Sich gegen Attacken schützen
Zahl der Drohungen und versuchten Übergriffe am Landratsamt Rottal-Inn nimmt zu

17.06.2024 | Stand 17.06.2024, 19:37 Uhr |

Am Landratsamt Rottal-Inn gibt es nun Videoüberwachung, um Straftaten besser aufklären zu können. − Foto: Heiß

Ein Besucher hat während eines Termins im Landratsamt Rottal-Inn versucht, einen Mitarbeiter anzugreifen. Wie oft kommt so etwas vor und wie schützen sich die Behörde und deren Beschäftigte dagegen? Die PNP hat nachgefragt.



Zu dem Streit vor einigen Tagen war es laut Polizei gekommen, weil der Kunde und der zuständige Mitarbeiter unterschiedliche Meinungen zu einem rechtlichen Anliegen hatten, wie es hieß. Der Mann wollte daraufhin auf den Sachbearbeiter losgehen, wurde aber von einem Sicherheitsangestellten zurückgehalten, den der Angreifer noch mit Füßen trat. Und er beleidigte die beiden.

„Seit Ende 2021 sind bei uns zehn Fälle von Drohungen oder versuchten Übergriffen im Amt gemeldet worden“, sagt Mathias Kempf, Pressesprecher am Landratsamt, auf Nachfrage. Hinzukommen Fälle von Drohungen und versuchten gewalttätigen Übergriffen bei Außenterminen sowie ein vermutlich als Morddrohung zu verstehender Fall: Per Post hatte ein Kollege eine Patrone geschickt kommen.

Schriftliche und verbale Drohungen



In den meisten Fällen handelt es sich laut Landratsamt um schriftliche oder verbale Drohungen, tatsächliche Übergriffe seien die Ausnahme. Eines fällt auf: Insbesondere seit der Corona-Pandemie, und den damit einhergehenden Verschwörungstheorien aller Art, habe die Zahl an Schreiben mit straf- bzw. verfassungsrechtlich relevantem Inhalt aus dem sogenannten Reichsbürgermilieu stark zugenommen, inklusive der zugehörigen „indirekten“ Drohungen (Androhung von „Todesstrafe“ nach angeblichen Machtübernahmen oder Militärinvasionen und ähnlich wirre Aussagen), so Kempf. Diese Schreiben würden direkt dem Staatsschutz weitergeleitet.

Das Landratsamt hat auf das Ganze längst reagiert. Während Corona seien die Gebäude des Landratsamtes aus Sicherheitsgründen grundsätzlich geschlossen worden und der Zugang sei nur zum Empfang möglich. „Mittelfristig soll sich dies jedoch wieder ändern, wir wollen ein offenes Haus für alle Bürgerinnen und Bürger sein und uns nicht durch einige wenige aggressive oder verwirrte Personen einschüchtern lassen“, heißt es seitens des Landratsamtes. Es gebe nun auch einen Sicherheitsdienst, der beauftragt wurde.

Um Straftaten besser durch die Polizei aufklären lassen zu können, gibt es inzwischen Kameraüberwachung in verschiedenen Bereichen des Landratsamtes. Zum besseren persönlichen Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei die Homepage anonymisiert und Funktionsmailadressen eingeführt worden. Bei den persönlichen Mail-Adressen wurden die Vornamen abgekürzt, erklärt Kempf weiter.

Schulungen durch die Polizei



Werden die Mitarbeiter auf derartige Vorfälle vorbereitet? „Viele Kollegen in sensiblen Bereichen wurden bereits durch die Polizei für den Fall von Bedrohungen etc. geschult“, sagt Kempf. Es habe zudem erst kürzlich eine Sicherheitsbegehung durch die Polizei stattgefunden. An der Poststelle wurde ein Scan-Gerät für verdächtige Zusendungen angeschafft. „Und alle Mitarbeiter haben die Möglichkeit, von ihrem Arbeitsplatz aus Alarm auszulösen.“ Klar ist laut Kempf: „Wir geben jede Form von Bedrohung, Beleidigung oder Übergriffen an die zuständigen Strafverfolgungsbehörden weiter.“