Freyung, Perlesreut, jetzt Kumreut
„Viele Gegner könnten meine Kinder sein“: Petr Balousek (44) stürmt noch immer im Bayerwald

17.10.2023 | Stand 17.10.2023, 6:00 Uhr

Zwölf von 15 Saisontoren des SV Kumreut in der laufenden Runde der A-Klasse Freyung hat Petr Balousek (am Ball) erzielt. − Foto: Escher

Es braucht eine ziemlich weite Rückblende, um diese außergewöhnliche Fußballerkarriere einzuordnen: anno 1999 – der große FC Bayern München hatte im Champions-League-Finale gerade die historische Last-Minute-Pleite (1:2) gegen Manchester United erlitten – also noch vor der Jahrtausend-Wende begann das Legionärs-Abenteuer eines jungen Tschechen im Bayerwald: Petr Balousek, damals 20, stürmte erstmals unter der Regie von Trainer-Ikone Rudi Damberger für den TV Freyung.

Heute, fast ein Vierteljahrhundert später, trifft der mittlerweile 44-jährige Goalgetter wieder im ostbayerischen Amateurfußball – für den SV Kumreut in der A-Klasse Freyung.

Petr Balousek ist für den aktuellen Tabellensiebten ein Glücksfall. Trotz seines mittlerweile doch fortgeschrittenen Alters zeigt der Angreifer, dass er nichts von seiner Gefährlichkeit eingebüßt hat. Nach 13 Toren in der vorigen Saison netzte der Tscheche in der aktuellen Spielzeit schon wieder zwölf Mal in acht Partien. „Mittlerweile könnte ich von vielen Mitspielern oder Gegnern der Vater sein, aber das treibt mich in gewisser Hinsicht auch an. Sich mit Jüngeren zu messen und ihnen die Stirn zu bieten, das macht mir richtig Spaß. Ich bin Torjäger und verliere einfach nicht gerne, egal ob im Training oder beim Spiel. Zurzeit läuft es richtig gut, darüber bin ich wirklich froh.“

80 Kilometer einfach ins Training und zum Spiel



Mehr als ein Jahrzehnt war der kickende Familienvater von der regionalen Bildfläche verschwunden, seine letzte Station war damals der SV Zenting, ehe sein Weg 2011 in Richtung Österreich führte. Nach einem Kreuzbandriss spielte der Goalgetter zuletzt sieben Jahre in seinem Heimatland.

Doch wie kam es zur Rückkehr und dem Wechsel nach Kumreut in der Vorsaison? „Es war immer ein Kindheitstraum, in Deutschland zu spielen – und der wurde bereits im Alter von 20 Jahren wahr. Nach dem Saisonende 2022 in Tschechien meldete sich Daniel Heinzl (Sportlicher Leiter SV Kumreut, Anm. der Redaktion) bei mir. Wir vereinbarten, dass icherstmal nur zum Training komme und wir dann weiter sehen. Wir haben uns sehr gut verstanden, alles hat super geklappt und so lebe ich 24 Jahre nach meinem Debüt in Bayern noch einmal meinen Kindheitstraum, dafür danke ich Daniel.“

Wie ernst der Stürmer seine Aufgabe nimmt, wie sehr er seine Teamkollegen und Umgebung respektiert, zeigt sich darin, dass er mindestens einmal pro Woche die weite Reise zu einer Trainingseinheit antritt. Von Strakonice nach Kumreut sind’s geschmeidige 80 Kilometer Landstraße – einfach. Fahrzeit fast eineinhalb Stunden.

Alles begann 1999, als Balousek gemeinsam mit Bruder Jiři und Miroslav Soukup unter Trainerikone Rudi Damberger (aktuell Trainer beim VfB Passau-Grubweg) beim TV Freyung anheuerte. Für den Stürmer war es damals eine lehrreiche Zeit, gerade die Mentalität, Herangehensweise aber auch der Aufwand waren ungewohnt. Je zwei Trainingseinheiten und ein Spiel pro Woche, an diese Situation hat er sich jedoch schnell gewöhnt.

2002 gings dann für kurze Zeit ein erstes Mal nach Österreich, bevor es Balousek 2004 nach Perlesreut verschlug. Karl Thoma hatte dafür gesorgt, dass der Wechsel zustande kam. Gemeinsam mit seinen beiden Landsleuten Martin Kozma und Tomáš Sleza kämpfte man in der Bezirksoberliga um den Klassenerhalt. Es war die längste Vereinszugehörigkeit bei einem Verein in Deutschland, deshalb liegt dem Torjäger der SV Perlesreut noch immer am Herzen. Ironie der Geschichte: Vor kurzem erzielte der Tscheche beim 1:0 gegen die Perlesreuter Reserve den Siegtreffer.

Mit 44 nochmal neue Schlappen gekauft



In seinem Heimatland arbeitet Petr Balousek als Fertigungsleiter in einem Industrieunternehmen und lebt seit über zehn Jahren in einem kleinen Dorf in Südböhmen nahe Strakonice. Mittlerweile trainiert er unter anderem seinen achtjährigen Sohn, auch in Zukunft wird sich somit weiterhin alles um Fußball drehen.

Im Übrigen, erzählt der Legionär, sei er seit seiner Jugend inzwischen vorm Tor viel ruhiger geworden ist. Wenn die erste Chance nicht sitzt, kommt die nächste, die er nutzt. „Ich will weiter Spaß am Fußball haben und die Zuschauer unterhalten. Auch wenn der Ruhestand näher rückt, habe ich mir zuletzt nochmal neue Fußballschuhe gekauft.“

− red