18 Jahre Stadträtin
Trauer um Hannelore Schenk: Seniorwirtin des Pockinger Hofs ist tot

23.02.2024 | Stand 23.02.2024, 13:51 Uhr

Ein Bild aus unbeschwerten Tagen: Hannelore und Heinz Schenk bei einem Starkbierfest in der Pockinger Stadthalle. Mit Leib und Seele war sie Wirtin des Pockinger Hofs. Über sich selbst sagte die verstorbene 72-Jährige an einem Geburtstag: „Ich möchte der Mensch, die Frau, die Wirtin in diesem Haus für all meine Gäste sein, was ein gut geführtes, freundliches und von Menschen geschätztes Gasthaus ausmacht.“ Damit hat sie ihre Wesensart und ihre Persönlichkeit selbst auf den Punkt gebracht. − Foto: Archiv Jörg Schlegel

Sie war eine Wirtin, wie sie im Buche steht, eine engagierte Lokalpolitikerin und ein zutiefst sozial eingestellter Mensch: Hannelore Schenk ist tot. Nach kurzer, schwerer Krankheit starb die Seniorwirtin des Pockinger Hofs (Landkreis Passau) am Montag 72-jährig.



Wie ihr Sohn Karlheinz mitteilt, hatte die Mutter keine Chance gegen einen aggressiven Gehirntumor. Schon vier Wochen nach der Diagnose musste sich die Familie für immer von ihr verabschieden.

Als Hannelore Höchtl am 10. März 1951 im Pockinger Hof geboren wurde, war gerade Pferdemarkt und das Gasthaus war rappelvoll. Da war das Tempo für ein rasantes Leben quasi schon vorgegeben. Bereits während der Schulzeit packte sie in der Metzgerei mit an, lernte Metzgereifachverkäuferin und später Köchin. Ihren Ehemann Heinz lernte die junge Hannelore im Laden kennen. Wie sie später gern erzählte, hatte Heinz Schenk immer wieder Zuckerhörnchen für sie in einer Sammellieferung versteckt, die er per Fahrrad für seinen Lehrherrn zur Metzgerei bringen musste. 1971 wurde geheiratet, das Ehepaar bekam drei Kinder.

34 Jahre den Pockinger Hof geführt

34 Jahre hat Hannelore Schenk mit ihrem Mann Heinz an der Seite den Pockinger Hof betrieben. Als sie das Haus 1980 übernahm, hatte es einen Gastraum und 20 Fremdenbetten. 1990 wurde um weitere Zimmer auf vier Etagen vergrößert, in den nächsten Jahren kamen eine neue Küche und ein Wintergarten dazu. 2014 erfolgte die Übergabe an Sohn Karlheinz. Hannelore Schenk war Mitglied in zahlreichen Vereinen. Als sie im Jahr 2000 den Goldhaubenfrauen beitrat, erfüllte sich für sie ein Kindheitstraum.

Im Stadtrat stets sachlich und unabhängig argumentiert

Von 1996 bis 2014 gehörte das CSU-Mitglied Hannelore Schenk dem Pockinger Stadtrat an. „Sie machte es gern, weil ein Ehrenamt für sie eine Selbstverständlichkeit war“, sagt Karlheinz Schenk. Bürgermeister Franz Krah hat besonders an ihr geschätzt, „dass sie stets sachlich und unabhängig von ihrer Parteiangehörigkeit argumentierte“. Das bestätigt auch geschäftsleitender Beamter Christian Hanusch, der Hannelore Schenk als einen Motor der parteiübergreifenden Arbeit im Stadtrat bezeichnet. Im Rahmen ihrer kommunalpolitischen Tätigkeit hat sie sich besonders für die örtliche Wirtschaft, das gesellschaftliche und kulturelle Leben sowie für die örtlichen Vereine eingesetzt. Die früheren Stadtratskolleginnen und -kollegen schwärmen von den geselligen Zusammenkünften im Pockinger Hof. In Erinnerung bleiben nicht nur „schöne Weihnachtsfeiern“, von denen Bürgermeister Krah zu berichten weiß, sondern auch Zusammenkünfte nach Stadtrats-Sitzungen, wo es Hannelore Schenk gelang, eine Mitte zu schaffen, das Miteinander im Stadtrat zu stärken. „Sie war ein empathischer Mensch, eine richtige Wirtin“, bekräftigt Franz Krah.

Ihr großes Geschick als Anpackerin stellte Hannelore Schenk unter Beweis, als es darum ging, die für Pocking enorme Zahl von Flüchtlingen aus dem osteuropäischen Raum zu integrieren. Unter anderem organisierte sie über die Orts-CSU Tage der Begegnung im Übersiedlerwohnheim in der Bajuwarenstraße.

Drei Jahrzehnte aktives Mitglied im CSU-Ortsverband

Über drei Jahrzehnte war Hannelore Schenk ein aktives Mitglied im Ortsverband der CSU Pocking. In dieser Zeit hat sie sich mit Herzblut für die Belange der Bürgerinnen und Bürger und der Stadt Pocking eingesetzt. In den 18 Jahren Tätigkeit als Stadträtin habe sie „maßgeblich die Entwicklung unserer Stadt mitgeprägt“, sagt CSU-Ortsvorsitzender Ernst Geislberger-Schießleder. „Ihre Arbeit war stets geprägt von Weitsicht, Sachverstand und einem tiefen Engagement für das Wohl der Bürgerinnen und Bürger.“

Von 2005 bis 2008 war Hannelore Schenk Ortsvorsitzende der CSU, auch in der Frauenunion übernahm sie Ämter. Unter ihrer Führung habe die CSU Pocking eine Zeit des Wachstums in der Kommune erlebt, so Geislberger-Schießleder. „Hannelore Schenk war eine Persönlichkeit, die durch ihre besondere Art des politischen Engagements und ihre herzliche Art viele Menschen inspirierte und prägte. Ihr Verlust wiegt schwer“, trauert er mit vielen weiteren Weggefährten um eine Pockinger Persönlichkeit. Ihr Vermächtnis werde weiterleben.

Eine kleine Begebenheit wird in diesen Tagen oft erzählt. Bei aller Trauer lässt die Geschichte schmunzeln, zeigt sie doch den Humor und die Fähigkeit Hannelore Schenks, dem Ernst des Lebens ein Stück Leichtigkeit abzugewinnen: Es war noch zur Amtszeit von Bürgermeister Josef Jakob. Dieser hatte am Unsinnigen Donnerstag eine Sitzung des Bauausschusses einberufen. Damals hatte man vom kleinen Sitzungssaal aus noch Einblick auf die Rathaus-Kreuzung. Und von dort sahen die Tagenden Hannelore Schenk mit den Stadtratskolleginnen Gerlinde Kaupa und Anny Baier-Wandinger kommen – mit einer Schubkarre, die mit Knackern, Brezen und Bier gefüllt war. Die Damen sprengten die Sitzung, Jakob brach ab und versprach, am Unsinnigen Donnerstag nie wieder eine Sitzung zu halten.

Bei aller Arbeit hatte Hannelore Schenk ihr Leben lang für jeden ein offenes Ohr. Sie war gewissenhaft, klug und hatte ein großes Herz. So konnte sie auch mit Leib und Seele Wirtin sein.

Im Ruhestand hat sie sich mit ganzer Liebe ihrer Familie gewidmet. Neben Ehemann Heinz trauern der Sohn Karlheinz Schenk, die Töchter Silvia und Bettina sowie fünf Enkel und weitere Angehörige um die verstorbene 72-Jährige. Der Trauergottesdienst findet am kommenden Montag um 14.30 Uhr in der Stadtpfarrkirche statt.