„Pool of Invention“
Zehn Nationen zu Gast beim Festival im „Haidhäusl“

Vom regionalen Chor Provocantus bis zu Bildern aus Sand reichte das „Pool of Invention“-Festival in Haidmühle

21.11.2022 | Stand 19.09.2023, 3:57 Uhr |
Claudia Seidl

Diese tanzenden Frauen auf der Leinwand sind live aus Sand gestreut von Sandkünstlerin Anna Vidyaykina im Haidhäusl in Haidmühle. −Foto: Claudia Seidl

Sand, Wurzeln und Menschen der Musik wurden am Wochenende vor winterlicher Kulisse im urigen Haidhäusl in Haidmühle im Landkreis Freyung-Grafenau erlebbar. Hier traf sich bereits zum dritten Mal das Künstlerkollektiv aus zehn Ländern um den Passauer Geiger Florian Willeitner unter dem Namen „Pool of Invention“ zu einem Festival, das nach intensiven Probentagen in einem Konzertwochenende mündete.

Am Freitagabend traf das von Daniela Knaller gesprochene Märchen „Die Robbenfrau“ auf Sandkunst und Musik, gleich Rezitativ und Arie in einer Oper. Mit scheinbar mühelosen Bewegungen formte die Sandkünstlerin Anna Vidyaykina stets das poetische Bühnenbild dazu. Die obertonreichen Gesänge der Cellistin Marie Spaemann gaben der Sand-Frau eine betörende Stimme, kaum ein klangbar machendes Element blieb von den Musikern im durchkomponierten Stück unberücksichtigt. Drei Streicher wurden durch die begleitende Stütze vom Klavier und der gefühlvoll virtuosen Klarinettenklänge des Christoph Zimper bereichert.

Der Samstag stand ganz im Zeichen von transkulturellen Brücken. Neben eigenen Nachbauten tschechischer Instrumente zeigte Tomáš Žižka, welche Klänge mittels Bürsten, Stäbchen oder Rührbesen einem Stück Wurzelholz entlockt werden können. Abends kam „der Nachbar von nebenan“, wie sich der gebürtige Karlsbader Václav Fuksa selbst vorstellte. Der tschechische Troubadour brachte alte böhmische und mährische Volkslieder in das 21. Jahrhundert herüber, und bayerische Volksmusik mit der in und um Passau bestens bekannten Sturmberger Freitagsmusi rundeten den kulturellen Austausch ab.

Das Kunstlied in vielen Facetten war das Motto des Sonntagskonzerts. Unter der Leitung von Ansver Sobtzick sang der Konzertchor Provocantus bekannte Lieder in teils modernen Arrangements. Im zweiten Teil zeigten The Erlkings, wie sie mit den bekannten Kunstliedern von Schubert oder Schumann in ihrer Zeit und auf ihre Bedürfnisse abgestimmt umgehen. Der nach typischen Singer-Songwriter aussehende Bryan Benner mit Gitarre und Blümchen-Hemd beweist in seinen Bearbeitungen nicht nur tiefes Verständnis Schubert’scher Musik, sondern fand mit seinen Kollegen an Tuba, Cello und Schlagwerk zu einer überraschenden Intimität und Einheit.

Claudia Seidl