Zwei aggressive Hunde
Chihuahua totgebissen: 22-jährige Hundehalterin ermittelt – PETA fordert Hundeführerschein

Laut Polizei war sie weitergegangen, nachdem ihre großen Hunde das kleine Hündchen getötet hatten

22.02.2024 | Stand 23.02.2024, 11:28 Uhr

Der Chihuahua gilt seit seiner Entdeckung durch die westliche Kultur um das Jahr 1850 als die kleinste Hunderasse der Welt. Sein Idealgewicht wird mit 1,5 bis 3 Kilo angegeben. − Foto: dpa

Im Fall des totgebissenen Chihuahua ist nun die Hundehalterin ermittelt der beiden „Täter-Hunde“ (vermutlich Bulldoggen). Laut Polizei handelt es sich um eine 22-jährige Frau mit Wohnsitz in Passau.



Sie sei bislang noch nicht vernommen worden. Die Sachbearbeitung liegt bei den Hundeführern der Polizeiinspektion Passau. Nähere Details werden voraussichtlich noch heute bekannt gegeben, teilt die Polizei auf Anfrage der PNP mit.

Die Tierschutzorganisation PETA nimmt jetzt den Vorfall zum Anlass, die bayerische Staatsregierung aufzufordern, einen verbindlichen Hundeführerschein einzuführen.

Der tödliche Angriff geschah am Dienstagvormittag. Eine 77 Jahre alte Passauerin war laut Polizei mit ihrem Chihuahua im Bereich der Eduard-Hamm-Straße spazieren gegangen. „Gegen 10 Uhr kam der 77-jährigen Frau eine Dame mit zwei größeren Hunden, vermutlich Bulldoggen, entgegen. Die beiden großen Hunde rissen sich plötzlich von der Leine und gingen auf den Chihuahua der Seniorin los“, heißt es im Bericht der Polizei. Die ältere Hundebesitzerin wollte die Hunde trennen und wurde dabei in die Hand gebissen.



Kleiner Hund mehrfach gebissen

Der Chihuahua wurde ebenfalls mehrfach gebissen. Die Bisse endeten für den kleinen Hund tödlich. Die Besitzerin der beiden größeren Hunde habe sich entfernt, ohne sich weiter um den angerichteten Schaden – unter anderem wurde die Besitzerin des Chihuahuas durch den Hundebiss leicht verletzt – zu kümmern. Ein Zeugenaufruf der Polizei folgte.

Problem meist nicht der Hund

„Meist liegt das Problem nicht beim Hund, sondern am anderen Ende der Leine. Somit ist die wahre Ursache für Beißattacken bei ihnen zu suchen – nicht beim Tier“, sagt Monic Moll, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA. „Jeder Hund, der falsch gehalten oder behandelt wird, kann zu einer Gefahr für Mensch und Tier werden – unabhängig davon, ob er einer ‚Rasse‘ angehört oder ein ‚Mix’ ist.“
Nach einer von PETA in Auftrag gegebenen Umfrage von August 2023 sprechen sich 68 Prozent der in Deutschland lebenden Erwachsenen für einen verpflichtenden Hundeführerschein aus.

Der Hundeführerschein sieht vor, dass künftige Halter vor Aufnahme eines Hundes einen Theoriekurs absolvieren, in dem sie Fachwissen über eine tiergerechte Haltung und Aspekte wie Kommunikation und Bedürfnisse von Hunden erwerben. Anschließend folgt für Halter und Hund ein gemeinsames obligatorisches Praxisseminar in einer Hundeschule. Eine funktionierende Kommunikation zwischen Hund und Halter ist unerlässlich, um Beißvorfälle zu verhindern.

Niedersachsen verlangt Sachkundenachweis für Hundehalter

Als erstes deutsches Bundesland hat Niedersachsen einen Sachkundenachweis für Hundehalter beschlossen – seit Juli 2013 ist der allgemeine Hundeführerschein verpflichtend. Dort ereigneten sich laut PETA nach drei Jahren nachweislich weniger Vorfälle. Im November entschied sich auch das Land Bremen für einen verpflichtenden Hundeführerschein. In Berlin sind Halter seit dem 1. Januar 2017 aufgefordert, sich bei der Aufnahme eines Hundes die notwendige Sachkunde anzueignen. Einige Städte belohnen verantwortungsbewusste Halter: Wer in München nach dem 1. Mai 2014 einen Hundeführerschein absolviert hat, kann sich ein Jahr lang von der Hundesteuer befreien lassen.

− dan/dpa