Streit unter Alkoholeinfluss eskaliert
Freundin geschlagen? Gericht verhängt Geldstrafe gegen 56-Jährigen

18.06.2024 | Stand 18.06.2024, 16:59 Uhr |

Er soll seine Freundin mehrmals gewürgt, beleidigt und geohrfeigt haben – letzteres bestritt der Angeklagte vor dem Amtsgericht Viechtach. Am Ende der Verhandlung am vergangenen Montag steht fest: Der Mann, ein 56-Jähriger aus dem südlichen Landkreis Regen, muss 2700 Euro Strafe zahlen.

Es war in der Nacht zum 7. Dezember 2023, als es zwischen dem 56-Jährigen und seiner Freundin in der gemeinsamen Wohnung zum Streit kam. Warum – das wusste der Angeklagte nicht mehr genau. Auch die Geschädigte, eine 58-Jährige, wollte das vor Gericht erst nicht weiter ausführen. Klar war: Beide Beteiligte hatten zuvor getrunken. Bier und selbst gemachten Schnaps. Zudem nahm der Mann stärkere Schmerzmittel ein.

Laut Anklageschrift schubste er seine damalige Freundin auf das Sofa, legte die Hand an ihre Kehle und drückte mindestens dreimal zu. Dabei beschimpfte er sie als „Drecksau“ und „meineidige Drecksau“. Die Frau flüchtete zu einem Nachbarn. Von dort verständigten sie die Polizei.

Als die Beamten in der Wohnung des Paares eingetroffen waren, habe er geschlafen, sagt der 56-Jährige vor Gericht aus. Die Polizisten hätten ihn geweckt, und danach habe er sich wieder hingelegt – so lautet die Version des Angeklagten zum Ablauf der Ereignisse. Die Version seiner Lebensgefährtin hört sich anders an. Die Beamten hätten den Mann zur Ruhe ermahnt, berichtet sie, doch keine zehn Minuten, nachdem sie gegangen waren, habe der Angeklagte sie beleidigt, weil sie die Polizei zu Hilfe geholt hatte. Und er habe sie gewürgt und geohrfeigt, sagt die Frau. „Ich habe dir noch nie eine Watschn gegeben in all den Jahren“, entgegnet der Angeklagte im Gerichtssaal, das habe sie sich wohl „im Suff eingebildet“.

Man kenne sich seit dem Jahr 2016, schildert der Angeklagte die gemeinsame Geschichte, sei immer wieder mal zusammen und dann wieder auseinander gewesen. „Es ist nicht ohne und es ist nicht mit gegangen. Das war vielleicht der Fehler“, erklärt der 56-Jährige. Übereinstimmend sagen beide aus, dass sich der Angeklagte am nächsten Tag entschuldigt habe. Er sei der Aufforderung seiner Freundin nachgekommen, die Wohnung zu verlassen, und man habe seitdem keinen persönlichen Kontakt mehr gehabt.

Fünf Tage nach dem Vorfall hatte die 58-Jährige bei der Polizei Strafanzeige erstattet und dabei auch ein ärztliches Attest vorgelegt. Darin waren multiple Prellungen an Oberarm, Brust und Rücken sowie Würgemale aufgeführt.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft Deggendorf sah den Streit als Folge gegenseitiger Provokationen, wobei der Angeklagte „vollkommen ausgerastet“ sei. Er glaube den Schilderungen der Geschädigten, so der Staatsanwalt, und gehe deshalb von zwei Fällen der Körperverletzung mit Beleidigung aus. Er hielt dem 56-Jährigen dessen anteiliges Geständnis zugute, lastete ihm aber andererseits seine „dominante Stellung“ gegenüber der Frau, die Beschimpfungen mit Begriffen aus der Tierwelt und die Tatsache an, dass die 58-Jährige durch das Würgen erhebliche Verletzungen hätte erleiden können. Er plädierte für eine Geldstrafe in Höhe von 180 Tagessätzen zu je 15 Euro.

Dem folgte Richter Matthias Berzl in seinem Urteil und befand den Angeklagten wegen vorsätzlicher Körperverletzung in zwei Fällen mit Beleidigung für schuldig. Dabei machte er klar: „Die Ohrfeigen waren nicht das gravierende.“ Diese Art, mit einer Frau umzugehen, sei nicht zu dulden oder zu akzeptieren, selbst wenn vorher Alkohol geflossen und Beleidigungen gefallen seien, so der Richter. Jemanden an der Kehle zu packen und zu würgen, sei eine besonders gefährliche Vorgehensweise. Auch dass der 56-Jährige, nachdem die Polizei vor Ort war, noch einmal gegen die damalige Freundin handgreiflich geworden sei, legte er ihm negativ aus.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.