn wir grillen, darf es gerne ein gutes Rindersteak sein“, findet der junge Handwerker.

Diesen Samstag feiert der 408 Mitglieder starke Verein in der Stockschützenhalle sein 20-jähriges Gründungsjubiläum. Um 14 Uhr startet die Veranstaltung mit dem Einzug der mittelalterlichen Gesellen. Der 15 Köpfe starke Nachwuchs samt unserem Trio wird historisch gewandet vertreten sein und nicht nur beim Armbruststand mithelfen. „Aufs Burgfest freue ich mich immer“, so Hanna. Normalerweise steigt es nur alle drei Jahre, das nächste Mal 2025. Aufgrund des runden Jubiläums wird heuer zusätzlich gefeiert. Kilian kann es kaum erwarten, „möglichst viele Freunde zu treffen“. Alex will die Sache „ganz entspannt angehen“. Ein Ort mit einer bis zu 900 Jahre alten Ruine treibt eh nicht zur Eile.