Passau
Bistumsetat 2024: Erstmals ein Rückgang bei der Kirchensteuer

Bistum Passau plant mit einem Etat von 143 Millionen Euro – Finanzdirektor stellt sich auf schwierige Zeiten ein

29.01.2024 | Stand 29.01.2024, 21:09 Uhr

Die jahrelangen Renovierungsarbeiten in und an der Klosterkirche Aldersbach werden 2024 abgeschlossen. − Foto: : Thomas Knödl

Der Etat der Diözese Passau für 2024 wartet durchaus mit einigen bemerkenswerten Informationen auf. Dem Finanzdirektor werde mit einem knapp sieben Millionen Euro höheren Etat geplant, während die Kirchenlohnsteuer ein Minus aufweise.





Der Etat der Diözese Passau für 2024 wartet durchaus mit einigen bemerkenswerten Informationen auf. Wie Finanzdirektor Dr. Josef Sonnleitner mitteilt, plant er mit einem Etat von 143,4 Millionen Euro. Und das sind rund 6,9 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. Wie er im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern betont, ist die Erhöhung einerseits der Inflation und den allgemeinen Preissteigerungen geschuldet, andererseits soll den Pfarrkirchenstiftungen für überfällige und unbedingt erforderliche Bauprojekt kräftig, mit 2,8 Millionen Euro, unter die Arme gegriffen werden.

Die andere Botschaft, die aufhorchen lässt, ist die, dass die Kirchenlohnsteuer erstmals ein Minus von 4,2 Prozent ausweist. Sonnleitner bestätigt, dass Passau wie alle deutschen Bistümer auch die Verschärfung der Finanzlage spürt.Und man werde sich künftig auf einen Rückgang der Kirchensteuereinnahmen einstellen müssen.

„Entwicklung wird Rechnung getragen“



In seiner Pressemitteilung betont der Finanzdirektor: „Schon seit längerem wird dieser Entwicklung in der Diözese Passau entsprechend dem pastoralstrukturellen Erneuerungsprozess Rechnung getragen, ein Veränderungsprozess hat bereits begonnen. So werden z.B. Projekte zur Zusammenarbeit im pastoralen Raum in den Fokus rücken oder auch durch zentrale Dienststellen Angebote und Aufgaben für die Fläche übernommen.“

Die Finanzsituation des Bistums sei aufgrund der in den letzten Jahren gebildeten Rücklagen noch gut, so Sonnleitner: „Aber ich stelle mich auf schwierigere Zeiten ein.“

Babyboomer gehen in Ruhestand



Bald gehen die „Babyboomer“ in den Ruhestand. Sonnleitner denkt da besonders an den geburtenstärksten Jahrgang der Nachkriegszeit, dem er selbst angehört, den 1964 geborenen Frauen und Männern. „Das wird in den nächsten Jahren einen spürbaren Effekt haben.“ Die Sparvorgaben der einzelnen Haushaltsstellen würden weiter eingehalten, so Sonnleitner. „Wir rechnen mit einem ausgeglichenen Ergebnis bzw. einem leichten Überschuss beim Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit.

Es konnten ein paar besondere Maßnahmen, wie z.B. die finanzielle Unterstützung der großen Ministrantenwallfahrt nach Rom, die in diesem Jahr ansteht, oder die Ausweitung der Bezuschussung der pfarrkirchlichen Maßnahmen besonders berücksichtigt werden“, erklärt Sonnleitner. Pro teilnehmendem Kind oder Jugendlichen werde eine Summe von 200 Euro bezuschusst, um die Kosten zu mindern. Spannend werde sein, ob sich die Kirchensteuer so entwickle wie prognostiziert. Trotz aller Herausforderungen sei es gelungen, einen Haushalt aufzustellen, der „wohlwollend für die Fläche ist und das christlich gesellschaftliche Leben in der Region stärkt.“

Einzelheiten aus der Mitteilung über den Jahreshaushalt 2024:
Zuschüsse für Pfarreien

Besonderes Augenmerk liegt erneut auf den Kirchengemeinden vor Ort. Die Pfarrkirchenstiftungen erhalten zur Unterstützung ihrer laufenden Haushalte viermal im Jahr Zuschüsse von der Diözese, die im Wesentlichen an die Größe der Pfarreien gekoppelt sind. Es gibt aber auch einen besonderen Zuschuss für den Unterhalt der Gebäude in Höhe von 1000 Euro pro Gebäude und Jahr. Sonnleitner hebt besonders das gute Miteinander mit ehrenamtlichen Kirchenverwaltern hervor.

Bauhaushalt mit Großprojekten
Die Anzahl der pfarrlichen Baumaßnahmen erhöht sich auf 122 Maßnahmen. Neben vielen kleineren Maßnahmen werden sechs Großprojekte die Diözese beschäftigen, wie zum Beispiel die Fertigstellung der Renovierungsmaßnahmen in Aldersbach (Lkr. Passau). Weitere große Maßnahmen sind: die Innen- und Außenrenovierung der Pfarrkirche in Lalling (Lkr. Deggendorf), die Dachsanierung der Pfarrkirche in Waldkirchen (Lkr. Waldkirchen) sowie die Dach- und Turmsanierung in Emmerting (Lkr. Altötting), der Turm der Pfarrkirche in Pfarrkirchen (Landkreis Rottal-Inn) sowie die Dachsanierung der Kirche in Eichendorf (Lkr. Dingolfing-Landau). Der Planansatz im Bauhaushalt wurde um zirka 2,8 Millionen Euro erhöht und beträgt nunmehr 10,8 Millionen Millionen.

Die wichtigsten Erträge
Die Einnahmen aus Kirchensteuereinnahmen belaufen sich auf 111,3 Millionen Euro (80 Prozent der betrieblichen Erträge). Vergütungen für Leistungen, welche die Kirche für den Staat erbringt, erwartet das Bistum in Höhe von 12,9 Millionen Euro (9 Prozent). Weitere 14,2 Millionen Euro (11 Prozent) sind Pfründe-, Miete- und sonstige Erträge bzw. Umsatzerlöse der Bildungshäuser, des Bistumsblattes und des Domladens. Der gesamte Betriebsertrag beläuft sich auf 138,4 Millionen Euro.

Wichtigste Aufwendungen

Die betrieblichen Aufwendungen in Höhe von 143,5 Millionen Euro entfallen auf die zentralen Bereiche Seelsorge (50,7 Millionen Euro, 35,3 Prozent), soziale Dienste (12,6 Millionen Euro, 8,8 Prozent) und kategoriale Seelsorge – wie Jugendarbeit, Familienpastoral oder Krisenseelsorge (15,2 Millionen Euro, 10,6 Prozent). In den Bereich Schule, Bildung und Kunst fließen 20,7 Millionen Euro (14,4 Prozent). Weltkirchliche und überdiözesane Projekte werden mit sieben Millionen Euro (4,9 Prozent) unterstützt.

Zentrale Einrichtungen

31,5 Millionen Euro (22 Prozent) wendet die Diözese hierfür auf. Für den Unterhalt zentraler Stiftungsgebäude sowie sonstiger wesentlicher Verpflichtungen der Diözese und eine ausreichende Deckungsreserve sind insgesamt 5,8 Millionen Euro (vier Prozent) veranschlagt.

Besondere Maßnahme

Die große Ministrantenwallfahrt nach Rom wird unterstützt. Pro teilnehmendem Kind oder Jugendlichen gibt es einen Zuschuss in Höhe von 200 Euro.