Vilshofen
Pure Liebe, Lust und Macht: Kulturmobil verzauberte vor der Kulisse des Klosters Schweiklberg

24.06.2024 | Stand 24.06.2024, 16:27 Uhr |

Der machtgeile Elfenkönig Oberon (Kolja Heiß) verwirrt den Puck (Laura Trischkat) vollends. − Fotos: Hirtler-Rieger

Mit lauen Nächten hat der Sommer bislang wahrlich gegeizt. Umso schöner beleuchtete die Abendsonne am Samstag den freien Platz neben der imposanten Klostersilhouette, wo sich rund 150 Gäste zu Shakespeares bekanntester Komödie „Ein Sommernachtstraum“ einfanden. Das urkomische und zugleich verstörende Stück hält sich seit Jahrhunderten hartnäckig auf allen Spielplänen und nahm auch das Vilshofener Publikum gefangen.

Es geht um Liebe, Lust und Machtspielchen zwischen sechs Paaren. Und um das Ganze noch komplizierter zu machen, tummelt sich zwischen Elfenkönig und -königin auf der einen Seite und den bürgerlichen Athenern auf der anderen Seite noch ein Trupp Handwerker, die im Wald eine, nun ja, Schmierenkomödie mit unglücklich Liebenden einstudieren.

Ein wahrhaft wirres Stück, doch Regisseur Sebastian Goller machte es den Zuschauern leicht, den Überblick zu wahren. Die vier jungen Athener waren allesamt in Rot gekleidet, die Elfen glitzerten magisch und trugen Blumengewinde auf dem Kopf. Und die Handwerker latschten im Blaumann mit gelben Gummistiefeln durch den Wald, der im Bühnenbild durch kreuz und quer gespannte grüne Stoffbänder so simpel wie wirkungsvoll angedeutet wurde.

Und so konnte das Verwirrspiel beginnen: Wer liebt hier eigentlich wen? Und was passiert mit der Liebe, wenn ein simpler Trick des Elfenpuck die Triebe tanzen lässt? Blitzschnell fallen die Anstandsregeln, doch wessen Schuld ist das nun eigentlich? Das Publikum staunte und lachte, freute sich über den Wortwitz von Shakespeares Sprache und wurde gepackt von den so furchteinflößenden wie machtgeilen Auftritten der Elfen, die mit feinen Klangteppichen unterlegt wurden.

Immer wieder war man verblüfft, wie die sechs Schauspieler Robert Erby, Eva Gottschaller, Kolja Heiß, Korbinian Müller, Désirée Siyum und Laura Trischkat permanent ihre Rollen wechselten. Blitzschnell tauschten sie hinter den Kulissen die Gewänder und kamen zurück: derb und tollpatschig als Handwerker, verzweifelt suchend als Athener und zupackend verführerisch als Elfen.

Ein magischer Abend für alle Zuschauer, die das jährlich wiederkehrende Kulturangebot des Kulturmobils auf hohem schauspielerischem Niveau umsonst und draußen genießen dürfen. Der Bezirk und die Gemeinden, die einen Obolus bezahlen, machen dies möglich. Bereits am Nachmittag tummelten sich rund 200 Kinder beim „Neinhorn“, das von Sebastian Kamm inszeniert wurde. Doch die Vorstellung des „Sommernachtstraums“ unter dem sich langsam verdunkelnden Nachthimmel ließ Theaterromantik pur entstehen.