Digital macht’s möglich
Im Fahrschul-Simulator durchs digitale Passau: Führerschein könnte günstiger werden

Acht Autos sammeln Daten: Bald können Fahrschüler am Bildschirm mit VR-Brille durch ihr Prüfgebiet fahren

27.02.2024 | Stand 28.02.2024, 15:35 Uhr

Unter den Seitenspiegeln, an der Windschutzscheibe und im Heck nehmen acht Kameras und jede Menge Sensoren jeden Zentimeter Passau auf, den dieses Fahrschul-Auto durchfährt. Die Fahrschule „Academy“ betreibt acht solche Kamera-Autos, die vergleichbar mit den Google-Fahrzeugen, nach und nach ein digitales Bild der Stadt erzeugen.  − Fotos: Danninger

25 Prozent Minus bei den Kosten sind realistisch beim normalen Auto-Führerschein, da sind sich Andreas Braml und Helmut Wehnert einig. Denn die beiden Geschäftsführer der „Academy Fahrschule Emotion“ in Passau sind lang genug im Geschäft, um zu wissen, welchen Vorteil das neue System mit Einsatz KI-gestützter Simulatoren bringen kann.



Digital macht‘s möglich. Durch den Einsatz KI-gestützter Simulatoren können die Fahrschüler nicht nur das Fahren an sich intensiver und günstiger üben als im Auto, sondern sie bewegen sich auch in der Umgebung und auf den Straßen, die sie in der Prüfung erwartet.

Fahrschul-Simulatoren sind nichts Neues, die „Academy“ Passau holte sich 2017 den ersten. Auf vier Stück ist ihre Flotte mittlerweile gewachsen in ihrer Zentrale in der Theresienstraße. „Für unsere Fahrschüler ist das gar nichts Besonderes mehr, die wissen oft mehr darüber als ich“, sagt Andreas Braml lachend.

Acht Autos sammeln Daten



Das dürfte sich ändern, denn welcher 17-Jährige kennt Passaus Straßen in- und auswendig? Durch die wird er aber demnächst fahren können, am Bildschirm und mit der VR-Brille. So ein Simulator ist keine vergrößerte X-Box, sondern Autofahren im Trockendock – Kuppeln, Bremsen, Schalten, Blinken, Schulterblick... die digitale Welt ist so realistisch aufgebaut wie die analoge. „Wenn man schlecht anfährt, dann würgt man den Simulator ab und muss neu starten“, macht Fahrlehrerin Astrid Wehnert deutlich, wie nah an der Wirklichkeit man sich bewegt.

Und damit sich die Fahrschüler in der Neuburger Straße auch in der IT-Welt richtig einordnen lernen, zeichnen acht Academy-Autos Passau auf. Jede Fahrschul-Fahrt ist zugleich eine Kamera-Fahrt. Die Daten schaufelt die Fahrschule an den Software-Lieferanten rüber. Der erstellt damit ein Bit-Bild der Stadt. „Es wird heuer im 2. Quartal fertig sein, hat man uns versprochen“, setzt Andreas Braml ein Zeit-Zeichen. 50 Kilometer Prüfstrecke sind das Ziel.

„Wir holen unsere Fahrschüler dort ab, wo sie stehen.“



Am Ball bleiben, mit der Zeit gehen, das sei ihnen und dem ganzen Team wichtig, betonen die „Academy“-Chefs. „Wir holen unsere Fahrschüler dort ab, wo sie stehen. Auch in der Schule, an der Uni und am Ausbildungsplatz bewegen sie sich ganz selbstverständlich im Digitalen. Da darf man als Fahrschule nicht zurückbleiben.“

Ganz im Gegenteil: Weil die Passauer zu den Ersten gehören, die ein umfassendes Digi-Bild ihrer Stadt liefern, werden sie von den Software- und Simulator-Herstellern auch bevorzugt behandelt. So soll am Samstag bei der Vorstellung der digitalen Fahrschule der Hersteller einer Handy-App dabei sein, der die Daten der Simulator-Fahrten auswertet. Als Ergebnis werden Fahrschüler und -lehrer z. B. grüne, gelbe und rote Punkte aufgezeigt: da wurde alles richtig gemacht, dort fehlte der Schulterblick oder auf der neuralgischen Schanzlbrücke hätte es einen Totalschaden gegeben.

Heile High-Tech-Welt?



Man kann also gezielt an den Schwächen arbeiten. Und sollte ein Fahrlehrer mal Urlaub haben – kein Problem: Sein Vertreter kennt anhand der digitalen Aufzeichnungen, was schon gemacht wurde und was nicht und wo der Hase im Pfeffer liegt.

Die heile High-Tech-Welt also? Astrid Wehnert kennt die Bedenken: „Ich weiß, es heißt immer, mit der KI geht die Menschlichkeit verloren. Aber bei uns ist das Gegenteil der Fall“, spricht sie aus Erfahrung, „wir reden jetzt mehr mit den Fahrschülern, weil wir eine unleugbare Gesprächs-Basis haben.“

Andreas Braml zählt weitere Vorteile auf: Umweltschutz (es läuft kein Motor), Verkehrsentlastung, weniger Stress, Üben 24/7. Helmut Wehnert sieht die Zukunft unbedingt digital: „Piloten haben nur mehr sechs echte Flugstunden bis zur Prüfung, der Rest läuft komplett am Simulator.“