Kosten steigen um mehr als das Doppelte
Wer soll Thurmansbangs Barrierefreiheit bezahlen?

10.07.2024 | Stand 10.07.2024, 11:00 Uhr |
Hermann Scheuer

Kostenexplosion auch beim Schulparkplatz: Der Ausbau kostet allein jetzt schon 510 000 Euro. − Foto: Scheuer

Thurmansbang soll barriereärmer werden. In der letzten Gemeinderatssitzung wurde bekannt, dass die Kosten aus dem Ruder laufen. 2018 lagen die Schätzkosten für alle Maßnahmen bei circa 581000 Euro, sechs Jahre später liegen sie bei 1246000 Euro. Der Schulparkplatz allein kostet jetzt 510000 Euro.

Bürgermeister Stefan Wagner eröffnete die Gemeinderatssitzung mit dem aktuellen Sachstand zur Planung der Barrierefreiheit im öffentlichen Raum. Dabei geht es um den Beschluss vom 1. Februar 2018, dort hat der Gemeinderat bereits eine Prioritätenliste beschlossen und die Erstellung des Parkplatzes bei der Schule als dringlichste Maßnahme angesehen. Das Genehmigungsprozedere bei der Regierung und nachfolgend die Corona Pandemie verhinderten die bisherige Umsetzung: Die Absenkung der Gehwege im Bereich der beiden Engstellen in der Ortsmitte und bei der Sparkasse/Apotheke/Ärztehaus den Gehweg verbreitern und die Treppe versetzen und weitere sechs Maßnahmen.

Was ist die richtige Gewichtung?



Christine Engel vom Ingenieurbüro G/S Architekten PartG mbB stellt in einer Power-Point-Präsentation das Vorhaben erneut vor und ging dabei auch auf die neue Kostensituation ein. 2018 lagen die Schätzkosten für alle Maßnahmen bei ca. 581000 Euro, sechs Jahre später liegen sie bei 1246000 Euro. Der Schulparkplatz allein kostet jetzt 510000 Euro.

Während die meisten Gemeinderäte sich der Priorisierung des wichtigsten Parkplatzes in Thurmansbang anschlossen, lehnte dies Gemeinderätin Bettina Blöhm ab und setzte die Barrierefreiheit als wichtigstes Ziel fest. Auch Mariele Bauer sah die 2018 befürworteten Maßnahmen als dringend erforderlich an. Gemeinderat Michael Brennberger fragte nach den Fördermöglichkeiten und Andreas Bauer mahnte die Räte an: „Wir haben weiß Gott andere Baustellen vor uns, da muss man sich gut überlegen, wofür wir jetzt unser Geld ausgeben“.

Dem Antrag auf Neubau eines Einfamilienhauses in Holzbauweise im Geltungsbereich des Bebauungsplanes „Gründelln“ auf Fl. Nr. 620, Gmkg. Thurmansbang wurde einstimmig zugestimmt.

Debatte über Änderung des Landschaftsschutzgebietes



Bei dem nächsten Punkt gab es wieder intensive Debatten. Es ging um eine Stellungnahme der Gemeinde zur Änderung des Landschaftsschutzgebiets (LSG) Bayerischer Wald. Aufgrund der Bedeutung des Ausbaus der Erneuerbaren Energien sowie der voraussichtlich steigenden Anzahl an Vorhaben soll die Realisierung von Freiflächen-PV-Anlagen innerhalb des LSGs in naturschutzfachlich unproblematischen Teilflächen erleichtert werden. Die Gemeinderäte diskutierten mögliche Einschränkungen sowohl für Antragsteller als auch für die Natur, dann stimmten 10 Gemeinderäte zu, Andreas Bauer stimmte dagegen. Der Entwurf der Änderungsverordnung über das „Landschaftsschutzgebiet Bayerischer Wald“ wird bis 18. Juli im Rathaus der Gemeinde Thurmansbang, Gründelln 3 öffentlich ausgelegt.

Anschließend folgte der Bericht der Rechnungsprüfungs-Ausschussvorsitzenden Mariele Bauer über die Jahresrechnung 2023. Zusammen mit Michael Baumann und Thomas Brennberger attestierte sie den Räten zuerst, dass die Prüfung der Jahresrechnung keine Beanstandungen ergab.

„Mehr Austausch mit den Vermietern nötig“



Aber die Rechnungsprüfer machten auch Vorschläge, um in Zukunft effektiver und bürgerfreundlicher zu arbeiten. Zunächst möchte Mariele Bauer die Arbeit im Tourismusbüro optimieren. „Hier muss ein wesentlich besserer Austausch mit den Vermietern erfolgen.“ Sie regte eine jährliche Zusammenkunft an, auch eine regelmäßige Schulung der Vermieter wäre Aufgabe des Tourismusbüros. „Da ist noch viel Luft nach oben. Thurmansbang hat Potenzial für viel mehr Tourismus als nur das Elefantentreffen“.

Dann unterbreitete der Prüfer Michael Baumann dem Gremium einen weiteren Vorschlag, er regte an, alle vorgeschriebenen Prüfverfahren für die gemeindlichen Feuerwehren zu koordinieren, um hier in Zukunft Geld zu sparen.

Der Vorschlag fand die große Zustimmung des Gremiums und auch die Ankurbelung des Fremdenverkehrs sei oberste Aufgabe des gemeindlichen Touristbüros, so die Räte. Zum Schluss mahnte der Bürgermeister noch einmal die Ratsmitglieder an, ihre Funktion in den Ausschüssen wahrzunehmen, rechtzeitig abzusagen und eine Vertretung zu schicken. Nur so funktioniere das Gemeinwesen.