„Erziehung ist Beispiel und Liebe – sonst nichts“
Ausstellung des Vereins „Fröbel Aktuell“ in Zusammenarbeit mit dem KWA-Bildungszentrum in Pfarrkirchen eröffnet

19.04.2023 | Stand 19.04.2023, 16:09 Uhr

Bei der Ausstellungseröffnung: (von links) Bürgermeister Wolfgang Beißmann, Bettina Schmidbauer (Leiterin KWA-Bildungszentrum), Magdalena Hellfritsch aus München (langjährige wissenschaftliche Referentin am Staatsinstitut für Frühpädagogik, zuletzt Geschäftsführerin im Verband kath. Kindertageseinrichtungen Bayern), Robert Paulus (Leiter KWA-Fachschule für Heilerziehungspflege/-hilfe), Heinrike Schauwecker-Zimmer aus Seefeld, Ministerialdirigent Philipp Späth, Leitender Regierungsschuldirektor Reiner Sagstetter (Sachgebiet Berufliche Schulen für Agrar- und Hauswirtschaft, Sozial- und Gesundheitswesen), Reserl Sem, Georg Riedl (Hochschulkoordinator European Campus), MdL Martin Wagle, Bezirkstagsvizepräsident Dr. Thomas Pröckl, Christa Rembart (Vorsitzende „Fröbel Aktuell“) und Günter Ilg (Oberstudiendirektor Berufsschule). −Foto: Kolb

Viel Zuspruch, hochrangige Gäste und große Anerkennung: Die Eröffnung der vom Verein „Fröbel Aktuell“ in Zusammenarbeit mit dem KWA-Bildungszentrum (BiZ) im Pfarrkirchner Brauhaussaal veranstalteten Ausstellung „Leben und Pädagogik von Friedrich Fröbel“, für die Staatsministerin für Frauen, Arbeit und Soziales, Ulrike Scharf, die Schirmherrschaft übernommen hat, erwies sich als erfolgreicher Auftakt.

Vereinsvorsitzende Christa Rembart zeigte sich erfreut, dass sie „Kindergartenidee nach Friedrich Fröbel “am 15. März dieses Jahres in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden sei. In Zusammenhang mit den sozialen Ausbildungsschienen am KWA-Bildungszentrum betonte Rembart, dass die Ideen und Inhalte der Lehren Friedrich Fröbels für die verschiedenen Berufsbilder in Pflege und Pädagogik geeignet seien, da es hier gleichermaßen um Kinderförderung und Erziehung gehe. Deshalb solle auch in Pfarrkirchen ein „Fröbel-Zentrum“ entstehen.

MdL Martin Wagle, der auch im Namen von Bezirkstagsvizepräsident Dr. Thomas Pröckl sprach, stellte heraus: „Fröbel hat entscheidende Arbeit für die entscheidende Phase des jungen Lebens und den Start ins Leben geleistet.“ Sein Leitbild halte sich seit Jahrhunderten und werde weiterentwickelt. Dazu wählte er als Bild das Fröbel-Zitat „Kinder sind wie Blumen – man muss sich zu ihnen nieder beugen, wenn man sie erkennen will“.

Beißmann: „Hervorragende Betreuung ohne Leistungszwang“



Bürgermeister Wolfgang Beißmann hob die Fröbel-Pädagogik als „hervorragende Betreuung ohne Leistungszwang“ und „Erfolgsmodell seit 243 Jahren“ hervor. Fröbel habe ein Statement gesetzt auch für Wertevermittlung, Eigenverantwortlichkeit und Kreativität in einer Zeit noch ohne heutige Pädagogik. Er habe den Kindern „Zeit zum Wachsen“ gegeben.

„Erziehung ist Beispiel und Liebe – sonst nichts“, dieses Fröbel-Motto ist für die Leiterin des KWA-Bildungszentrums, Bettina Schmidbauer, ein wunderschöner Leitsatz, der die Arbeit mit Menschen beschreibe und keiner weiteren Erklärung bedürfe. Das KWA-BiZ arbeite daran, in seinen Schulen die Grundgedanken Friedrich Fröbels zu integrieren. „Für die Arbeit mit Krippen- oder Schulkindern und für Betreuung von Menschen mit Behinderung oder alten Menschen mit Demenz ist der der Ansatz er gleiche: Erziehung nimmt und beachtet jedes Wesen als eine Knospe am großen Lebensbaum, und genau diese Wertschätzung versuchen wir unseren Schülerinnen und Schülern bzw. Auszubildenden zu vermitteln.“

Dankt sagte Schmidbauer der Initiatorin der Ausstellung, Christa Rembart, und Sozialpädagogin Heinrike Schauwecker-Zimmer („Fröbel-Urgestein“ aus Seefeld, Initiatorin der International Fröbel Society und deren deutscher Sektion).

Ministerialdirigent Philipp Späth, Abteilungsleiter Kindertagesbetreuung im Familienministerium, verwies einleitend auf die bayerischen Leistungen (über 2,5 Milliarden Euro pro Jahr) für Kommunen und Träger zur Kindertagesbetreuung, deren gesellschaftliche Bedeutung er so verdeutlichte: 620000 Kinder, 114000 Mitarbeiter/-innen, wichtiger Beirag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie vor allem: „Kitas sind Bildungsorte.“

Nicht nur der Vater des Kindergartens



In seiner Ansprache erklärte Späth, dass und warum auch das heutige Bildungsverständnis in der frühkindlichen Bildung von Friedrich Fröbel geprägt ist. Er sei nicht nur der „Vater des Kindergartens“, sondern habe auch die Bedeutung des Spielens als grundlegend für die Entwicklung und Bildung des Kindes erkannt – „und das bereits mit einer ganzheitlichen Pädagogik in der Zeit der Romantik, als es heutige Erziehungswissenschaften und Psychologie noch nicht gab“. Umso erstaunlicher sei es, dass Fröbels Erkenntnisse später wissenschaftlich bewiesen wurden.

Bei allen Verdiensten von Friedrich Fröbel um die frühkindliche Bildung – und so wichtig die Kinderbetreuung als Bildungseinrichtung auch ist, sie könne und soll den Bildungsort Nummer 1 nicht ersetzen, sagte Späth: die Familie.

Zum Auftakt und zwischen den Redebeiträgen bei der Ausstellungseröffnung sorgten die Liedertafel und das Gesangs-/Musik-Ensemble der KWA-Fachakademie für Sozialpädagogik unter Leitung von Christa Rembart für musikalische Rahmung.

Reserl Sem, 2. Vorsitzende von „Fröbel Aktuell“, dankte allen an der Ausstellungseröffnung Beteiligten sowie den Organisatorinnen und Unterstützern der Fröbel-Ideen.

Die Ausstellung informiert mit Texten und Bildern über die Biografie und die Pädagogik von Friedrich Fröbel. Neben Schauwänden gibt es auch Tische, auf denen die Spiel- und Beschäftigungspraxis an Beispielmaterialien zur Förderung des Vorstellungsvermögens und Kreativität veranschaulicht werden. Zu sehen ist die Ausstellung noch bis morgigen Freitag nach Anmeldung beim KWA-Bildungszentrum, ✆08561/92970.

− lb