Hofkapelle München startet vierte Saison
Der späte Mozart in Aldersbach

21.05.2024 | Stand 21.05.2024, 5:00 Uhr

Hochkonzentriert im Spiel: Rüdiger Lotter (v.l.), Isabella Bison, Pavel Serbin, Marina Money und Zeynep Tamay bei ihrem Konzert in Aldersbach. − Foto: Brigitte Mörtlbauer-Ruhland

Aldersbach. Seit 2020 gibt es sie – die Asam Barockakademie Aldersbach. Die Hofkapelle München unter Leitung von Rüdiger Lotter gibt im Rahmen dieses Projekts regelmäßig Konzerte in Aldersbach. Mit Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ verabschiedete sich das Ensemble im Dezember letzten Jahres für einige Zeit aus Aldersbach. Nun startete die Barockakademie in ihre vierte Konzertsaison, die gänzlich unter dem Motto „Mozart, Mozart!“ steht.

Der Grund hierfür liegt näher, als gedacht, denn Familie Mozart weilte im Jahr 1762 unweit von Aldersbach eine knappe Woche in Passau, um dem dortigen Erzbischof die Ehre zu erweisen. Das erste Konzert der Reihe widmete die Hofkapelle dem späten Mozart. Den Auftakt machte die vorletzte Sinfonie des Komponisten, die Sinfonie Nr. 40 g-Moll KV 550.

Als Klingelton beliebt

Dieses Werk gehört wohl zu den bekanntesten der Musikgeschichte, tönt es doch sehr gerne durch diverse Fernsehwerbungen oder erfreut sich als Handyklingelton großer Beliebtheit. Diese und zwei weitere Sinfonien komponierte Mozart im Sommer 1788 innerhalb weniger Wochen, voller Geldsorgen und „schwarzer Gedanken“, wie der Komponist selbst in einem Brief schrieb.

Dieses Werk gab die Hofkapelle allerdings nicht im Original zum Besten, sondern in der Bearbeitung aus der Feder von Peter Lichtenthal. Solche Bearbeitungen erfreuten sich damals großer Beliebtheit und hatten in einer Zeit, in der es noch keine Tonträger gab, zum Ziel, den Künstler auch im Ausland bekannt zu machen. Lichtenthal, der Carl Thomas Mozart, einem Sohn Mozarts und dessen Witwe Constanze sehr nahestand, setzte sich in Mailand für die Werke Mozarts ein und erstellte dabei unter anderem die Bearbeitung der Sinfonie Nr. 40 für Streichquintett.

Großartiges Quintett-Experiment

Anschließend gaben die fünf Solisten das Streichquintett g-moll KV 516 , das wohl zu Mozarts großartigsten Kammermusikwerken gezählt werden darf, zum Besten. Bereits im Jahr 1774 hatte sich der Komponist auf ein erstes Quintettexperiment eingelassen. Erst 14 Jahre später kehrte er auf diesen Weg zurück.

Da beide Werke wenige Jahre vor dem Tod von Wolfgang Amadeus Mozart entstanden, also in einer Lebensphase des Künstlers, in der er sich in einer denkbar schlechten Verfassung befand, sind sie von einer gewissen Düsternis im Tonfall gezeichnet. Nach mehr als einer Stunde, legten die Solisten ihre Instrumente zur Seite und ein rundum gelungener Abend im Musiksaal des ehemaligen Zisterzienserklosters fand seinen Abschluss.

Die Hofkapelle München hat mit diesem Konzert erneut bewiesen, dass es keiner großen Bühne bedarf, um hervorragende Musik darzubieten und wurde für ihre bemerkenswerte Leistung mit viel Applaus belohnt.

Nächstes Konzert am 14. September

Wer noch mehr in Aldersbach von Mozart hören möchte, muss sich noch bis 14. September gedulden. Dann wird Rüdiger Lotter an der Solovioline das Thema „Mozarts Violine“ beleuchten. Am 19. Oktober kann man mit der Hofkapelle München den Einfluss von Bach auf Mozart entdecken. Und da das Silvesterkonzert letztes Jahr ein voller Erfolg war, wird es am 30. Dezember eine Neuauflage geben, das sowohl als Konzerterlebnis pur oder als Konzert plus Menü im Restaurant „Das Asam“ genossen werden kann. Tickets sind unter www.okticket.de erhältlich.

Und wie geht es nächstes Jahr weiter? Da hofft Rüdiger Lotter auch die im neuen Glanz erstrahlte Asamkirche als Konzertraum nutzen zu können.