Kapelle Breitenberg prägt seit 1874 das gesellschaftliche Leben der Gemeinde
Die älteste Blaskapelle im Landkreis Passau wird 150

19.05.2024 | Stand 19.05.2024, 5:00 Uhr
Helmut Rührl

Das älteste Foto von der Blaskapelle Breitenberg ist um das Jahr 1880 entstanden. In der Bildmitte mit Piccolo-Flöte zu sehen ist Kapellmeister Raymund Höpfl.

Seit 150 Jahren sind sie fester Teil des Dorf- und Gemeindelebens. Die Musiker der Blaskapelle Breitenberg spielen bei Jahresversammlungen und Jahresmessen der Vereine, bei Ehrungen und Segnungen, bei Empfängen von Weltmeistern und Olympiasiegern, bei runden Geburtstagen. Sie begleiten die Ortsvereine auch bei Beerdigungen ihrer Mitglieder.

Vielen kirchlichen Festen in der Pfarrei verleiht die Kapelle den festlichen Rahmen. So fehlen die Musiker bei keiner Prozession, bei keinem Erntedank, bei keinem Jubiläum der Wehren, der Schützen oder der Krieger und Soldaten. Sie überbringen musikalische Neujahrswünsche, sind als „Pfingstsinger“ unterwegs, führen den Martinsumzug des Kindergartens an und gestalten die Übergabe des Friedenslichts an Heiligabend in der Pfarrkirche.

Berühmt ist der Auferstehungsmarsch, den seit Generationen die Blasmusik jedes Jahr beim Osternachtsgottesdienstes nach dem „Gloria“ intoniert. So können heuer, genauer gesagt am 26. Mai, 30 aktive Musikerinnen und Musiker sowie viele Ehemalige stolz auf eine 150-jährige bewegte Geschichte ihrer Kapelle zurückblicken, der ältesten im Landkreis.

Ein erster schriftlicher Beleg für die Existenz einer Blaskapelle in der „Neuen Welt“ findet sich in einem Schreiben des Feuerwehrhauptmanns Martin Kirmaier vom 8. Juni 1874 an das Kommando der Feuerwehr Wegscheid. Er werde mit einer Mannschaft von 15 Mann und einer „Musikkapelle von zehn Mann“ zur Fahnenweihe nach Wegscheid kommen.

Feier nächste Woche vom 24. bis 26. Mai



Ein Bericht der Donauzeitung vom 18. Juli 1876 über die Fahnenweihe der Breitenberger Krieger und Veteranen erwähnt zum ersten Male mit Raymund Höpfl auch den Dirigenten: „…die Breitenberger Musiker unter meisterhaften Direction des Hrn. Raymund Höpfl wirklich gelungene Stücke zum Vortrag brachten…“.

Wenn die Blasmusiker 1876 schon „wirklich gelungene Stücke“ spielten, muss ihre Tradition viel weiter zurückreichen. So „quittierte“ am 26. Mai 1844 der Breitenberger Gastwirt Benedikt Baumgartner dem Pfarramt, dass er „79 Gulden 31 Kreuzer in baaren“ erhalten hat für die Bewirtung von zwölf Herren von der Landwehrmannschaft aus Wegscheid und von Musikern mit Bier, Wein und Rindfleisch anlässlich der Weihe des Erweiterungsbaus der Pfarrkirche.

Drei „große“ Kapellmeister prägten die ersten hundert Jahre der Blaskapelle. Seit den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts bis zu seinem plötzlichen Tod beim 25-jährigen Gründungsfest des Krieger- und Veteranenvereins im Jahre 1902 dirigierte Raymund Höpfl die Blaskapelle. Dieser war ein großer Musiker gewesen, spielte meisterhaft auf seiner Piccolo-Flöte, komponierte und arrangierte viele Musikstücke für seine neunstimmige Blasmusik. Im Archiv der Blaskapelle finden sich viele alte Notenhandschriften aus seiner Hand.

Von 1920 bis 1943 leitete der Sattlermeister Xaver Okelmann die Kapelle. Im bescheinigten schon seine Lehrer im Zeugnis „…hat sehr gute musikalische Anlagen, singt nach Noten und spielt Violine...“. Okelmann holte sich den letzten „musikalischen Schliff“ als Militärmusiker und war bis zum plötzlichen Tod im Jahre 1943 im weiten Umkreis gefragter Lehrer für Trompete, Geige und Zither.

45 Jahre lang, von 1943 bis 1988, dirigierte Josef Weidinger die Blaskapelle. Sein Lehrmeister war Okelmann, der dem jungen „Mortei Sepp“ das Geige-, Zither- und Trompetenspielen beibrachte, so dass er schon mit zwölf Jahren bei der Blaskapelle mitspielen konnte. Weidinger begründete die Breitenberger Stubenmusik und bildete viele junge Musiker aus.

Seit 1988 gibt Oliver Wurster den Takt vor. Geboren und aufgewachsen in Heidelberg machte er über Werner Weidinger, Sohn des „Mortei Sepp“, Bekanntschaft mit den Breitenberger Musikern. Er verlegte 1988 seinen Wohnsitz nach Breitenberg und übernahm ein Jahr später die Leitung der Kapelle. Er bildete sich fort, verstärkte viele Kapellen in der Umgebung als Flügelhornist, formte die Breitenberger Kapelle zu einem Klangkörper mit höchstem musikalischem Niveau, forcierte zugleich die Ausbildung junger Musiker.

Neben vielen Konzerten waren die Ausrichtung des „Tages der Blasmusik“ im Landkreis 1994 und die Auszeichnung mit der „Pro-Musica-Plakette“ durch den Bundespräsidenten Roman Herzog 1999 Höhepunkte in der langen Geschichte der Breitenberger Blaskapelle. Im selben Jahr wurde auch das 125-jährige Jubiläum gefeiert.

Von 2003 bis 2007 betätigten sich die Mitglieder der „Musi“ unter der Leitung von Vorstand Christoph Hainzl als fleißige Handwerker. Sie bauten mit finanzieller Unterstützung durch die Gemeinde das ehemalige Feuerwehrhaus zu einem modernen Proberaum um, der am 1. Juli 2007 von Pfarrer Wolfgang Hann den kirchlichen Segen bekam.

Großer Wert wird bei der Blaskapelle auf eine fundierte Ausbildung gelegt. So haben im Herbst 2023 zwölf junge Bläserinnen und Bläser wochenlang Theorie mit Kapellmeister Oli-ver Wurster gebüffelt und fleißig mit ihren Lehrkräften auf den Instrumenten geübt. Der verdiente Lohn war die Verleihung von Leistungsabzeichen in Silber und Bronze. Beim Festakt zum 150-jährigen Jubiläum im März heuer wurden Josef Hainzl (Tuba), der neunjährige Lukas Artinger (Tenorhorn) mit dem Leistungsabzeichen in Bronze, Marlene Ramesberger (Klarinette) mit Bronze plus und Maximilian Artinger (Flügelhorn) mit Silber ausgezeichnet.

Kapelle richtet auch den „Tag der Blasmusik“ aus



Schirmherr dieses seltenen Jubiläumsfestes vom 24. bis 26. Mai ist Landrat Raimund Knei-dinger. Die Breitenberger Blasmusik richtet zugleich den 44. Tag der Blasmusik im Landkreis aus. Nach dem Festgottesdienst am Sonntag, 26. Mai, um 9 Uhr in der Pfarrkirche St. Raymund versammeln sich die Ehrengäste mit dem Landrat an der Spitze auf der Tribüne am Kirchplatz. Dort werden dann die teilnehmenden Musikkapellen vier Musikstücke gemeinsam spielen.

− rü