Röhrnbach
Unbeschwertes buntes Fest(ival) der Demokratie

Sieben Musik-Acts in der Josef-Eder-Halle – Organisationen und Verbände informieren über Pluralismus, Toleranz und Achtsamkeit

27.05.2024 | Stand 27.05.2024, 17:05 Uhr
Stefanie Reitberger

Ein musikalisches Highlight des Festivals war am späteren Abend der Auftritt von „Lonely Spring“. − Fotos: Steffi Reitberger

Gemeinsam abfeiern und chillen – aber auch über Demokratie nachdenken. Passt nicht zusammen? Tut es sehr wohl, das haben die Organisatoren des „Demokratie4all“-Festivals in Röhrnbach am Samstag mit einem noch nie dagewesenen Event bewiesen. Sieben Musik-Acts sorgten in der Josef-Eder-Halle für positive, ausgelassene Stimmung unter den überwiegend jungen Gästen, während ein Zusammenschluss verschiedener Organisationen und Verbände über Pluralismus, Toleranz und Achtsamkeit im Miteinander informierte. Und zwar niedrigschwellig: „Oft kommt Politik für die jungen Menschen zu abgehoben daher“, meinte zum Beispiel Thomas Seidl vom Demokratiemobil des Landkreises und der Ilzer-Land-Gemeinden. „Auf spielerische Art und Weise kann man ihnen Demokratie besser näherbringen.“
Wie das funktioniert, zeigten er und seine Mitstreiter mit alternativen Formen der Meinungsbekundung via Bobbycar-Ziellauf und Ballwurf statt schnödem Ankreuzen. Außerdem konnten die Besucher im Demokratiemobil unter anderem Buttons fertigen, um eine tolerante Lebenseinstellung nach außen zu tragen.
Ähnliches boten auch die Vertreter der „Seebrücke Passau“ an. Auf Second-Hand-Klamotten druckten die Aktiven Bilder mit Symbolcharakter gegen Rechts, welche die Festivalgänger selbst wählen konnten.

Aufklärung und Aktionen zu Politik und Ehrenamt

Aktionen wie diese verbanden die Vertreter der anwesenden Organisationen mit Öffentlichkeitsarbeit. So informierte die „Seebrücke“ über ihre Aktivitäten zur Unterstützung Geflüchteter. Die Passauer Ortsgruppe von Amnesty International klärte über aktuelle Petitionen und Vorhaben auf und „Gemeinsam leben und lernen in Europa e.V.“ ermutigte junge Menschen, sich im Ehrenamt zu engagieren. Am Stand von „Queer in Niederbayern“ gab es Infos zu LGBTIQ*-Lebensweisen, jedoch nicht nur durch Broschüren und Mitarbeiter, sondern auch im Rahmen eines Memory-Spiels.
Neben vielen weiteren Info-Angeboten war Europa im Allgemeinen und die EU im Besonderen großes Thema auf dem Event – gerade angesichts der anstehenden Europa-Wahlen, bei denen erstmals Bürger ab 16 wählen dürfen. Dementsprechend hatte auch der Stand von „Europe-Direct“, eines Info-Netzwerkes der EU-Kommission, regen Zulauf. Dort konnten die Besucher ihr Wissen über die EU in einem Fragenrad testen – und Gewinne ergattern. Viele versuchten sich auch im EU-Puzzle, bei dem die Staatsgebiete der Mitgliedsstaaten zu einer Einheit zusammengebastelt werden mussten.
Während im Außenbereich gespielt, geknobelt und über Demokratie gesprochen wurde, heizten im Innenbereich ab dem Mittag verschiedene Bands und Musiker ein. Auf „The Taylor Boys“, die „Bavarian Wrecking Crew“, „Serious?“ und „Breaking Three” folgte am Abend der Hip-Hopper Roger Rekless aus München, dessen Rap- und RNB-Titel sich unter anderem dem Thema Rassismus widmeten.
Voll wurde es vor der Bühne aber auch, als „Searching for a Reply“ ihrem Motto als „härteste Boygroup der Welt“ alle Ehre machten. Sie waren jedoch nicht die einzigen Lokalmatadore aus dem Landkreis, welche auf dem „Demokratie4all“-Festival für alte und neue Fans abrockten. Auch die Punk-Band „Lonely-Spring“ setzte mit ihrem Auftritt ein Zeichen für Akzeptanz. Eine Botschaft beider Bands: Es ist okay, wie du bist – hab Spaß dabei!
Und den hatten die Festival-Besucher, ob beim Abtanzen vor der Bühne oder beim Relaxen in der Sonne auf dem Areal vor der Halle. Dort ließen sich die Gäste auf den Treppen oder auf Lounges und Stühlen Pizza, Spätzle oder süße Snacks und Drinks schmecken.

Organisatoren happy: „Die Stimmung ist super“

„Die Stimmung ist super“, zog Sarah Meier Bilanz. Sie war als Vertreterin der Christlichen Arbeiterjugend Passau eine der Hauptorganisatoren der Veranstaltung. Aber auch ihr Teampartner Martin Wagner vom Kreisjugendring (KJR) Freyung-Grafenau war glücklich über das Zeichen für Pluralismus, das man mit dem Festival im Bayerwald habe setzen können. In seinem Grußwort forderte er die Gäste auf: „Wir wollen die Demokratie feiern, weil sie eines der besten Dinge ist, die wir in der Menschheit haben. Wir dürfen wählen, unsere Meinung sagen – und auch streiten.“
Röhrnbachs Bürgermeister Leo Meier zeigte sich erfreut, dass die Verantwortlichen seine Gemeinde als Veranstaltungsort gewählt hatten. „Wir als Markt stehen voll dahinter. Es ist großartig, dass hier jungen Leuten Demokratie erklärt wird.“ Neben Meier kamen auch viele Nachbar-Bürgermeister, Gemeinderats- und Landkreis-Vertreter sowie die MDLs Martin Behringer und Roswitha Toso, um den Veranstaltern zu ihrem innovativen Eventkonzept zu gratulieren. Gemeinsam mit Landrat Sebastian Gruber als Schirmherr des Festivals schaute sich auch der Präsident des Bayerischen Jugendrings Philipp Seitz auf dem Gelände um und kam mit den Aktiven der vertretenen Organisationen und Verbände ins Gespräch.

Leo Meier: „Wir als Markt stehen voll dahinter“

Gespräche über Demokratie und Europa führten aber auch die Festival-Gäste im Rahmen von Workshops am Nachmittag. Dazu luden „Europe Direct“, die Freunde und Förderer der Garnison Freyung, „Gemeinsam leben und lernen in Europa“, „Queer in Niederbayern“ und der Nationalpark Bayerischer Wald ein. Hauptthema war dabei neben der Europabildung die Bedeutung von Toleranz im Miteinander. Welche Dimensionen hat Queerness? Und wie soll man mit Stammtischparolen umgehen? Fragen wie diese wurden dabei von Referenten geklärt und um Tipps für den Alltag ergänzt. Wie man sich gegen Ausgrenzung engagieren kann, vermittelte zum Beispiel die Jugendorganisation des Deutschen Gewerkschaftsbundes in einem Workshop mit dem Titel: „Nazis hassen diese Tricks.“
Ganz in diesem Sinne stand bei allen Mitmach-Aktionen, Workshops und Musik-Shows auf dem „Demokratie4all“-Festival ein Grundkonsens im Fokus: Vielfalt rockt! Diese Botschaft nahmen die Besucher auf T-Shirts, Buttons, Schildern, aber auch in Form von Liedtexten für Offenheit und eine tolerante Lebenseinstellung mit nach Hause.