Vilshofen
Ein Künstler, fünf Überraschungen: Witzige Keramik und Grafik in der Turmgalerie in Vilshofen

05.03.2024 | Stand 05.03.2024, 11:00 Uhr

Vorsitzende Erika Schwitulla freute sich über den Besucherandrang, mit ihr (v.l.) 2. Bürgermeister Rudi Emmer, Matthias Englmaier, Hans Morhard und Altbürgermeister Hans Gschwendtner. − Fotos: Hirtler-Rieger

Bis hinunter ins Treppenhaus des Stadtturms in Vilshofen (Landkreis Passau) drängten sich die Besucher, als die neue Ausstellung des Kultur- und Geschichtsvereins in der Turmgalerie eröffnet wurde. Bizarr, heiter und skurril sind die Werke der beiden Künstler aus der Region, die Vorsitzende Erika Schwitulla vorstellte.

Hans Morhard aus Germannsdorf bei Hauzenberg hatte sich zunächst an der Kunstakademie beworben, studierte aber dann Bautechnik und arbeitet heute an der Berufsschule Waldkirchen. Die Kunst füllt neben der Familie sein Leben vollends aus und bereitet ihm ersichtlich große Freude. Mit einem Klumpen Ton in der Hand zeigte er dem Publikum, wie er arbeitet: „Schauen Sie, da lacht mich ja schon ein Gesicht an!“, sagte er und drückte mit dem Finger mal hier, mal da hinein.

Morhard beginnt immer mit dem Kopf, der den Charakter erahnen lässt. Die Köpfe werden beschnitten, angestückelt, immer wieder verändert und suchen sich dann ihren passenden Körper.

Auf dem Weg hin zur fertigen Skulptur erlebt Morhard, wie er erzählte, fünf Überraschungen. Was für ein Charakter-Kopf entsteht da überhaupt? Und wie sieht er aus, wenn ihn Morhard noch einmal aus der Distanz betrachtet? Was passiert mit der Tonfigur, wenn sie im Ofen gebrannt wird? Und was verändert sich, wenn die gebrannten Objekte glasiert, bemalt oder mit geflammtem Fichtenharz überzogen sind? Die fünfte Überraschung ist der Betrachter selbst: Was ereignet sich in seinem Kopf, wenn er die schillernden, bizarr geformten keramischen Skulpturen anschaut? Der Austausch mit dem sehr interessierten Publikum bei der Vernissage war ein Highlight für den 46-jährigen.

Deutlich jünger ist der zweite ausstellende Künstler. Der 24-jährige Vilshofener Matthias Englmaier machte am Gymnasium Vilshofen sein Abitur und arbeitet bei einer Design- und Kommunikations-Agentur. Seine ehemalige Kunstlehrerin Christina Lehner hielt die Laudatio und erzählte von ihrer Verblüffung, als sie dem Schüler zum ersten Mal in der Oberstufe über die Schulter schaute: „Der kann ja richtig gut zeichnen!“, stellte sie fest.

Sein Talent machte Englmaier, der sich das Zeichnen selbst beigebracht hat, unter anderem bei der Einsendung seines Plakatentwurfs zum Oktoberfest deutlich. Immerhin holte er sich den dritten Platz mit seiner witzigen Hommage an die Wies’n. Lehner machte auf den spielerischen Witz, auf Erfindungsreichtum und Liebe zum Detail in seinen Werken aufmerksam, die in der Turmgalerie hängen.

Die Arbeitsweise des jungen Künstlers zeigt neue Wege auf. Die sorgfältige Skizze, die er mit Bleistift und Fineliner auf Papier vorab macht, wird danach auf dem Tablet eingescannt und dort mit Linie und Farbe vollendet. Die Technik macht es möglich, dass manche Bilder auch „laufen lernen“.

Per Handy und QR-Code erwacht etwa das Wimmelbild, in dessen Mittelpunkt das Weiße Haus steht, zum Leben: Die Freiheitsstatue fliegt durch die Luft, der Panzer bewegt sich und Trump, der sich an der Fahnenstange festklammert, hat mächtig zu kämpfen.

2. Bürgermeister Rudi Emmer war sichtlich angetan und freute sich in seinem Grußwort über die erfrischende Kunst, wie auch Altbürgermeister Hans Gschwendtner sowie zahlreiche Lehrer und Schulleiter Stefan Winter.

Musikalisch setzte das Saxophonicum (Michaela Roth-Haslbeck, Josefa Schuhbaum, Markus Hofbrückl, Wolfgang Müller, Peter Wallner) wunderbare Akzente.