Neuburg am Inn
Wirtschaft und Politik: Austausch auf Augenhöhe mit Landrat und Oberbürgermeister

21.05.2024 | Stand 21.05.2024, 7:00 Uhr
Jakob Gottinger

Freuten sich über die Möglichkeit zur Diskussion: Landrat Raimund Kneidinger (v.l.); Moderatorin Dr. Maria Diekmann, stv. Vorsitzende der Wirtschaftsjunioren Veronika Steinhofer, OB Jürgen Dupper und Eva Simmeth-Kittel, Vorsitzende der Wirtschaftsjunioren. − Foto: Wirtschaftsjunioren

Junge Stimme der Wirtschaft und Stimme der jungen Wirtschaft wollen die Wirtschaftsjunioren Passau mehr denn je sein. Um das leisten zu können, will man verstärkt mit der Politik zusammenarbeiten, sich stärker profilieren: „Wir wollen Synergieeffekte zwischen Wirtschaft und Lokalpolitik ausmachen und diese nutzen“, erklärt die Vorsitzende des Passauer Verbands Eva Simmeth-Kittl. Zu diesem Zweck waren von Seiten des Vereins nebst seinen eigenen Mitgliedern auch Landrat Raimund Kneidinger und Oberbürgermeister Jürgen Dupper zu einer Diskussion auf Schloss Neuburg.

30 Vertreter unterschiedlichster Branchen waren erschienen, um die beiden Vertreter der Lokalpolitik mit ihren Fragen und Anliegen zu konfrontieren. Einen „Austausch auf Augenhöhe“ zwischen Wirtschaft und Politik kündigte Dr. Maria Diekmann, die mit der Moderation des Abends betraut war, vorab an. Sie eröffnete die Diskussion mit der Frage, was aus Sicht des Unternehmers für eine Ansiedelung in der Region spreche. Kneidinger verwies auf den florierenden Tourismus im Passauer Land, man sei hier führend in Bayern und die Branche habe, mit Blick auf die zunehmende Bedeutung von Gesundheits- und Kältetourismus, gerade in der Region großes Potenzial. Viele junge Menschen siedeln sich in der Region an, denn „wir haben hier gute Lebensbedingungen für kleines Geld“. Hier pflichtete im Dupper bei, für ihn punkte die Region mit knallharten Standortfaktoren: einer guten Infrastruktur, einer hervorragenden Bildungslandschaft, vergleichsweise geringen Lebenshaltungskosten und einer guten Anbindung an den internationalen, insbesondere osteuropäischen Markt. Die folgende Debatte widmete sich unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Themen, wurde jedoch dominiert von infrastrukturellen Fragen und Anliegen. So wurde die mangelnde Anbindung des ländlichen Raums an den öffentlichen Nahverkehr moniert. „Wir müssen zum Teil vielversprechende Bewerbungen ablehnen, weil wir einfach nicht erreichbar sind“, beklagte die Leiterin einer Marketingagentur. Kneidinger hob hervor, dass man viel in die Analyse und Optimierung des ÖPNV-Netzes investiere und damit – im Vergleich zu anderen Regionen – auch erfolgreich sei. „Natürlich sind wir hier die Einäugigen unter den Blinden“, räumte er ein, deshalb sei man weiterhin dabei, neue Angebote wie Rufbusse zu forcieren und Taktungen – auch im Zusammenspiel mit der Stadt Passau – zu verfeinern. Gleichwohl müsse man die Siedlungsdichte im ländlichen Raum bedenken: „Wir werden leider nicht jeden Weiler an ein eng getaktetes ÖPNV-System anschließen können.“ Dupper verwies auf das engmaschige Bussystem im Passauer Stadtgebiet: „Es ist jetzt schon ein Draufzahlgeschäft“, gab er zu bedenken, die Finanzierung in Zukunft sei keinesfalls gesichert. Auch widmete man sich der Frage nach der Entzerrung des Verkehrs, vor allem im Stadtgebiet. „Wir sind die Einpendlerhauptstadt Niederbayerns“, so Dupper, einerseits sei man auf diese Arbeitskräfte angewiesen, andererseits sorgten diese für eine hohe Verkehrsbelastung. Man arbeite hier an Lösungen, prüfe derzeit einen Brückenschlag auf Höhe des Winterhafens, aber die Topographie Passaus mit seinen drei Flüssen weise einen bei der Verkehrsplanung auch in sehr enge Schranken.

Die Arbeitsmoral der jungen Generation ließe mitunter zu wünschen übrig, beklagte ein junger Teilnehmer: „Wie setzen wir Anreize für junge Leute, wieder mehr zu leisten?“ Dupper schob einer Verallgemeinerung den Riegel vor. Die junge Generation sei durchaus leistungsfähig, das stelle er bei seiner Arbeit immer wieder fest. Er räume ein, dass Eigenleistung als Tugend von staatlicher Seite zunehmend unterminiert wird. Es besorge ihn, dass „die Sensibilität für ökonomische Zusammenhänge zunehmend verloren geht“, man müsse das Bewusstsein um die Grundlagen für unseren Wohlstand schärfen.

Wie sich der Verband wieder mehr einbringen könne, wollte die Vorsitzende Simmeth-Kittler wissen. Landrat und Bürgermeister lobten die Zusammenarbeit mit der Politik, Dupper wünschte sich aber mehr Bildungsarbeit durch den Verein. Man müsse Kinder und Jugendliche auch abseits von Berufsmessen in den Schulen abholen. Zudem erhoffe er sich wieder mehr Unternehmer in tatsächlicher politischer Verantwortung in Form von Ämtern und Mandaten. Das sei früher Usus gewesen, „und ich glaube, das hat der Politik ganz gut getan.“ Debattiert wurden auch Fragen zu Energieinfrastruktur, Innovationshemmnissen, der behördlichen Verknüpfung von Stadt und Landkreis, Vernetzung von Ökonomie und Ökologie und vielem mehr, so ergab sich ein reger, vielfältiger Austausch.