Nerven liegen blank
Anwohner räumen ihre Häuser leer und harren der Dinge in Kelheim-Staubing

01.06.2024 | Stand 01.06.2024, 20:02 Uhr |

. Vor seinem Haus zeigt Buchner die Marke (7,99 Meter) die der Pegel beim großen Hochwasser 1999 erreichte. − Fotos: Andreas Ober

Eduard Buchner hat mit seiner Familie und Freunden in Kelheim seit Freitagnachmittag, 14 Uhr, bislang durchgeschuftet. Er würde jetzt echt gerne eine Zigarette rauchen, sagt er. „Aber ich habe damit aufgehört.“



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Keller und Erdgeschoss seines Hauses im Kelheimer Ortsteil Staubing – für den es bislang keinen schützenden Donaudamm gibt – waren gegen 16.30 Uhr „zu zwei Dritteln leer geräumt“. Seine Familie ist eine von gut zehn im Dorf, die vom angekündigten Hochwasser betroffen sein werden. Vor seinem Haus zeigt er die Marke (7,99 Meter) die der Pegel beim großen Hochwasser 1999 erreichte und als zweites etwas darunter die Prognose für 7,50 Meter. Auch die „niedrigere“ Variante wird sein Haus mit Schlamm und Wasser bedrohen.

Hilfsbereitschaft groß



Die Hilfsbereitschaft im Dorf untereinander sei groß, schildert Buchner. Viele Mitbürger hätten ihm in höher gelegenen Teilen im Dorf Platz zum Unterstellen für Möbel und Elektrogeräte gewährt. Auch von der örtlichen Feuerwehr gebe es tolle Unterstützung.

Er habe so früh mit dem Ausräumen begonnen, weil er wisse, dass man später „die Einfahrt nicht mehr nutzen kann und man keinen trockenen Platz mehr vorfindet“. Sorge bereiten ihm auch seine Tiere: elf Kamerunschafe, davon sieben kleine und zehn Enten, „davon brüten vier gerade und die restlichen sechs legen“. Sie alle sind „wie Familienmitglieder“, so spät wie möglich wolle er sie aus ihrer gewohnten Umgebung evakuieren.

„Rückmeldung habe ich nicht erhalten“



Buchner hat auch Vertreter der LBV eingeladen, diese hatten erst kürzlich erneut Klage gegen einen Hochwasserschutz im Dorf eingereicht, auf diesen warten die Staubinger seit 1999. Er würde ihnen gerne zeigen, was Hochwasser bedeutet – und vielleicht hätten sie ja auch einen Tipp für seine Enten. „Doch eine Rückmeldung habe ich nicht erhalten.“

Bis Montag soll die Donau bei Kelheim einen Pegel von 7,50 Meter erreichen. Auch wenn die Prognosen ihm nicht viel Hoffnung machen, „ein kleiner Funken Hoffnung bleibt natürlich“, sagt Buchner.