Im Verfahren um den geplanten Kiesabbau bei Sandbach (Stadt Vilshofen, Landkreis Passau) spricht sich der Bund Naturschutz Bayern deutlich dagegen aus. Hauptkritikpunkte sind der Abbau außerhalb eines Vorranggebietes und die Rodung des Waldes. Der Verband prüft weitere rechtliche Schritte.
Der BN hat laut einer Pressemitteilung im laufenden Verfahren die ausgelegten Unterlagen geprüft und sich in einer Stellungnahme gegenüber dem Bergamt Süd bei der Regierung von Oberbayern deutlich positioniert. Der Naturschutzverband hält das Vorhaben nicht für genehmigungsfähig und die dafür geplante Rodung von rund 20 Hektar Wald für nicht vertretbar.
„Das ist gesellschaftlich nicht zu verantworten“
Einer der Hauptkritikpunkte ist die Tatsache, dass das beantragte Gebiet nicht in einer Vorrangfläche für die Gewinnung von Bodenschätzen der Planungsregion Donau-Wald liegt. Rita Rott, Regionalreferentin vom Bund Naturschutz für Niederbayern: „Wir machen uns als Gesellschaft die Mühe, über die Regionalplanung Flächen festzulegen, in denen nach Abwägung aller gesellschaftlichen Ansprüche der Abbau von Kies erlaubt werden soll. Allein im Landkreis Passau sind noch viele Hektar nicht abgebaut und gerade hier möchte ein Unternehmer außerhalb der Vorrangflächen abbauen. Das ist gesellschaftlich nicht zu verantworten. Der Bund Naturschutz wird sich weiter aktiv am Verfahren beteiligen und prüft weitere rechtliche Schritte.“
Der BN kritisiert auch scharf die vorgelegte naturschutzfachliche Bewertung des Gebietes. Die durchgeführte Umweltverträglichkeitsprüfung kommt zu dem Schluss, dass keine nachtteiligen Umweltauswirkungen zu erwarten seien und sich der landschaftliche und naturschutzfachliche Zustand nach Abbau und Rekultivierung ohnehin verbessern.
„Wir kennen das Gebiet“
Helgard Gilitzer, Vorsitzende der BN-Ortsgruppe Vilshofen, sieht das komplett anders: „Wer das liest, muss zu dem Schluss kommen, dass das Marterbergholz ein intensiver Fichtenforst sei und ihm nichts Besseres passieren könne, als dass er gerodet wird. Wir aber kennen das Gebiet und sehen etwas komplett anderes: Der Wald ist ökologisch wertvoll mit vielen verschiedenen Baumarten und dank hoher Strukturvielfalt und hohem Totholzanteil ein echter Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Auf den Flächen, die vor Jahren vom Borkenkäfer befallen waren, hat sich eine ideale natürliche Verjüngung eingestellt und natürlich ist das Marterbergholz auch ein Erholungsraum für die Anwohner.“
Der BN kritisiert darüber hinaus die vagen Pläne zur Rekultivierung des Gebietes. „Es wird mindestens 80 Jahre dauern, bis wirklich wieder Wald auf der Fläche stehen kann. Unklar bleibt, mit welchem Material und in welchem Zeitraum verfüllt werden soll und ob es möglich sein wird, dort wieder Wald zu etablieren“, sagt Gilitzer weiter.
− va
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