Kradfahrer gerettet
Christophorus-Medaille für drei Lebensretter aus dem Passauer Land

24.05.2024 | Stand 24.05.2024, 19:00 Uhr
Milena Binkert

Wahre Schutzengel in Not: Manuel Höhe (v.l.), Simon Luger und Lidwina Süß (v.r.) haben einem schwer verletzten Kradfahrer im November 2022 unter widrigen Umständen das Leben gerettet. Dafür wurden sie nun von Ministerpräsident Dr. Markus Söder in der Münchner Residenz mit der Christophorus-Medaille ausgezeichnet. − Foto: Mattihias Balk/Bayerische Staatskanzlei

Als Simon Luger, Manuel Höhe und Lidwina Süß aus dem Landkreis Passau an einem kalten Novembermorgen vor zwei Jahren in ihre Autos stiegen, ahnten sie noch nicht, in welche Situation sie nur Minuten später kommen würden – dass sie zu Lebensrettern werden. Sie waren drei der ersten Helfer an einem Unfallort und haben einem jungen Kradfahrer wohl das Leben gerettet. Dafür wurden sie nun von Ministerpräsident Dr. Markus Söder mit der Christophorus-Medaille ausgezeichnet.

Es ist der 18. November 2022, kurz nach 7 Uhr. Manuel Höhe aus Untergriesbach und Simon Luger aus Obernzell sind auf dem Weg zur Berufsschule Vilshofen und mit dem Auto auf der B388 von Obernzell in Richtung Passau unterwegs. Auf Höhe Erlau bremst plötzlich das Fahrzeug vor ihnen scharf ab, sie selbst können ihr Fahrzeug rechtzeitig zum Stehen bringen.

Die beiden jungen Erwachsenen erkennen schnell, dass vor dem Fahrzeug vor ihnen ein Leichtkraftrad auf der Straße liegt, weiter vorne ein beschädigtes Auto im Graben – nur von dem Kradfahrer, der offenbar mit dem Fahrzeug im Graben kollidiert war, fehlt jede Spur.

Sofort machen sich die beiden auf die Suche nach dem Fahrer des Zweirads. Erst nach einiger Zeit finden sie auf dem angrenzenden Radweg einen einzelnen Schuh und sie intensivieren ihre Suche in diesem Bereich.

Bewusstloser drohte, Böschung hinabzurutschen

„Das war ein ganz komisches Gefühl“, sagt Manuel Höhe zur PNP, „weil wir damals ja auch nicht wussten, in welchem Zustand sich der Fahrer befand“. Schließlich entdecken sie den schwer verletzten Kradfahrer in der steilen Böschung zur Donau hinab. Simon Luger und Manuel Höhe erkennen schnell, dass der Zweiradfahrer schwer verletzt wurde und dass er droht, in die unterhalb liegende Donau zu rutschen. Die beiden überlegen nicht lange, begeben sich sofort zu dem Verletzten und versuchen, ein weiteres Abrutschen des bewusstlosen Unfallopfers zu verhindern. Es gelingt ihnen. „Simon ist bei der Feuerwehr“, erzählt Manuel Höhe, „und weiß deshalb, wie man Erste Hilfe leistet. Er konnte mich ein bisschen anleiten, wie wir dem Bewusstlosen am besten helfen konnten“.

Kurz darauf kommt Lidwina Süß, die auch auf der Straße unterwegs war, hinzu und unterstützt die jungen Männer beim Sichern des Verletzten sowie bei der Erstversorgung des schwer verletzten Mannes. Die wichtigste Maßnahme dabei ist die Versorgung der lebensbedrohlichen Arterienverletzung am linken Bein des Kradfahrers. Bis zum Eintreffen der Rettungskräfte versorgen, beruhigen und sichern die drei Ersthelfer den jungen Mann, der nach einiger Zeit wieder zu sich kommt und versucht, sich zu bewegen.

Medaille wird seit 1983 verliehen

So viel Einsatz muss belohnt werden. Im Antiquarium der Münchner Residenz wurden die drei Lebensretter nun von Ministerpräsident Markus Söder mit der Christophorus-Plakette ausgezeichnet. Diese wird vom Freistaat Bayern an Personen verliehen, die jemanden unter besonders schwierigen Umständen aus Lebensgefahr retten.

Seit 1983 wurden bereits 1930 Menschen mit der Auszeichnung geehrt. Im Rahmen der Veranstaltung, bei der mehrere hundert Lebensretter der letzten Jahre aus ganz Bayern geehrte wurden, sagte der Ministerpräsident: „Bayern dankt seinen mutigen Lebensrettern. Helfen ist keine Frage des Alters, sondern von Herz und Einstellung. In Krisen zeigt sich der Charakter am stärksten, und Menschen entwickeln ungeahnte Kräfte. Wo sich andere wegducken, haben Sie selbstlos geholfen. Damit sind Sie echte Helden und große Vorbilder für uns alle.“

Koller: „Heimat dreier so couragierter Menschen“

Die Stimmung sei sehr gelassen gewesen bei der Verleihung, beschreibt Manuel Höhe. Mit dem Ministerpräsidenten hätten die drei ganz kurz bei der Übergabe sprechen können. Passaus stellvertretender Landrat Hans Koller begleitete die drei Ersthelfer aus dem Passauer Land mit nach München. Auch er würdigte den couragierten Einsatz der Drei: „Das Leben des völlig unverschuldet in den Unfall verwickelten jungen Kradfahrers hing sprichwörtlich am seidenen Faden. Ich bin überzeugt, dass der junge Mann nur durch Ihr schnelles und beherztes Handeln gerettet werden konnte. Der Landkreis Passau ist stolz, Heimat dreier so couragierter Menschen sein zu dürfen. Herzliches Vergelt’s Gott für Ihren selbstlosen Einsatz.“

Die Medaille aus München bekam nun ihren Ehrenplatz in Manuel Höhes Zimmer in Untergriesbach. Direkt über seinem Motorradhelmen platziert, erinnert sie ihn an den Einsatz, den die drei Lebensretter leisteten – und mahnt auch zur Vorsicht, sobald man aufs Motorrad steigt.