Bayerisch Eisenstein
Politische Bildung im Bunker

Bundeswehr-Fortbildung an der Umweltstation

26.11.2023 | Stand 26.11.2023, 14:34 Uhr

Soldaten aus dem Versorgungsbataillon Roding waren die ersten Teilnehmer eines neuen Bildungsangebots des Naturparks. Auch eine Exkursion zu Bunkeranlagen im Grenzgebiet war Teil des Programms. − Fotos: Naturpark

Mit der zunehmenden Brisanz militärischer Konflikte in Europa rücken Themen wie der Kalte Krieg und die Bedrohung für die Demokratie immer stärker in den Fokus der Öffentlichkeit. Insbesondere bei Behörden, vornehmlich bei Bundeswehr und Bundespolizei, besteht durchgehend hoher Bedarf an Seminaren im Bereich der politischen Bildung. Die Umweltstation im Grenzbahnhof Eisenstein ist aufgrund ihrer Lage und der deutsch-tschechischen Historie prädestiniert für die Vermittlung politischer Bildung.

Sowohl die Räumlichkeiten des Grenzbahnhofes als auch das Umfeld mit den ehemaligen Grenzschutz-, Verteidigungs- und Bunkeranlagen auf tschechischer Seite ermöglichen eine anschauliche Vermittlung der Inhalte. Mit dem „Grünen Band Europas“ wird darüber hinaus eine Brücke zum Thema Naturschutz geschlagen.

Erstmals konnte die Thematik nun mit zwei Gruppen des Versorgungsbataillons Roding behandelt werden. Das komplette Konzept wurde bereits 2022 von Fabian Wirth erarbeitet. Naturpark-Geschäftsführer Hartwig Löffl-mann begrüßte beide Gruppen am Grenzbahnhof und erläuterte zu Beginn den historischen Bahnhof und den Naturpark sowie seine Lage.

Spannend ging es dann weiter mit einer allgemeinen Einführung zum kalten Krieg. Themen wie Berlin-Blockade, Truman-Doktrin oder Mauerbau wurden bei den Teilnehmern wieder ins Gedächtnis gerufen. Diese dienten als Brücke zum zweiten Vortrag, der detailliert das Leben am Eisernen Vorhang im Grenzgebiet zu Tschechien schilderte.

Bilder aus der damaligen Zeit spiegelten den Schrecken wider, der sich vor noch nicht allzu langer Zeit an der Grenze abspielte. Zum Beispiel Bilder von Menschen, die beim Fluchtversuch vor dem Regime am Maschendrahtzaun oder Elektrozaun scheiterten und ihr Leben lassen mussten. Bilder von Dörfern, die dem Erdboden gleichgemacht wurden, nur weil sie in Grenznähe lagen. Geschichten von Spionage und perfider Propaganda.

Um die Veranstaltung abzurunden, ging es nach dem Mittagessen auf Exkursion in Richtung Železná Ruda. Auf dem Weg konnten verbliebene Rüstungsanlagen begutachtet werden. Panzersperren, eine ehemalige Grenzkaserne der Grenzwache der Tschechoslowakei und kleine verbliebene Bunker machten die Tour erlebbar. Einige der Bunker sind in sehr gutem Zustand und können sogar betreten werden. Kalt und klamm geben sie wieder, wie sich die Zeit damals angefühlt haben muss.

Die Veranstaltung wird nun evaluiert und weiter ausgebaut, um ein möglichst breites Bildungsangebot aufstellen zu können.

− sb