Mit Quiz zum Soja-Anbau
Agrarbetriebswirt Markus Halser baut bei Vilshofen Soja an

23.02.2024 | Stand 24.02.2024, 7:53 Uhr

Soja ist eine Hülsenfrucht. Mit einem Proteingehalt von 35 bis 50 Prozent kommt sie vor allem in der Tierfütterung zum Einsatz. − Foto: BBV/Silbereisen

Soja ist eine der wichtigsten tropischen Pflanzen und kommt besonders in der Tierfütterung zum Einsatz. Auch im Kreis Passau werden die kleinen weißen Bohnen angebaut, so auch im Betrieb von Markus Halser aus Vilshofen (Landkreis Passau).



Agrarbetriebswirt Markus Halser führt seinen landwirtschaftlichen Betrieb seit 2003, der Hof ist bereits seit 120 Jahren in Familienbesitz. Mit seiner Ehefrau, Kindern und Eltern lebt der 46-Jährige in Schönerting bei Vilshofen, neben Futtersoja baut er auch Kartoffeln, Mais, Weizen und Zuckerrüben an.

Soja ist eine Hülsenfrucht und die weltweit bedeutendste Öl- und Eiweißpflanze mit einem Proteingehalt von 35 bis 50 Prozent. Das ist auch der Grund, warum sie in Tierfutter enthalten ist, als pflanzlicher Eiweißlieferant. „Die Sojapflanze ist eine Leguminose, so sagen wir Landwirte dazu. Das bedeutet, dass sie Stickstoff aus der Luft binden kann und sich damit versorgt“, sagt Markus Halser. Mit Stickstoff muss die Bohne also nicht gedüngt werden, das macht sie selbst. Viele Sojasorten binden sogar mehr Stickstoff als sie benötigen und speichern ihn im Boden. Folgekulturen, die danach auf dem Acker gesät werden, profitieren davon.

Soja versorgt auch die Äcker

Soja versorgt mit dieser besonderen Fähigkeit also nicht nur sich selbst, sondern auch die Äcker, auf denen die Pflanze wächst, mit wichtigen Nährstoffen. Biobetriebe nutzen Leguminosen wie Soja als natürlichen Dünger.
Die Sojabohne gedeiht am besten in tropischen und subtropischen Gebieten, in denen hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit herrschen. Bestimmte Sorten wachsen allerdings auch im Süden Deutschlands gut, wie die auf Markus Halsers Äckern. Er meint: „Grundsätzlich kann man überall Soja anbauen, wo auch Körnermais wächst. Die Sojapflanze braucht viel Sonne und höhere Temperaturen, zudem dürfen die Böden nicht zu trocken werden. All dies sind Gründe, warum Bayern und Baden-Württemberg die stärksten Anbauregionen Deutschlands sind.“

Damit die Sojapflanze in unseren Böden auch den Stickstoff binden kann, muss man sie behandeln. Impfen nennt man das: Auf das Saatgut wird ein Torfgemisch mit einer Haftflüssigkeit gegeben, damit sich Bakterien bilden, die Stickstoff binden können, erzählt Halser. Dies sei ein Mehraufwand, der nötig ist, weil die für die Pflanze benötigten Bakterien nicht in unseren Böden vorkommen. Dafür habe man später weniger Arbeit beim Düngen.

Hauptgrund für die Abholzung des Regenwalds

80 Prozent des weltweiten Sojabedarfs wird in Amerika angebaut, der Anbau der weißen Bohne ist mithin ein Hauptgrund für die Abholzung des Regenwalds. Auch deutsche Landwirte versorgen ihre Nutztiere mit Soja aus Südamerika. Diesen Markt kann Markus Halser nicht bedienen. Höhere Auflagen für die Nutzung von Pflanzenschutzmitteln und das Verbot von gentechnisch verändertem Soja machen heimische Produkte teurer als die Importware. Soja für Lebensmittel wie Tofu stammt hauptsächlich aus der EU, jedoch nur selten aus Deutschland. Ob in der Zukunft auch mehr Lebensmittelsoja in der Region angebaut wird, ist fraglich – nach Expertenmeinung ist der Absatzmarkt derzeit noch zu klein.
Immerhin scheint die Pflanze hierzulande recht gut zu gedeihen: „Ich pflanze schon seit zehn Jahren Soja an und hatte bisher noch nie größere Probleme“, sagt Halser, „die Pflanze ist robust, einfach zu handhaben und hat weniger Schädlinge und Krankheitsbefall als vergleichbare Pflanzen.“ Auch Extremwetter mache Soja nicht viel aus. Der Klimawandel sei sogar positiv für dessen Wachstum. Nur Unkraut sei ein Nachteil, denn die Pflanze ist empfindlich gegenüber Pflanzenschutzmitteln. „Das ist ein Grund, warum es weltweit so viel gentechnisch veränderten Soja gibt: Es soll die Pflanze resistenter gegen Unkrautvernichter machen, insbesondere gegen Glyphosat“.

Anton Huber, Ackerbaureferent im Generalsekretariat des Bayerischen Bauernverbands, geht davon aus, dass der Sojaanbau in Bayern und Deutschland auch in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird, „vor allem, weil die Sorten immer besser an die hiesigen Klima- und Bodenbedingungen angepasst sein werden.“ Soja sei eine zunehmend attraktive Kultur für die bayerischen Landwirte, mit 20000 bis 30000 Hektar Anbaufläche sei man allerdings von einer Selbstversorgung hier noch sehr weit entfernt.

FAKTEN ÜBER SOJA

• Soja stammt aus China.
• Sojabohnen können weiß, lila, grün, gelb oder braun sein.
• Die meisten Sojabohnen werden in Brasilien angebaut (34,5% des Sojabedarfs weltweit).
• Jährlich werden ca. 350 Millionen Tonnen Soja angebaut auf einer Fläche von 127 Millionen Hektar (das entspricht der Fläche von Spanien, Frankreich und Portugal zusammen).
• Auch in Medikamenten, Kosmetik, Farben und Biodiesel kommt die Eiweißpflanze zum Einsatz.
• Italien ist der größte Sojaproduzent der EU.